Schutterwald "Turnierausfälle können wir uns nicht leisten"

Als Junioren-Bundestrainer hat Martin Heuberger aus Schutterwald sein Hobby erneut zum Beruf gemacht. Die Corona-Pandemie erschwert seinen Job jedoch ein wenig, viel Zeit verbringt er daher vor dem Bildschirm. Auch, um Bundesliga zu schauen.

Auch im Teil-Lockdown hat Martin Heuberger genug zu tun. Der Bundestrainer der deutschen U20/21-Nationalmannschaft hat er vor einigen Wochen einen Lehrgang mit seinen Spielern absolviert, mit der Nachbereitung ist er derzeit noch beschäftig. Nützlich sind diese Erkenntnisse natürlich allemal, auch wenn sie so bald wohl nicht für die Vorbereitung auf ein großes Turnier gebraucht werden. Denn die Junioren-Europameisterschaft, die vom Sommer in den Januar verschoben wurde, ist endgültig abgesagt. "Es ist natürlich schade – aber man kann die Absage nachvollziehen", sagt der Schutterwälder Heuberger.

Immer präsent bleiben

Seit rund zwei Jahren ist der ehemalige Bundestrainer der A-Nationalmannschaft zurück beim DHB und dort verantwortlich für die Nachwuchsauswahl. Zur Zeit ist es für seine Jugendspieler etwas ruhiger, Länderspiele sind in nächster Zeit erst mal nicht geplant. Heuberger hat dafür Verständnis. Während der Corona-Zeit war er dennoch mit den Spielern regelmäßig in digitalem Kontakt. "Wir haben geschaut, dass wir immer präsent sind und das Beste daraus machen", erzählt er.

Mit Niveau zufrieden

Mit dem derzeitigen Leistungsvermögen seiner Nachwuchshandballer ist er daher zufrieden. Vor allem im athletischen Bereich haben die Spieler in der Corona-Pause Fortschritte gemacht, freut sich der Schutterwälder. "Das war in der Vergangenheit das Manko." Etwas zu kurz kam dagegen das handballerische, mit Online-Lehrgängen zu taktischen Aspekten haben er und seine Trainerkollegen versucht, die fehlenden Halleneinheiten zu ersetzen.

Viel vor dem Bildschirm

Ein Nebeneffekt von Online-Lehrgängen: Heuberger ist etwas mehr Zuhause als sonst. Diese Zeit nutzt er, um handballerisch im Bilde zu bleiben. "Die Bundesliga verfolge ich mehr denn je", erzählt er mit einem Schmunzeln. "Da bin ich auf dem aktuellen Stand", sagt er, auch die Champions League wird verfolgt. Und natürlich hat er auch immer die Männer-Nationalmannschaft im Blick.

Gislason beim Training

Der neue Bundestrainer Alfred Gislason war auch beim Lehrgang der Jugend-Nationalmannschaft zu Gast. "Er war sehr angetan von Ausbildungsstand der Jungs", erzählt Heuberger. Auch auf persönlicher Ebene kommt er mit Gislason gut klar. "Alfred ist sehr umgänglich und bodenständig", lobt Heuberger den neuen Mann an der deutschen Seitenlinie. "Die WM wird seine große Bewährungsprobe", sagt er. Dass das nicht einfach für den Isländer werden dürfte, ist klar: "Sein Problem ist: er hatte kaum Einheiten mit der Mannschaft", weiß Heuberger

Plädoyer für die WM

Stichwort Weltmeisterschaft: Nachdem nach der jüngsten Länderspielreise vier DHB-Spieler positiv auf Corona getestet wurden, wurden Stimmen laut, die für eine WM-Absage plädierten. Das sieht Heuberger, der als Co-Trainer von Heiner Brand 2007 im eigenen Land Weltmeister wurde, anders. "Ich denke schon, dass der Handball medial vertreten bleiben sollte. Turnierausfälle können wir uns nicht leisten", sagt er. Natürlich sei es schade, dass keine Zuschauer die WM-Spiele sehen können. "Aber unsere Sportart ist auf solche Turniere angewiesen", ist der 56-Jährige überzeugt.

Hobby zum Beruf gemacht

Den Schritt zurück zum DHB hat Heuberger, dessen Zeit als Bundestrainer 2014 endete, bislang nicht bereut. "Ich habe das große Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte", sagt Heuberger, der zuvor im Landratsamt gearbeitet hatte. Mit den ehemaligen Kollegen hat er auch noch Kontakt, beruflich jedoch beschäftigt er sich nur noch mit Handball.

Trainer macht Crossfit

Und auch an seiner eigenen Fitness arbeitet der Juniorentrainer, normalerweise geht er ein bis zweimal pro Woche in die Schutterwälder Crossfit-Box. Derzeit geht das natürlich nicht, ab und an mache er daher beim Online-Angebot des Crossfit-Studios mit. Um in Sachen Fitness mit seinen jungen Spielern mitzuhalten, reicht das aber natürlich nicht mehr. "Es wäre aber auch schlecht, wenn ich in meinem Alter fitter wäre, als die Jungs", sagt Heuberger und lacht.

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