Schuttertal "Studenten sind in der Warteschleife"

Robin Dach ist das erste Mal seit seinem Studium wieder für mehrere Wochen zuhause in Schuttertal. Doch die ungewisse Zukunft beschäftigt ihn und bringt ihm kurz vor seinem Abschluss einige Probleme ein. Foto: Fischer

Schuttertal - Aufstehen, zur Uni fahren, danach in der Bibliothek lernen und abends auf eine Party gehen: Das war vor Corona für viele Studenten Alltag. Nun sieht der normale Tagesablauf anders aus, erzählt Robin Dach aus Schuttertal.

Fernlehre von Zuhause aus ist kein "richtiges Studieren"

"Rückblickend betrachtet machen Kleinigkeiten im Alltag einen großen Unterschied. Am meisten vermisse ich es, in der Mensa zu sitzen und dort Gespräche zu ganz unterschiedlichen Themen zu führen mit Menschen, die ich vielleicht noch nicht einmal so gut kenne", sagt Robin Dach.

Der geborene Schuttertäler studiert an der Humboldt-Universität in Berlin Geografie und schreibt gerade seine Bachelorarbeit – in Schuttertal, wo er bei seinem Bruder in dessen Wohnung wohnt. "Ich bin hier wahrscheinlich in einem der schönsten Orte, in denen man den Lockdown verbringen kann und es fühlt sich ein wenig nach Urlaub an. Gleichzeitig ist das kein richtiges Studieren und man fühlt sich wie eingesperrt."

Seit zwei Semestern laufen die Vorlesungen, Seminare und anderen Veranstaltungen an den Universitäten nun schon online ab. Für die Erstis, also Studienanfänger, sei das Onlinelernen am schlimmsten, glaubt Robin. Aber auch für ihn, der nun in den letzten Zügen ist, gebe es einige Probleme.

Die Bibliotheken, in denen Robin lieber lernt als zuhause, sind seit mehreren Wochen wieder komplett geschlossen. Bücher können nur noch vor Ort abgeholt oder teilweise aus dem digitalen Bücherkatalog heruntergeladen werden.

"Eigentlich bin ich nach Schuttertal gekommen, um meine Bachelorarbeit hier in Ruhe zu schreiben. Nun bin ich aber auch froh, dass ich statt der trüben Atmosphäre in der Stadt zumindest bei meiner Familie bin." Denn bei den digitalen Vorlesungen und Seminaren fehlten die belebten Diskussionen, die einfach nicht entstehen könnten, wenn man "20 kleine Bilder auf dem Bildschirm vor sich sieht und mit dem Computer reden muss."

Zwar habe der Umstieg auf die Lehre per Computer in Berlin zumindest technisch gut funktioniert, aber die Fernlehre von Zuhause aus ist für Robin kein "richtiges Studieren".

"Das Ziel meines Studiums ist es sicher nicht, alleine Wissen anzuhäufen, sondern Netzwerke zu knüpfen, eine neue Stadt und interessante Menschen kennenzulernen – und das von Angesicht zu Angesicht."

Der 23-Jährige studiert inzwischen im siebten Semester und wohnt seit drei Jahren in Berlin in einer Wohngemeinschaft mit zwei Mitbewohnern. Es ist das erste Mal seit seinem Auszug, dass er nun mehrere Wochen lang in Schuttertal ist, erzählt Robin. Mit seiner Bachelorarbeit komme er recht gut voran, Ende des Monats sei er wahrscheinlich sogar damit fertig.

Doch seinen Bachelor abschließen kann er dann noch nicht, ihm fehlen noch ein zwölfwöchiges Praktikum und eine Exkursion. Diese sollte laut Robin eigentlich das "Highlight des Studiums" werden und im Kaukasus – in Georgien oder Armenien – stattfinden. "Im Sommer durften wir die Reise aber nicht machen, sondern haben sie lieber auf dieses Jahr verschoben. Nun müssen wir uns vielleicht eine Alternative in Deutschland überlegen. Ich werde dann das Schuttertal vorschlagen", lacht er.

Hoffnung auf einen Neuanfang im Oktober

Da ihm nun noch Leistungspunkte fehlen, musste der junge Schuttertäler sein Studium um ein Semester verlängern. Wie es dann im Sommer weitergeht, weiß er noch nicht genau. "Ich war buchstäblich bis zum ersten Tag des Lockdowns noch im Auslandssemester in Bukarest in Rumänien, deshalb habe ich das Praktikum nun für diesen Sommer oder Herbst geplant. Das Ende meines Studiums ist wegen Corona ganz anders gelaufen als erwartet."

Robin zögert, einen Praktikumsplatz im Homeoffice anzunehmen, obwohl der viel leichter zu bekommen wäre. Eigentlich möchte er viel lieber seine ersten Erfahrungen im Berufsleben vor Ort machen, persönlich und mit "echten Menschen" um ihn herum. Durch die Online-Lehre gehe das Menschliche verloren, sagt er.

Auch die berufliche Perspektive sei in Zeiten von Corona besonders unsicher, bei ihm und wahrscheinlich den meisten anderen, die kurz vor dem Abschluss stehen. "Es ist, als hinge ich als Student gerade in der Warteschleife.

Meine Uni hätte fast nichts besser organisieren können und es ist ja auch gut, dass alles online stattfindet. Ich habe aber nun so viel Wissen angehäuft, das ich gerne in die Tat umsetzen möchte, nur ist das gerade leider nicht möglich."

Robin hat sich dazu entschlossen, ein Masterstudium zu beginnen. Wenn das im Oktober losgeht, hofft der Schuttertäler aber auf einen Neuanfang. "Ich wünsche mir, dass ich dann wieder in die Uni gehen, danach meine Freunde treffen und vor allem persönliche ebenso wie fundierte Diskussionen mit meinen Mitstudenten führen kann."

Die Semester, die wegen Corona online stattfinden, werden in vielen Universitäten nicht auf die Regelstudienzeit angerechnet. Das heißt, dass die Studenten zwar Veranstaltungen besuchen und Prüfungen ablegen, Fehlversuche aber beispielsweise nicht gewertet werden. Studiengebühren müssen sie allerdings trotzdem zahlen – an der Humboldt-Universität in Berlin sind das zum Beispiel rund 320 Euro pro Semester, erzählt Robin Dach.

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