Schuttertal "Wir Musiker sind systemrelevant"

Bodo Schaffrath spielt bei seinen Konzerten eigene Kompositionen und Highlights der Musikgeschichte. Foto: privat

Schuttertal - Langsam kehrt auch in die hiesige Kulturszene etwas Normalität zurück. Der Schuttertäler Musiker Bodo Schaffrath tritt wieder regelmäßig auf – und doch ist für ihn noch Vieles anders als vor dem Ausbruch der Pandemie.

Virtuoses Gitarrenspiel als Markenzeichen

Die Markenzeichen des 54-jährigen sind sein virtuoses Gitarrenspiel und seine einfühlsame Stimme, mit der er eigenen Kompositionen und Coversongs einen persönlichen Sound verleiht. Mit dem Programm "Bodo Unplugged" war er zuletzt am vergangenen Samstag im Gasthaus Durbacher Hof in Offenburg zu erleben.

Auch in den Wochen davor sei er mit rund zwei Engagements wöchentlich gut gebucht gewesen, erzählt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Es sind Auftritte, die vor einem kleineren Publikum als vor Corona stattfinden, da Sicherheitsabstände und weitere Auflagen einzuhalten sind, zum Beispiel die Mundschutzpflicht bei Gesprächen am Tisch. Schaffrath kommt den Veranstaltern teils auch beim Honorar entgegen, lässt sich Grundkosten bezahlen, darüber hinaus bestehen seine Konzerteinnahmen dann aus Hutsammlungen. Er ist aber froh, dass er auftreten kann. Die Kontakte zum Publikum und zu anderen Musikern hätten ihm gefehlt, sagt er.

Beatles-Film weckte Leidenschaft für Musik

Schaffrath ist ein gebürtiger Franke; im Schuttertal lebt er, seit er neun Jahre alt ist. Er kann sich genau erinnern, wann ihn die Leidenschaft für Musik gepackt hat: Als er den Beatles-Film "Yeah! Yeah! Yeah!" sah. 14 Jahre alt war er damals. Er ließ sich von seiner Oma eine Gitarre schenken, brachte sich selbst das Spielen bei und komponierte auch bald eigene Songs.

Beruflich schlug er einen völlig anderen Weg ein: Schaffrath wurde Polizist, ein Beruf, in dem er fünf Jahre arbeitete. Danach studierte er Verwaltungswissenschaften und brachte es bis zum Sachgebietsleiter für das Neue Kommunale Haushaltsrecht bei der Gemeindeprüfungsanstalt in Karlsruhe.

Auf der großen Chrysanthema-Bühne zu Hause

Der Diplom-Verwaltungswirt war dann noch Kämmerer bei einer Kinzigtalgemeinde, ehe er sich 2017 wieder umorientierte – seither ist er als freischaffender Künstler tätig, als Sänger, Gitarrist und Entertainer. Schaffrath gibt Konzerte auf großen Bühnen, etwa bei der Chrysanthema, tritt aber auch in kleinerem Rahmen auf, etwa bei Empfängen oder Geburtstagsfeiern.

Seine musikalischen Fähigkeiten hat sich Schaffrath durch intensives Selbststudium sowie im Unterricht bei namhaften Gitarristen angeeignet; seine Stimme wurde von einer Sopranistin geschult. Er selbst war als Dozent an verschiedenen Schulen tätig und gibt aktuell Gitarren-Workshops.

Mit seinen öffentlichen Auftritten war es ab Anfang März schlagartig vorbei. Es sei keine leichte Zeit gewesen, so Bodo Schaffrath, der aber auch sagt, dass andere Künstler vom Lockdown härter betroffen waren als er: Nach 34 Jahren im öffentlichen Dienst bezieht er ein Grundeinkommen, mit dem er sich über Wasser gehalten hat.

Konzertfans haben Nachholbedarf

Auf Konzerte mochte er auch nach Ausbruch der Pandemie nicht verzichten: Der 54-Jährige schaffte sich umgehend eine Kamera und das weitere nötige Equipment für Live-Streams im Internet an. Für diese "Stay-Connected"-Konzerte", wie er sie nannte, tat er sich mit Musikergrößen wie Helmut Dold, Patric Oliver Hetzinger, Mathilda Meier oder Jürgen Seitz zusammen.

Die gemeinsamen Auftritte sind noch auf Youtube abrufbar; sie erreichten Klickzahlen zwischen 500 und 1400. "Wir Musiker suchen den Kontakt zum Publikum, wollen mit Menschen auf der Bühne kommunizieren, unsere Lieder in die Welt hinaustragen", so Schaffrath zum Hintergrund dieses erfolgreichen musikalischen Projekts.

Nach Lockerung der Corona-Auflagen darf er nun wieder vor Zuhörern auftreten. Die Konzertfans haben Nachholbedarf, hat er erfreut festgestellt, viele Buchungen würden kurzfristig eingehen. Von einer Normalität wie vor der Pandemie sei die Musikerszene aber weit entfernt. "Vieles ist noch unsicher", so Schaffrath. Längst nicht alle Auftritte seien möglich. Ein zu Jahresbeginn geplantes Konzert am 28. August in der Staufenburg-Klinik in Durbach, einer Reha-Klinik für Innere Medizin, wurde abgesagt, um die Patienten keinem Risiko auszusetzen.

Ärger über Listen der Bundesregierung

Auf dem Höhepunkt der ersten Pandemiewelle wurden Listen erarbeitet, die festlegten, welche Berufsgruppen als "systemrelevant" besonders schützens- und rettenswert sind – und welche nicht. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Monika Grütters, schloss den Bereich Kultur davon aus. Eine Haltung, über die Schaffrath sich geärgert hat: Die Kultur, auch die Musik, schaffe soziale Kontakte, spende Freude und Glück, ist er überzeugt. "Die Kultur ist systemrelevant" hebt Schaffrath hervor.

Bodo Schaffrath und Patric Oliver Hetzinger treten am Samstag, 19. September, im Frei Steinkellerhaus in Gengenbach auf. Am Freitag, 18. Dezember heißt es "Bodo Unplugged" in der Amici-Bar in Ettenheim. Über seine Konzerttermine informiert Schaffrath auf seiner Homepage www.bodoist.net.

  • Bewertung
    1