Schwanau Herrenknecht: "CDU sollte jetzt in die Opposition gehen"

Unternehmer und CDU-Mitglied Martin Herrenknecht rät seiner Partei, in Stuttgart in die Opposition zu gehen. Foto: Braun

Schwanau - Der Unternehmer und CDU-Gönner Martin Herrenknecht (78) rät seiner Partei auf Landesebene dringend, die Finger von einer weiteren Zusammenarbeit mit den Grünen in Stuttgart zu lassen.

CDU sollte sich laut Herrenknecht neu aufstellen 

"Die CDU sollte keine Koalition mit den Grünen eingehen, sondern sich neu aufstellen und in die Opposition gehen", forderte Herrenknecht im Gespräch mit der Lahrer Zeitung am Freitag in seiner Konzernzentrale in Schwanau.

Der Unternehmer, mit seiner 5000-Mitarbeiter-Firma Weltmarktführer bei Tunnelvortriebstechnik, unterstützt die CDU seit Jahrzehnten, auch finanziell. Allerdings pflegt der kantige Unternehmer einen bekannt kritischen Dialog mit den Christdemokraten. Und jetzt, nach den CDU-Verlusten bei der Landtagswahl voriges Wochenende, reicht es dem Firmenlenker mal wieder: "Die CDU hat ihren Vorsprung, den sie einst unter Lothar Späth im Lande hatte, längst verspielt.

Spitze mit anderem Personal neu aufstellen 

Jetzt gilt es, wieder deutlich aufzuholen. Das kann nach meiner Meinung aber nicht mit dem bestehenden Personal an der Spitze der CDU im Land klappen", sagt Herrenknecht. Wer zweimal die Wahlen vergeige, habe nichts mehr an der Spitze verloren, sollte abtreten und anderen Köpfen Platz machen. Etwa dem Konstanzer Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (45), der in Berlin die Landesgruppe der CDU führt und auf den Martin Herrenknecht große Stücke setzt.

Die Partei, so mahnt der Schwanauer, müsse aufhören, den "Grünen nachzurennen" und wieder mehr eigenes Profil zeigen. Derzeit befinde sich die Partei "auf der Intensivstation". Das müsse sich ändern und dazu brauche es einen klaren Neuanfang, eben mit neuem Personal, das nah bei den Bürgern und deren Themen sei.

Gang in die Opposition sei die bessere Wahl 

Der bei der Wahl alles überragende Grünen-Chef Winfried Kretschmann werde bei den aktuellen Koalitionsverhandlungen in Stuttgart hoch pokern und das Beste für die Grünen herausholen, sagt Herrenknecht voraus. Da dürfe die CDU nicht mitspielen "und auf Knien vor den Grünen hin- und herrutschen", nur, um die nächsten Jahre in der Regierungsmitverantwortung zu bleiben.

Besser sei da der Gang in die Opposition, nur so könne sich die Partei wieder sammeln und dann, wenn Winfried Kretschmann vorzeitig seinen Posten räume, wieder gestärkt politisch angreifen. "Dann heißt es Attacke!", ruft der Schwanauer seinen Parteifreunden in Stuttgart zu.

Für die Bundestagswahl im Herbst sieht Herrenknecht indes nicht ganz so schwarz für seine Partei. Da werde die CDU wieder besser abschneiden als zuletzt in Stuttgart.

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