Schwanau Brücken-Pläne erhitzen die Gemüter

Eine Brücke von Ottenheim (Foto) nach Gerstheim wäre machbar. 450 Meter lang würde sie über den Rhein führen. Foto: Heitz Foto: Lahrer Zeitung

Eine Brücke bei Ottenheim über den Rhein? Laut den Ausführungen der französischen Firma Acardis wäre sie machbar. Die Schwanauer äußerten jedoch so viel Kritik, dass der Bürgermeister eine Infoveranstaltung frühzeitig beendete.

Schwanau. Seit Jahrzehnten wird darüber sinniert, wie man weitere Verbindungen über den Rhein zu den französischen Nachbarn realisieren könnte. Nach gescheiterten Überlegungen wie einen Fährenbetrieb oder einer großen Brücke für den Verkehr, wurde am Donnerstagabend im Ottenheimer Bürgersaal nun eine neue Möglichkeit präsentiert: eine Brücke für Fahrräder und Busse, die bei Otteheim nach Gerstheim führen soll. Aufgestellt wurde die Machbarkeitsstudie von der französischen Firma Acardis, deren Projektmanager Nicolas Douay die Ausarbeitungen vorstellte – auf Französisch, denn gekommen waren neben Ortschafts-, Gemeinderäte und Bürger aus Schwanau auch der Gemeinderat von Gerstheim, Laurence Muller-Bronn, Bürgermeisterin von Gerstheim sowie Jean-Marc Willer, Bürgermeister von Erstein und Vizepräsident des Zweckverbands Vis-à-Vis. Mithilfe einer Dolmetscherin wurde die Vorstellung ins Deutsche übersetzt.

Ziele der Brücke, die über die Rheinstraße auf deutscher Seite aus zu erreichen wäre, sollten unter anderem verkürzte Reisezeiten ins Nachbarland und einen sicheren Rad- und Fußgängerweg sein. Außerdem soll damit der öffentliche Nahverkehr gefördert werden. "Wir kommen gerne nach Deutschland, aber wir müssen feststellen, dass es hier nur einen eingeschränkten Bus- und Bahnverkehr gibt", so Willer. Würde man für die Brücke stimmen, könnten 2025 die ersten Busse über den Rhein fahren.

Douay versicherte auch, dass das Thema Hochwasserrückhalteraum parallel zum Brücken-Projekt laufe und es keine Probleme geben würde.

Schwanauer äußern zahlreiche Bedenken

Um die 450 Meter lange Brücke zu realisieren, müsste unter anderem ein bestehender Brückenabschnitt auf fran zösischer Seite sowie die Rheinstraße auf deutscher Seite verbreitert werden. Und genau in diesem Punkt grätschten die Schwanauer rein. "Die Rheinstraße sehe ich nicht als geeignet für den öffentlichen Nahverkehr, der dort eingeplant wird", erklärte Gemeinderat Lutz Weide und schloss sich damit der Meinung weiterer Bürger an. Daneben sehe Weide "mehr Hausaufgaben auf deutscher Seite". Während in Frankreich "lediglich" die Brücke erweitert werden müsste, würden in Deutschland "die Probleme losgehen".

Befürchtungen gab es auch hinsichtlich des Verkehrs, der dann durch Ottenheim hindurch führen würde. "Das ist heute schon kaum mehr zu ertragen", so ein Anwohner. Viel wichtiger sei es doch, Entlastungen für die Ballungszentren, statt einer "Touristen-Brücke" zu schaffen. Nonnenweierers Ortsvorsteherin Dagmar Frenk ging mit ihren Überlegungen sogar soweit, dass sie einen Rückbau der bisher bestehenden Brücke bei Nonnenweier und dafür einen "neuen großen Brückenschlag" vorschlug.

Bis auf die positive Rückmeldung von Gemeinderat Hartmut Läßle: "Die Brücke fasziniert mich. Vor allem den verbindenden Gedanken dahinter finde ich sehr schön", wurden immer mehr Bedenken seitens der Schwanauer geäußert. Sogar soweit, dass die Stimmung der französischen Gäste kippte: "Wenn Sie das hier alles nicht wollen, können wir auch unsere Sachen packen und wieder nach Hause gehen", sagte Gerstheims Bürgermeisterin während sie sich bereits ihren Mantel anzog.

Schwanaus Bürgermeister Wolfgang Brucker erkannte die hochgradig angespannte Situation und versuchte die erhitzten Gemüter mit einer klaren Ansage wieder zu beruhigen: "Wir müssen uns immer wieder überlegen, wo wir gerade stehen. Dies ist keine Planung, die morgen zur Genehmigung eingereicht wird, dies ist lediglich eine Machbarkeitsstudie. Eine gewisse Zurückhaltung gegenüber unseren Gästen halte ich deshalb für nur mehr als würdigend."

Keine weiteren Anmerkungen oder Fragen ließ Brucker daraufhin zu und beendete stattdessen den offiziellen Teil des Abends.

Ersten Schätzungen nach soll das Brücken-Projekt rund 17 Millionen Euro kosten. Davon wird nach Berechnungen der Firma Acardis die Brücke an sich mit rund 12 Millionen Euro finanziert, die Verbreiterung der Brücke in Gerstheim koste rund 2,5 Millionen Euro und die Verbreiterung der Straße bei Ottenheim rund 100 000 Euro. Für die Ausrüstung wurden 100 000 Euro und für die naturschutzfachlichen Maßnahmen 200 000 Euro berechnet. Weitere 2,2 Millionen Euro würden für die Studie hinzukommen.

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