Schwanau Brenner stecken Kopf nicht in Sand

Auf Messen wie der "Nova" in Friesenheim (Bild) haben Schnaps- und Ginbrenner wie Lutz Weide (rechts) aus Ottenheim die Möglichkeit, Neukunden zu gewinnen. Doch auch das ist in Zeiten von Corona nicht mehr möglich. Archivfoto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

Es fehlen die Feste, Verkostungen und Kunden. Trotz enormen Umsatzrückgangs wollen die Schnaps- und Ginbrenner im Ried den Kopf nicht in den Sand stecken. Einige haben die Krisenzeit genutzt, um Neues zu überlegen und zu kreieren.

Ried. Das Jahr 2020 war ein überaus erfolgreiches Obstjahr. Alle Hände voll zu tun hatten Keltereien und Brennereien. Während die Brenner im Nebenerwerb relativ entspannt in die Saison starten, sprechen die Vollerwerbsbrenner bereits von herben Verlusten. Von 30 bis 65 Prozent Umsatzrückgang ist die Rede. Zahlreiche Brennereien laden im Ried in die Hofläden oder in die Gaststuben ein. Mit den Eigentümern von drei großen Brennereien hat die Lahrer Zeitung gesprochen und nachgefragt, wie sie mit der Coronakrisenzeit umgehen.n Volker Roth, Riedbrennerei, Altenheim: "Natürlich fehlt uns der Umsatz. Es sind bis zu 30 Prozent weniger. Schnäpse werden an Geburtstagen unter Kameraden getrunken. Mein Glück: Schnaps geht nicht kaputt. Ziemlich viel liegt auf Lager. Eigentlich mehr, als einem lieb ist. Zum Glück kann ich über die Edeka-Märkte in der Region meinen Schnaps verkaufen. Trotzdem fehlen Schlemmer-Abende, die zur Neukundengewinnung dienen. Die Umsatzeinbußen sind nicht ganz so herb, weil mein Betrieb mit Tabak, Ackerbau und Obstanbau auf mehreren Säulen steht."n Lutz Weide, Brennerei Südstraße, Ottenheim: "Uns fehlen die Messen wie die Nova in Friesenheim. Sehr beliebt und sehr gut frequentiert waren bei uns zudem immer die Schnapsproben. Wir haben uns schon Alternativen überlegt. Aber Schnapsproben leben nun einmal von der Nähe, von der Spontanität. Mittlerweile gehe ich optimistischer ins Jahr. Die Umsatzeinbußen sind dennoch hoch: Zwei Drittel weniger Umsatz, bei voller Steuerzahlung. Beim Brennen wird die Steuer fällig. Es tut weh, wenn handselektierte Mirabellen mit einem enormen Preisabschlag an den Großhändler verkauft werden müssen. Viele Schnäpse warten auf die Abnehmer. Die Zeit habe ich trotzdem genutzt und in Kooperation mit Benjamin Herr aus Wittenweier einen Hopfengeist kreiert. Zum Glück stehen noch die Buchungen für Schnapsproben aus dem Vorjahr. Wir freuen uns, wenn es endlich wieder losgehen darf. Die Kunden lassen uns nicht im Stich, da bin ich mir sicher."n Markus Wurth, Edelbrennerei, Altenheim: "Mir fehlen bis jetzt gut 80 gebuchte Veranstaltungen, von Oberammergau bis Berlin. Die Einbußen bewegen sich im sechsstelligen Bereich. Denn man muss wissen, viele Kunden sind Bar- und Restaurantbesitzer – die Schließungen führen zu negativen Kettenreaktionen. Froh bin ich um die sehr treue Stammkundschaft, die seit Jahrzehnten bei uns einkauft. Insgesamt ist es trotzdem trostlos. Aber der Kopf wird bei uns nicht in den Sand gesteckt. Ich habe eine neue Produktreihe mit Extrakten entwickelt und an weiteren neuen Produkten gefeilt sowie einen zweiten Onlineshop, Liquid-Emotions, eröffnet. Außerdem wurde der Betrieb optimiert. Wenn es wieder losgeht, will ich mit voller Schaffenskraft loslegen."

Was in Coronazeiten weiterläuft, sind die Auszeichnungen der Brände. So hat Markus Wurth in der Corona-Zeit mehrere Preise gewonnen. Für den "Bloody Harry", ein Gin mit Blutorange, erhielt er Doppelgold bei den "China Wine and Spirits Awards" in Hongkong und die Goldmedaille auf der "Destillata" in Wien. Außerdem hat sich sein Gin als bester Gin der Welt bei der "European Spirit Challenge" in London durchgesetzt.

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