Schwanau 61 Meter Alpenfels an einem Tag

Rund 61 Meter Felsgestein wichen binnen 24 Stunden diesem stählernen Koloss. Mit der Tunnelbohrmaschine "Günther" gelang dem internationalen Tunnelbauer-Team der Hauptdurchschlag auf die österreichische Alpenseite. Foto: BBT SE/STRABAG/Jan Hetfleisch

Schwanau/Steinach am Brenner - Beim Bau der mit insgesamt zweimal 64 Kilometern weltlängsten unterirdischen Eisenbahnverbindung ist ein erster großer Schritt getan. Am Montag konnten die Tunnelbauer mit Maschinen von Herrenknecht einen entscheidenden Durchbruch feiern. Die Uhr zeigt 27 Minuten nach Acht, als die Tunnelbohrmaschine im Brenner-Basistunnel die letzten Zentimeter Felswand knackt. "Wir haben unser Ziel punktgenau erreicht", stellt Anton Ertl, Gesamtbauleiter des Bauabschnitts, sichtlich bewegt fest.

Meilenstein für Mammutprojekt ist gelegt worden

Eine nicht sehr alltägliche Mission war es, an der zahlreiche Ingenieure und Tunnelbauer beteiligt waren. So soll dort der weltlängste unterirdische Eisenbahntunnel entstehen. Dieser unterquert die Alpen zwischen dem österreichischen Innsbruck und Franzensfeste in Italien. Mit dem Durchbruch am Montag erschlossen die Tunnelbauer einen 16,7 Kilometer langen Erkundungsstollen und leisteten somit den ersten Hauptdurchschlag auf die österreichische Seite der Alpen. Der Erkundungstunnel soll dazu dienen, den Tunnelbauern wichtige Informationen über das Terrain zu liefern, anhand derer sie den Bau der Haupttunnel besser planen und umsetzen können. Diese verlaufen 12 Meter über den Erkundungsstollen.

Das verantwortliche Baukonsortium ARGe Tulfes-Prons besteht aus der österreichischen Strabag AG sowie dem italienischen Bauunternehmen "webuild". Mit diversem Tunnelbaugerät ist auch Herrenknecht vertreten.

Die Hartgesteinmaschine, mit der der knapp 17 Kilometer lange Tunnel in das Felsgestein gebohrt wurde, wurde von den Bohrspezialisten "Günther" getauft – eine Anlehnung auf den Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Mit ihr grub man sich bis in eine Tiefe von 1300 Metern. Dabei erreichte man Geschwindigkeiten, mit denen man 61 Meter und 4 Zentimeter alpines Felsgestein binnen 24 Stunden pulverisierte. Der Bohrer ist eine von insgesamt sechs Tunnelbohrmaschinen, die das internationale Baukonsortium für das Megaprojekt bei der Schwanauer Firma Herrenknecht in Auftrag gegeben hat.

Auch die Bau-Abschnitte auf italienischer Gemarkung werden bereits seit Mai 2019 von Tunnelbohrmaschinen der in Schwanau ansässigen Firma erweitert. Allein im Juli verlängerten die Bohrer des Typs Doppelschild die Hauptröhren um je viereinhalb Kilometer. Für die Bohrung der Hauptröhren auf der österreichischen Seite ist ebenfalls der Einsatz von Herrenknecht-Tunnelbohrern angedacht.

"Ich gratuliere zum Durchbruch der Tunnelbohrmaschine, einem weiteren wichtigen Schritt und Meilenstein beim Brenner Basistunnel. Nach seiner Fertigstellung wird der BBT nicht nur Österreich mit Italien verbinden, sondern das Herzstück des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors sein, der sich von Finnland bis Malta erstreckt", wird der Korridor-Koordinator Pat Cox in einer Pressemitteilung zitiert.

Auch sei es Ziel, den Warenverkehr in Deutschland effizienter zu gestalten. Aktuell gebe es laut Pressemitteilung jährlich 2,5 Millionen LKW-Fahrten, die über den Brenner führen. Die Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf die Schiene könnte einen großen Teil zur Schadstoffreduzierung beitragen und verkürze lange Transportwege.

Die endgültige Fertigstellung und Eröffnung des XXL-Tunnelbauprojekts sind derzeit für das Jahr 2028 vorgesehen.

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