Schwanau Eine schreibende Storchenmutter

Wer etwas über die Störche in Allmannsweier wissen will, kommt an Renate Fleig nicht vorbei. Die Schwäbin, die seit 1973 in der Region lebt, hat sich dem Wohl der Tiere verschrieben. Die fitte 77-Jährige ist aber auch als Buchautorin unterwegs.

 

Allmannsweier. "Wenn die Störche bei uns über das Haus fliegen, winken sie mir mit dem Fuß zu", meint Renate Fleig lachend. Die sympathische Schwäbin kümmert sich seit Jahren um die Alltagssorgen der Störche und schreibt darüber im Schwanauer Amtsblatt. Die Störche sind der 77-Jährigen ans Herz gewachsen. Wenn sie zum Einkaufen geht, hat sie stets ein Fernglas dabei, um hoch auf den Horst zu schauen, der auf dem Feuerwehrturm in Allmannsweier sitzt.

1973 ist sie mit ihrem Mann Hans von Schwenningen aus beruflichen Gründen nach Lahr gezogen. Schließlich hat das Ehepaar 1981 in der Straße im Vogelsand ein Haus in Allmannsweier gebaut. "Ich bin eine typische Schwäbin geblieben", betont Renate Fleig. Ihr Ehemann Hans meint dazu: "Vor allem vom Dialekt her und von der Haushaltsführung ist meine Frau eine typische Schwäbin." Sie sei sehr ordnungsliebend, sagt die 77-Jährige selbst: "Zu essen gibt es bei uns oft das typisch schwäbische Essen Linsen mit Spätzle."

Was die Störche anbelangt hat Renate Fleig zusammen mit Dieter Herrenknecht, dem Vorsitzenden des Skiclubs Schwanau, auf dem Schlauchturm neben dem Rathaus einen Horst errichtet. Der Horst sei zuvor 40 Jahre vakant geblieben. Sie erinnert sich dabei an einen Vortrag 2002 zum Thema im Gemeindehaus in Allmannsweier, der bei den Besuchern sehr gut angekommen sei.

Fleig ist zudem Buchautorin. Sie hat 2007 das Buch "Die Bären vom Mundenhof" auf den Markt gebracht und hat als freie Mitarbeiterin für die Lahrer Zeitung geschrieben. Der Erlös aus dem Buchverkauf sei zugunsten des Mundenhofs in Freiburg gegangen. Ihr Ehemann Hans sagt über seine Gattin: "Meine Frau verblümt nichts, sie ist direkt aber nie verletzend."

Neben Storchenmutter und Autorin ist Renate Fleig eine große Gartenfreundin. Täglich verbringt sie zwei bis drei Stunden, um ihre Hecken, Bäume und Büsche zu pflegen. "Wenn ich im Winter nicht in den Garten komme, fehlt mir der Auslauf", erklärt die gelernte Einzelhandelskauffrau. Wie Fleig verrät, plane sie ein Kinderbuch über Störche und Katzen zu schreiben. "Den Titel hierfür habe ich im Kopf. Ich lege mich allerdings nicht fest, wann das Buch erscheinen wird."

  In ihren regelmäßigen Beiträgen im Schwanauer Amtsblatt berichtet Renate Fleig über die Störche in Allmannsweier, vergisst dabei aber nicht über den Tellerrand hinaus zu schauen. So hatte sie kürzlich etwa von den Alltagssorgen der Tiere berichtet und darauf hingewiesen, dass das Image der Vögel leide, weil sie vermehrt auf Mülldeponien nach Nahrung suchten. Gleichzeitig werde dem vermehrt entgegengesteuert mit Planen und Abschreckmaßnahmen.

"Man muss die Störche wieder in Harmonie mit den Menschen und der Natur bringen,

sowie den Fokus darauf legen, dem Vogel einen guten Lebensraum zu bieten, der in den

vergangenen Jahren reduziert worden ist", appelliert Fleig.

  Dass derzeit wieder viele Störche in der Region gesichtet werden, wundert den Storchenexperte Wolfgang Hoffmann vom Naturschutzbund Ettenheim nicht. Derzeit werden in Baden-Württemberg mehr als 1000 Paare gezählt. Ende der 1970er-Jahre waren es nur noch 15 Paare. Auffallend viele Jungstörche flögen nicht mehr gen Süden nach Südspanien oder Afrika. Jungstörche blieben so im Ländle.

Im vergangenen Jahr kam es in der Region zwischen Emmendingen und Offenburg am 19. Mai wegen nasskalter Witterung zu einer Sterblichkeitsrate von gut 80 Prozent bei Jungstörchen. Aber der Aderlass sei nichts im Vergleich zur Populationssteigerung in Baden-Württemberg.

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