Schuttertal Politik: Das Schuttertal ohne Stimme

Böse Überraschung für das Schuttertal. Dem neuen Kreistag gehören weder Thomas Schäfer noch Carsten Gabbert an. Foto: Symbolbild/dpa
Seelbach/Schuttertal - Das Ergebnis der Kommunalwahl hat für Seelbach und Schuttertal eine böse Überraschung gebracht: Keiner der hiesigen Kandidaten hat es in den Kreistag geschafft. Damit ist das gesamte Schuttertal erstmals ohne Stimme im Ortenau-Parlament.

Mindestens zwei, bisweilen sogar drei Vertreter aus dem Schuttertal waren bisher immer dabei, seit der Kreistag 1973 gebildet wurde. Es gibt insgesamt 78 Sitze ­– das Schuttertal erhält jetzt keinen davon.

Carsten Gabbert (Grüne), Rathauschef von Schuttertal und bisher Mitglied des Kreistags, hatte auf eine erneute Kandidatur verzichtet. Auch ohne ihn hatte es aber an Bewerbern aus dem Tal nicht gemangelt. Doch weder Martin Müllerleile (CDU), noch Markus Lorenz (Freie Wähler), Martina Schweiß oder Wolfgang Himmelsbach (beide SPD) haben genügend Stimmen erhalten.

Besonders auffallend ist, dass es auch für den Seelbacher Bürgermeister Thomas Schäfer (CDU) nicht gereicht hat, der dem Kreistag bisher angehörte, nun aber nicht wiedergewählt worden ist. Bitter aus Sicht von Schäfer sind die Stimmenverluste, die er gegenüber 2014 hinnehmen musste. Damals hatte er 6579 Stimmen erhalten, das waren im Wahlkreis Ettenheim-Seelbach die zweitmeisten (hinter Bruno Metz, dem Bürgermeister von Ettenheim). Diesmal gab es für Schäfer nur noch 5038 Stimmen.

Schäfer und sein Amtskollege Gabbert waren nun beide jeweils zehn Jahre im Kreistag, haben mittlerweile aber völlig unterschiedliche Sichtweisen auf das Gremium, das die Vertretung der Einwohner des Ortenaukreises ist: Der Seelbacher Rathauschef hätte seine Gemeinde dort liebend gern weiter repräsentiert, dagegen hatte Gabbert von sich aus vor der Wahl einen Rückzug gemacht.

Im Gespräch mit unserer Redaktion nennt der 45-Jährige mehrere Gründe für diesen freiwilligen Verzicht. Er habe als Bürgermeister genug Aufgaben, außerdem sei er im Gemeindetag sehr engagiert als Vorsitzender des Kreisverbands mit Verpflichtungen auch auf Bundesebene. Und er habe noch weitere Ehrenämter. Doch es ist nicht sein begrenztes Zeitbudget allein, das Gabbert als Anlass für seinen Verzicht auf ein erneutes Kreistagsmandat anführt. Er sagt auch, dass ihm die Debattenkultur dort nicht gefallen habe, und nennt als Beispiele die Beschlüsse zum Mobilitätskonzept, zur Rheintalbahn und der Ortenau-Klinik. »Ich finde es nicht richtig, wie wir darüber diskutiert haben«, sagt Gabbert, der manchen Ratskollegen im Kreistag Kirchturmdenken vorhält, wie im Gespräch deutlich wird.

Befürchtet Gabbert nicht, dass die Interessen seiner Gemeinde im Kreistag nun ohne ihn zu kurz kommen? Er sagt Nein. So funktioniere das Gremium nicht, gibt er zu verstehen und nennt dieses Beispiel: »Da kann eine Gemeinde mit mehreren Leuten im Kreistag vertreten sein und verliert trotzdem ihr Krankenhaus.«

Im Seelbacher Rathaus bewertet man die Lage ganz anders. Thomas Schäfer sagt: »Ich finde es einfach schade, dass 9000 Einwohner nun nicht mehr im Kreistag repräsentiert sind.« Der Rathauschef bezieht die Nachbargemeinde Schuttertal also mit ein. Schäfer ist nämlich durchaus der Ansicht, dass Bürgermeister ihrer Gemeinde im Kreistag eine Stimme geben sollten und verweist darauf, dass viele andere Kollegen das genauso sehen – schließlich sei die Zahl der Rathauschefs in dem Gremium traditionell hoch.

Auch unter den acht gewählten Mandatsträgern aus dem Wahlkreis Ettenheim-Seelbach sind sechs Bürgermeister oder Bürgermeister-Stellvertreter (siehe Info). Nur eben nicht mehr Schäfer. Auf die Frage, ob seine Enttäuschung groß gewesen sei, als der das Wahlergebnis erfuhr, verweist der 54-Jährige sachlich auf demokratische Spielregeln, die er akzeptiere.

Kandidaten, die nur in der eigenen Kommune gewählt werden, haben es schwer, in den Kreistag zu kommen. Es braucht auch weitere Unterstützung. Liegt hier die Erklärung für Schäfers Scheitern? Hat er womöglich mit seiner kritischen Haltung zu den Mitfahrbänken, ein Schuttertaler Projekt, Wähler in der Nachbargemeinde vergrault?

Diese Frage könnten nur die Wähler beantworten, erwidert Schäfer. Er selbst sei sich bei dieser Diskussion treu geblieben. Ein Politiker müsse zu seiner Meinung stehen. Er mache sich um die Sicherheit von Jugendlichen Sorgen, die zu einem Fremden ins Auto steigen, so Schäfer. Wäre das Projekt nur auf das Schuttertal ausgelegt, würde er anders darüber denken; aber die Fahrtroute reiche eben bis nach Lahr. Grundsätzlich habe er aber nichts gegen die Mitfahrbänke, »für Erwachsene und Senioren ist das okay«.

Schäfer befürchtet, dass Interessen seiner Gemeinde bei Diskussionen im Kreistag jetzt zu kurz kommen könnten. Konkret nennt er die Themen Verkehr und Bildung/Schulprofile, bei denen er der Gemeinde gern weiter eine Stimme gegeben hätte.

Doch Schäfer unterscheidet auch zwischen der Interessenvertretung auf Ebene der Politik und der Verwaltung. Im Kreistag könne er nicht mehr für Seelbach sprechen, doch auf Verwaltungsebene werde er im Austausch mit der Kreisbehörde weiter die Interessen seiner Gemeinde vertreten.

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