Schwanau Flaschenkauf hält Betrieb am Laufen

Bierbrauer Benjamin Herr aus Wittenweier will den Kopf trotz der Coronakrise nicht hängen lassen. Foto: Bohnert-Seidel

Wittenweier - Hochzeiten, Vereinsfeste und das Dorfjubiläum "750 Jahre Wittenweier" – alles ist weggefallen. Dies macht sich auch bei "Herr’s kleines Bierhaus" in Wittenweier bemerkbar. Benjamin Herr spricht von einem Umsatzrückgang von gut 70 Prozent.

Seit 14 Jahren gibt es "Herr’s kleines Bierhaus" in der Hauptstraße 55 in Wittenweier nun schon. Die Coronakrise macht sich auch dort bemerkbar. Jegliche Veranstaltungen wie Hochzeiten, Vereinsfeste, Familienfeste und das Dorfjubiläum "750 Jahre Wittenweier", sind weggefallen. Nicht nur die Einnahmen des Bierverkaufs, sondern auch die Verleihung von Festgarnituren und Spülmaschinen ist komplett auf Null gefahren.

"Leicht ist es nicht", sagt Benjamin Herr. Trotzdem sei er mit der Entwicklung des Bierverkaufs zufrieden. Der Verkauf von Fassbier sei zwar deutlich zurückgegangen, dafür habe der Verkauf von Flaschenbier an Fahrt gewonnen. 2020 habe er 300 Hektoliter Bier gebraut. 2021 hofft er auf ein Wachstum bis 350 Hektoliter.

Mit staatlichen Hilfen werden laufende Kosten abgedeckt

Pils, Export und Weizen sind die Stammsorten. Hinzu kommt der Maibock im Wonnemonat und das Weihnachtsbier für die besinnlichen Tage. Sehr gefragt sei aktuell auch sein Jubiläumsbier, das er eigens für die 750-Jahrfeier von Wittenweier gebraut hat. Zum kleinen Event des Einbrauens ist es im Februar 2020 noch gekommen. Glücklicherweise habe er 2020 noch nicht begonnen, das Bier in Fässer abzufüllen. Nachdem alle Veranstaltungen abgesagt worden waren, blieb den Wittenweirern immerhin neben der Jubiläumsschrift noch das Jubiläumsbier.

Weggebrochen seien sämtliche Veranstaltungen von Hochzeitsfesten bis Vereinsfesten. Bis zu 70 Prozent Umsatz fehlen. Den Kopf in den Sand stecken will der Wittenweierer Bierbrauer aber nicht. Ein Trost ist dem 43-Jährigen die Treue der Kunden, die verstärkt nach Flaschenbier greifen und so ein Stück Umsatz sicherten. Für die Frische seines Bieres, "nicht pasteurisiert und filtriert", danke ihm die Kundschaft.

Sich selbst habe er schon lange keinen Lohn mehr ausbezahlt. Gelebt werde von Sparbüchern und derzeit von den staatlichen Hilfen, die vor allem gebraucht werden, um die laufenden Kosten zu decken. "Ich hoffe, dass ich nicht nochmal im Herbst mit leerem Konto in den Winter starten werde", erklärt Herr. Allein der Gedanke daran bereite ihm Bauchschmerzen. Er hofft darauf, die Umsatzrückgänge nochmal aufholen zu können. Bier ist ein Frischeprodukt, das sich nicht lange auf Lager legen lasse und in Corona-Zeiten lieben die Menschen vor allem die Frische von Produkten.

Unverkennbar ist die Geschichte des Gebäudekomplexes der ehemaligen Raiffeisenzentrale. Im Keller waren in den 1960er- und 1970er Jahren die Gemeinschaftskühltruhen der Bevölkerung untergebracht. Die Kunst des Bierbrauens geht für Benjamin Herr einher mit traditionellem Handwerk und moderner Technik. Mag die Computersteuerung noch so perfekt sein, bleibe das bloße Auge die Sicherungsgarantie für eine ideale Schaumdecke als Zeichen einer optimalen Gärung.

Familienbetrieb

Der 43-Jährige Bierbrauer ist durch und durch. Von der Pike auf hat Benjamin Herr sein Handwerk gelernt: als Brauer und Mälzer in Schmieheim mit Gesellenjahren in Offenburg, im Kinzigtal und der Besuch der Meisterschule. Als Ein-Mann-Betrieb eingestuft, hilft doch die gesamte Familie im Betrieb mit, damit die fünf zwischenzeitlich traditionellen Sorten in den Verkauf kommen. "Meine Ehefrau Yvonne übernimmt vor allem das Büro", erklärt Herr der Lahrer Zeitung.

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