Schuttertal Schultreffen

Ellen Fehrenbacher vom Fehrenbacherhof freut sich, wenn Harry Mantey aus dem Norden zu Besuch kommt. Mindestens einmal im Jahr reist der Rentner aus Schleswig-Holstein, wo er seit Jahren mittlerweile wohnt, in seine alte Heimat zurück. Foto: Axel Dach Foto: Lahrer Zeitung

1950 kamen die Geschwister Harry, Helmuth, Edeltraud und Gertrud Mantey zusammen mit ihrer Mutter Wanda als Heimatvertriebene aus Westpreußen nach Schuttertal.Dort fanden sie im Regelsbach bei Familie Himmelsbach "Wolfe-Toni‘s" ein neues Zuhause.

Auch an einem Schulkameradentreffen des Jahrgangs 1938 nahm Mantey in diesem Sommer teil. Dafür kommt er immer wieder gerne ins Schuttertal aus dem Norden gefahren, wo er jetzt wohnt.

Schuttertal. Seine Geschwister Edeltraud und Gertrud und er seien den Schuttertälern sehr dankbar, dass sie im Jahre 1950 so gut im Ort aufgenommen worden sind. Denn die Familie hatte zuvor alles verloren. Nicht nur Hab und Gut in ihrer westpreußischen Heimat Thorn, sondern schlichtweg auch ihre Heimat. Harry Mantey erzählt wehmütig von der damaligen schwierigen Zeit, als er als kleiner siebenjähriger Junge mit seiner Mutter und den Geschwistern plötzlich Westpreußen verlassen musste.

Seine jüngste Schwester Gerda sei damals ein Baby gewesen, zu Fuß mussten sie von einem Lager zum anderen wandern, um Unterkunft zu finden. Es seien unzählige Lager gewesen, erinnert er sich. Letztendlich wurde seine Familie von Schleswig-Holstein ins Schuttertal verbracht, wo sie bei Familie Himmelsbach "Wolfe-Toni‘s" im Regelsbach ein neues Zuhause gefunden haben. Hier hätte sich erstmals wieder endlich ein "Heimatgefühl" eingestellt, sagt Harry Mantey mit leuchtenden Augen und sie seien jeden Tag satt geworden.

Nicht nur für die Schuttertäler sei der Regelsbach im wahrsten Sinne des Wortes ein "Paradies" gewesen, sondern auch für Familie Mantey. Seine Mutter Wanda sei eine arbeitsame Frau gewesen, sie zog ihre vier Kinder alleine groß. Zunächst seien sie im Gasthaus "Krone" in Schuttertal untergekommen, an den Tag seines Umzuges von dort in den Regelsbach erinnert sich Harry Mantey noch ganz genau, denn Hermann Moser holte die ganze Familie Mantey mit seinem Opel in der "Krone" ab und fuhr mit ihnen in ihr neues Zuhause zu Familie Himmelsbach in den Regelsbach.

Dort lebten sie sich schnell ein, wurden gut aufgenommen und fühlten sich wohl, berichtet Harry Mantey. Seine Mutter durfte bei Familie Himmelsbach sogar eigene Schweine und Geißen halten. Kleidung hätten sie nicht viel gehabt, seine Mutter habe die meiste Kleidung zumeist aus Wehrmachtsdecken selbst genäht. Es dauerte nicht lange und Harry Mantey und seine Geschwister fanden in Schuttertal Freunde. Täglich besuchten die vier Geschwister die Volksschule in Schuttertal und fühlten sich bald integriert. Harry Mantey freundete sich sehr gut mit Josef Fehrenbacher vom "Fehrenbacherhof" an und war nun eigentlich täglich dort anzutreffen, er genoss die Geselligkeit mit Josef und dessen Geschwistern Bernhard, Anton, Klara und Annemarie. Leider sei Josef zwischenzeitlich verstorben, sagt Harry Mantey. Die damalige Hofbäuerin Amalia hatte Harry ebenfalls sehr in ihr Herz geschlossen. Auf seine Frage, ob er auch zum "Fehrenbacherhof" kommen dürfe, wenn es ihm wieder einmal schlecht ginge, antwortete Amalia: "Harry, du bist immer herzlich willkommen auf dem Fehrenbacherhof, egal wo dich deine Lebenswege hinführen."

Und so ist es bis heute geblieben, denn immer, wenn Harry, der nun bereits seit vielen Jahren in Schleswig-Holstein lebt, dort zu seinen inzwischen erwachsenen Kindern, Enkeln und Freunden sagt: "Ich fahre in Urlaub nach Hause ins Schuttertal", wird jedem klar, wie groß sein Bezug zu dem kleinen Schwarzwalddorf und den Schuttertälern ist. Er freue sich sehr, sogar mittlerweile die vierte Generation der Familie Fehrenbacher zu kennen und an ihrem Leben teilhaben zu dürfen. Für Harry Mantey ist auf dem Hof immer ein Zimmer reserviert. In diesem Jahr haben sich er und seine Geschwister Edeltraud und Gerda zu einem Familienurlaub in Schuttertal getroffen und schöne Stunden zusammen erlebt. Sein Bruder Helmuth lebe leider nicht mehr, bedauert er.

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