Schwanau Bäckerei "Hatt" stellt Betrieb ein

Die Ottenheimer Bäckerei Hatt ist insolvent. Einer von mehreren Gründen dafür ist die Corona-Pandemie. Foto: Mühl

Ottenheim - Eine in Ottenheim seit 65 Jahren ansässige Instanz der örtlichen Geschäftswelt besteht nicht mehr. Die Kombination verschiedener Gründe führte für die Bäckerei Hatt im März zur Betriebseinstellung und zur Insolvenz.

Situation war bereits seit einigen Jahren erschwert

Aus Sicht der Bäckerei wurde die Situation schon in den vergangenen Jahren deutlich schwerer. Ein erster Schlag waren die seit Februar 2016 laufenden Bauarbeiten im Zuge der Ortskern-Sanierung.

Aufgrund der langfristigen Arbeiten war die Bäckerei gerade für ältere Bürger fußläufig schwerer zu erreichen. So fehlte die konstante Laufkundschaft, mehr als 40 Prozent des Umsatzes blieben aus. Spätere Schätzungen beliefen sich auf rund eine halbe Million Euro.

Die Einschränkungen und daraus resultierenden Verluste wirkten sich bis in die Folgejahre aus. Zuletzt kamen die Auswirkungen der Corona-Pandemie hinzu.

Die Geschichte des Unternehmens begann vor 65 Jahren

Gegründet wurde die Bäckerei im Frühjahr 1955 von Anton und Margot Hatt. Das Ehepaar begann mit 15 Quadratmetern Verkaufsfläche (Bäckerei und angeschlossener kleiner Markt), seinerzeit in der Vogesenstraße.

1963 wurde der Standort in der Kirchstraße bezogen, die Ladenfläche bis 1983 um ein Lebensmittelgeschäft auf 235 Quadratmeter vergrößert.

Hatts übergaben das Geschäft 1998 an Sohn Ulrich und Schwiegertochter Judith, das Unternehmen beschäftigte zu dieser Zeit 19 Angestellte. In den folgenden Jahren wurde die Technik modernisiert, neuer Schwung ins Unternehmen gebracht.

Aus familiären Gründen verließen Ulrich und Judith Hatt 2014 das Riedl. Das Geschäft wurde an Bäcker- und Konditormeister Uwe Gaiser und Kaufmann Wilfried Carus verpachtet.

Fixkosten sind geblieben, Umsatz war rückläufig

Dieses Duo (später übernahm Carsten Burger die Anteile Uwe Gaisers) bildete die neue Betreibergesellschaft Willis Back GmbH. Die Verkaufsfläche wurde auf 450 Quadratmeter erweitert.

Die Entwicklung war seither rückschrittig, Pacht- und Lohnkosten blieben, aber der Umsatz ging zurück.

Auch reduzierte Öffnungszeiten brachten keine Besserung

Selbst die auf die Vormittage reduzierten Öffnungszeiten, wie seit rund einem Jahr betrieben, brachten keine Besserung.

Von der Entwicklung seit 2016 erholte man sich nicht mehr, was auch an der Personalentwicklung ablesbar war. Aus anfangs 19 Angestellten wurden bis zuletzt 14, darunter zehn Vollkräfte.

Corona hat das Ende der Bäckerei beschleunigt 

Die Corona-Entwicklung beschleunigte ab Jahresbeginn das schleichende Ende des Unternehmens: Das Geschäft mit der Laufkundschaft (zum Beispiel Schüler) brach ebenso weg wie größere Firmenbestellungen, speziell auch der Kundenverkehr jenseits der französischen Grenze.

Hinzu kam die Konkurrenz durch Supermärkte, aber auch mangelnde Kundenbereitschaft, mal etwas mehr zu zahlen.

Unter dem Strich eine Situation, die so nicht mehr länger aufrechtzuerhalten war. Ende März wurde der Betrieb offiziell eingestellt, das Insolvenzverfahren ist im Gange, die Mitarbeiter erhielten zunächst Insolvenzgeld, wurden im Anschluss freigestellt.

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