Schuttertal Nominiert für Deutschen Schulpreis

Wenn es ans Philosophieren geht, sitzen die Kinder der Grundschule Schuttertal im Kreis. Mit in der Runde sind hier ausnahmsweise einige Eltern – die Aufnahme ist an einem Tag entstanden, an dem das Philosophieprojekt der Schule vorgestellt wurde. Archiv: Röckelein Foto: Lahrer Zeitung

Die Grundschule Schuttertal ist für den Deutschen Schulpreis 2020 nominiert. Eine Jury wird sich vor Ort umgucken und dann entschieden, ob der mit 100 000 Euro dotierte Preis ins Schuttertal geht.

Schuttertal. Die Bildungseinrichtung, an der 13 Lehrer 130 Kinder unterrichten, besteht aus der Stammschule im Ortsteil Schuttertal und zwei Außenstellen in Schweighausen und Dörlinbach. Rektorin ist seit 2015 Susanne Junker, die beim Anruf unserer Redaktion am Montagmittag bester Laune war: "Unsere Freude ist riesengroß, das ist eine ganz tolle Bestätigung der Arbeit, die wir hier seit Jahren leisten." Sie hatte am Morgen erfahren, dass ihre Schule als eine von bundesweit 20 für den Deutschen Schulpreis nominiert worden ist. Daraufhin war die Kenzingerin zu den beiden Außenstellen gefahren, um diese "frohe Botschaft", wie sie es augenzwinkernd nannte, persönlich zu überbringen. ­

Eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern hat die nominierten Schulen auf Basis umfangreicher Bewerbungsunterlagen ausgewählt. In den nächsten Wochen werden Juryteams die 20 Schulen besuchen und begutachten. Dazu werden Gespräche mit Schulleitung, Lehrern, Schülern und Eltern geführt, Unterrichtseinheiten und Projekte angeschaut. Danach nominiert die Jury Ende März bis zu 15 Schulen für den Deutschen Schulpreis 2020, die an der Preisverleihung im Sommer in Berlin teilnehmen. Dort zeigt sich, wer die Preise mit nach Hause nehmen darf. Der Gewinner des Hauptpreises erhält 100 000 Euro, die weiteren fünf Preisträger zusammen nochmals insgesamt mehr als 100 000 Euro.

Jury wird im Januar oder Februar im Schuttertal erwartet

Alle nominierten Schulen, die nicht mit Preisen ausgezeichnet werden, erhalten Anerkennungspreise von jeweils 5000 Euro – dieses Geld ist der Grundschule Schuttertal bereits sicher. Sie habe sich noch keine Gedanken gemacht, wozu es verwendet wird, so Junker. Darüber hinaus profitieren die Schulen, die keinen Preis erhalten, vom Entwicklungsprogramm des Deutschen Schulpreises: Über zwei Jahre erhalten sie eine individuelle Prozessbegleitung und nehmen an Seminaren und Vernetzungsangeboten teil. An der Grundschule Schuttertal wird die Jury im Januar oder Februar erwartet.

Die Schule hat einige Besonderheiten. Morgens kommen die Kinder zum Beispiel nicht alle gleichzeitig, sondern dürfen innerhalb einer halben Stunde zum Unterricht erscheinen. "Sie kommen an, werden begrüßt und beginnen umgehend mit ihren individuellen Aufgaben", wird auf der Internetseite der Schule berichtet.

In Baden-Württemberg ist sie die einzige Schule, die sich offiziell "philosophierende Grundschule" nennen darf. Verliehen wurde diese Auszeichnung von der Akademie für Philosophische Bildung und Werte-Dialog in München. Diese entwickelt für Kindergärten und Schulen Konzepte, wie das Philosophieren als Bildungsprinzip verankert werden kann.

Am Stundenplan habe sich in der Schule seit Einführung des Konzepts nichts geändert, es gebe nun lediglich mehr Raum für philosophische Gespräche, erzählt Junker. Philosophiert werde dann, wenn es sich anbiete. Das könne genau so im Mathe-, wie auch im Sportunterricht passieren. Mittlerweile würden die Kinder auch aktiv auf die Lehrer zukommen, wenn ihnen ein Thema auf der Seele liege.

"Wir wollen das individuelle Lernen fördern", erklärt Junker. Die Philosophie helfe den Kindern dabei, " eine offene und demokratische Gesprächskultur zu vereinen". Und was sagt sie nun nach einem Jahr? "Meine Erwartungen wurden übertroffen. Jeder Workshop war eine Bereicherung", fasst Junker zusammen. Durch dieses Projekt würden die Lehrer eine intensivere Wahrnehmung auf jedes Kind erhalten. "Und auch wir, die Lehrer, fühlen uns von den Kindern anders wahrgenommen."

Einzige "philosophierende Grundschule" in Baden-Württemberg

Hervorzuheben sei auch, mit welcher Ernsthaftigkeit bereits jüngere Kinder über philosophische Fragen nachdenken. "Man unterschätzt das. Manchmal schmunzeln wir da auch unter uns". Jedoch niemals laut, denn diese Gespräche seien ein privater Raum. Was auch immer gesagt werde: Es gebe kein richtig oder falsch, so Junker.

Philosophiert wird schon ab der ersten Klasse. Da in Familienklassen unterrichtet wird, erhalten so auch die Jüngsten die Gelegenheit, alles, was ihnen unter den Nägeln brennt, laut auszusprechen. Es sei die Verbindung von Wissen und Nachdenken, die sie persönlich an der Philosophie so reize, erzählt Junker.

Jetzt da es auf Weihnachten zugehe, findet sich sicherlich auch das ein oder andere passende Thema, etwa "Was ist eigentlich ein Geschenk?" Für Junker ist diese Frage leicht zu beantworten: "Für mich ist ein Geschenk, dass wir die Akademie für philosophische Bildung getroffen haben."

Die Robert-Bosch-Stiftung vergibt den Deutschen Schulpreis seit 2006 gemeinsam mit der Heidehof-Stiftung. Er gilt als der "bekannteste, anspruchsvollste und höchstdotierte Preis für gute Schulen im Land". Kooperationspartner sind die ARD und die Verlagsgruppe des Wochenmagazins "Zeit". Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qua­- litätsbereiche: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner sowie Schule als lernende Institution.

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