Schwanau Mehr Müll-Sünder durch Corona

Schwanau. Dass Rauchen der Gesundheit schadet, steht mittlerweile auf jeder Verpackung. Dass die Zigarettenstummel, die oftmals achtlos weggeschmissen werden, aber auch der Umwelt schaden, damit scheinen sich deutlich weniger Menschen auseinanderzusetzen. Ein Zigarettenfilter braucht etwa zehn bis 15 Jahre, bis er auf natürlichem Weg verrottet ist. Damit die Umwelt nicht vollkommen übersät wird mit dem robusten Unrat hat sich im Jahr 2014 die Initiative "Schwanau bleib(t) sauber!" gegründet. Mitorganisator Hubert Wetterer erzählt im Gespräch mit der Lahrer Zeitung, was sich in dieser Zeit alles verändert hat, welche skurrilen Funde gemacht wurden und wie sich die Corona-Pandemie auf die Vermüllung in der Gemeinde auswirkt.

Herr Wetterer, was steht alles hinter der Initiative?

Wir arbeiten mit großer Unterstützung der Gemeindeverwaltung, der Ortsverwaltungen und des Bauhofs. Von der Gemeinde erhalten wir Müllsäcke, Warnwesten, Handschuhe Greifzangen und Fahrradkörbe. Aus Eigenmitteln haben wir auch schon drei Fahrradanhänger beschafft. Die Eigenmittel stammen aus den Zuschüssen von Landratsamt und Gemeinde. Diese Zuschüsse – vier Euro pro Person und Sammlung vom Landratsamt – sind eigentlich als Entschädigung für die Sammelpersonen gedacht. Einige Leute verzichten auf das Geld, so haben wir einen kleinen Bestand. Was wir nicht brauchen, spenden wir. Die Initiative hat Ansprechpersonen in allen Ortsteilen. In Allmannsweier Ria Bühler, in Ottenheim Gabriele Siguda, in Wittenweier Rosi Malutzki und in Nonnenweier übe ich diese Funktion aus. Jede Ortsteilgruppe organisiert und sammelt für sich. Alle zwei Jahre findet die Ortenauer Kreisputzete statt. Für Schwanau organisieren wir diese Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. In den Jahren ohne Kreisputzete führen wir eine reine Schwanauputzete durch. Ansonsten wird in den Ortsteilen unterjährig eigenständig gesammelt, teils monatlich, teils vierteljährlich oder einfach nach Bedarf, sprich nach dem Müllaufkommen an den Wegesrändern beziehungsweise den Hotspots: Badeseen, Rhein, Umfahrung Allmannsweier.

Wie hat sich seither die Anzahl der Helfenden verändert?

Mit 15 Personen sind wir gestartet. Bei den "normalen" Sammelaktionen sind in Schwanau derzeit rund 40 Personen aktiv. Bei den Kreisputzeten nahmen 2016 rund 120 Leute teil, vergangenes Jahr waren es schon 263. Für die geplante Putzte in diesem Frühjahr hatten wir Anmeldungen von mehr als 300 Personen, leider hat uns Corona die Veranstaltung verdorben.

Hinsichtlich Corona, hat sich für die Sammler etwas verändert?

Neu ist, dass immer mehr Mund-Nasen-Masken in der Landschaft liegen. Wir stellen auch fest, dass sich in den vergangene Wochen das Freizeitverhalten vieler Leute geändert hat. Gerade am Rhein ist viel mehr los als zuvor. Und wo mehr los ist, wird mehr Müll entsorgt, gerade an und um die Sitzbänke. Plastikverpackungen, Bierflaschen, Papiertaschentücher liegen zuhauf herum und insbesondere unendlich viele Zigarettenkippen. Die sammeln wir zu Hunderten ein.

Was war das Skurrilste, was jemals eingesammelt wurde?

Im Januar dieses Jahres fanden wir einen Silikon-Penis bei Nonnenweier, das war natürlich kein alltägliches Stück. Etwas "Besonderes" war sicherlich auch der Fund eines nagelneuen Mountainbikes an der Rheinrampe in Nonnenweier. Wir informierten die Polizei. Es stellte sich heraus, dass das Rad bei einem Fahrradhändler in Hausach geklaut worden war. Immerhin erhielten wir einen ordentlichen Finderlohn.

Was ist der Ansporn der Initiative?

Nach unserer Arbeit ist es erkennbar sauberer an den Wegesrändern und öffentlichen Plätzen in Schwanau. Wir betreiben seit sechs Jahren aktiven Umweltschutz indem wir nicht nur "harmlosen" Müll sammeln, sondern beispielsweise auch Lacke, Farben, viele Batterien, Autoreifen, Kippen zu Tausenden, große und kleinste Plastikteile.

Wir haben einen harten Kern, der bestens gelaunt, inzwischen mit viel Erfahrung und großer Überzeugung der Sinnhaftigkeit des Tuns bei der Sache ist. Dass immer wieder Kinder mitmachen ist uns eine besondere Freude. Ansporn ist für uns auch die Anerkennung und Unterstützung von Bürgermeister, Ortsvorstehern, Gemeindeverwaltung, den Ortsverwaltungen und dem Bauhof. Im Übrigen gab es auch schon Fälle, dass uns Leute anriefen und uns auf Müllablagerungen aufmerksam machten. Das heißt man kennt uns und achtet uns – ein Ansporn eben. Die   Fragen stellte Nadine Goltz

Mitmachen dürfe jeder, allerdings gebe es bei den Sammelaktionen ein paar Regeln. "Wir tragen unbedingt Handschuhe und Warnwesten und setzen uns möglichst keiner Gefahr aus", sagt Organisator Hubert Wetterer.

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