Schwanau Holzhüllen reisen bis in die USA

Handyhüllen gibt es wie Sand am Meer. Meist sind sie billig und nicht immer umweltschonend irgendwo in Südostasien produziert worden. Das Exemplar, das Hannes Ells Telefon umhüllt, ist ein Unikat. Er hat es hergestellt – und macht das auch für andre.

Schwanau. Wenn sein eigentlicher Arbeitstag in der Schreinerei Geppert vorbei ist, hat Hannes Ell noch lange nicht genug. Der 28-Jährige fährt auch nicht in die Wohnung, die er sich mit seiner Freundin teilt, sondern zu seinen Eltern. Da, besser im Keller des Einfamilienhauses, hat Ell seine eigene Manufaktur aufgebaut. Er produziert Schutzhüllen für Tablets und Smartphones aus dem Hause Apple sowie Portemonnaies – und das alles aus Holz.

Jedes Teil ist ein Unikat, auch wenn sie sich im Aussehen natürlich sehr ähneln. Jedes Holz arbeitet anders, jedes Holz möchte auch anders bearbeitet werden, berichtet Ell. Nur die individuelle Herangehensweise – gepaart mit Maschinenunterstützung – ergibt millimeterfeine Holzhüllen, die sich an Smartphone oder Tablet anschmiegen und mit einem sanften Klick exakt einrasten. Silikon oder Gummi würde auch nicht besser anliegen, scheint es.

Was vor gut sechs Jahren als Spielerei und mit purer Handarbeit begann, ist heute eine kleine, funktionierende Manufaktur mit wachsenden Aufträgen. Ell liefert seine maßgeschneiderten iPhone-Hüllen etwa in die USA, die Slowakei, die Schweiz und darüber hinaus. Dafür nutzt er seinen eigenen Online-Shop sowie ausgewählte Händler.

"Auf die Idee hat mich meine Oma gebracht", berichtet der Schreinermeister. Sie hatte ihm eine Hülle für sein Smartphone gehäkelt. Das war die Initialzündung. "Das wollte ich auch machen, aber aus Holz!" Erst fertigte er kleine Schuber für die Telefone von Freunden, dann wurde sein Ehrgeiz geweckt. "Ich wollte, dass die Hüllen passgenau sitzen, wie eine zweite Haut." Also ging er ans Projektieren.

Mit Erfolg: Der Weg vom Holzblock zur Hülle nimmt mittlerweile weniger als eine Stunde in Anspruch: Die vorgeschnittenen Brettchen werden in eine computergesteuerte Fräse gelegt und innerhalb von 30 Minuten in grobe Handyhüllen verwandelt. Dann müssen die Kanten und alle sensible Stellen per Hand geschliffen werden, bevor der finale Schliff und die Lackierung kommen.

Nicht einmal zwei Millimeter ist das Holz an den Flächen stark. "Die Stabilität entsteht erst durch die Verbindung zwischen Smartphone und Hülle", erläutert Ell.

Olive, Laubhölzer – Ell hat unzählige Sorten gestestet, um herauszufinden, welche sich eignen. Letztendlich ist er bei einheimischen Harthölzern gelandet.

Dementsprechend produziert er in Kirsche, Nuss und Eiche. Auch Zwetschge, Apfel und Birne stehen manchmal zur Auswahl. Das hängt davon ab, ob sein Opa wieder mal einen Baum fällt.

Das Portfolio der Manufaktur wächst zusehends. Mittlerweile gibt es nicht nur Hüllen und Geldbörsen, sondern auch Fliegen aus Holz. Geplant sind zudem weitere Entwicklungen und ein höherer Bekanntheitsgrad.

Weitere Informationen: www.holzellement.de

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