Corona bremst Mitfahrbänkle aus Keiner will mehr bei Fremden mitfahren

Schuttertal - Mit dem ÖPNV ist Schuttertal nur schwierig zu erreichen. Die 2019 in der Gemeinde aufgestellten Mitfahrbänkle sollten die Lücken des Busverkehrs schließen. Doch seit der Pandemie will kaum jemand mehr per Anhalter bei Fremden mitfahren.

Hinstellen, Daumen raus, warten. Das ist die ursprüngliche Form des Trampens, auch per Anhalter fahren genannt. Seit Anfang 2019 stehen zwischen Lahr Schweighausen 23 Mitfahrbänkle in unmittelbarer Nähe von Bushaltestellen. Durch sie hat das Trampen im Tal offizielle Züge erlangt. Denn wer auf den bunten Mitfahrbänken Platz nimmt, signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern, dass eine Mitfahrgelegenheit benötigt wird.

Doch die Pandemie mit ihren Hygiene- und Abstandsregeln hat sich auf die Nutzung der Mitfahrbänke ausgewirkt. Sie ist zurückgegangen, quasi komplett zum Erliegen gekommen. Kaum jemand möchte sich ins Auto eines Fremden begeben, zu groß ist die Angst, sich anzustecken. Festgestellt hat das auch Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst. Selbstverständlich bringe die Pandemie mit sich, dass die Mitfahrbänke derzeit nach seiner Beobachtung nur wenig genutzt würden: "Seit Pandemiebeginn ist augenscheinlich keine Nutzung der Bänke wahrnehmbar."

Belastbare Zahlen gebe es für eine verringerte Nutzung der Mitfahrbänke allerdings nicht. Denn registrieren müssen sich nur die Autofahrer, nicht aber die Mitfahrenden. Autofahrer müssen lediglich ihre Wohnadresse angeben, nicht aber, wie oft sie jemanden mitnehmen. Wie häufig also eine Fahrgemeinschaft zustande kommt, wird nicht erfasst.

Mitfahrbänkle sollen zur Verkehrswende beitragen

Damit erkennbar ist, welcher Autofahrer bei der Initiative mitmacht, erhalten Fahrer bei der Anmeldung in der Gemeinde einen pinken Aufkleber. Dieser ist auf der Heckscheibe des Fahrzeugs anzubringen. Derzeit seien rund 500 Fahrer bei der Gemeinde Schuttertal registriert, erklärt Litterst: "Seit Pandemiebeginn stagniert diese Zahl." Neuanmeldungen habe es keine gegeben. Abmeldungen allerdings auch nicht, hebt der Bürgermeister hervor.

Als Litterst im August 2020 sein Amt im Schuttertäler Rathaus angetreten hat, sei ihm berichtet worden, dass die Mitfahrbänke recht gut genutzt würden. Was die erwähnte Anzahl der Registrierungen seit Beginn der Projektes bis zum Ausbruch der Pandemie unterstreichen würden, so der Rathauschef.

Als man die Bänke aufstellte, war das Bestreben, dass diese zur Verkehrswende im Tal beitragen würden. Bürgermeister Carsten Gabbert hatte das Projekt während seiner Amtszeit vorangetrieben. Unkompliziert und umweltschonend sollten sich die Bürger von Schuttertal nach Lahr und zurück bewegen können. Denn der öffentliche Nahverkehr ist nur bis zum Seelbacher Ortsteil Wittelbach gut ausgebaut, so schreibt es das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung auf seiner Webseite zum Thema Mobilität "Mobilikum". Im weiteren Verlauf bis Schuttertal weise der ÖPNV große Lücken auf. Doch wer hätte, als die Mitfahrbänke errichtet wurden, an eine Pandemie gedacht?

Dass die Mitfahrbänke abgebaut werden könnten, falls die Anmeldezahlen und die Nutzung weiterhin zurückgehen, steht wohl nicht zur Debatte. "Ich bin zuversichtlich, dass wir nach Corona wieder zu einer guten Nutzung kommen werden", erläutert Litterst.

Unfall

Wenn eine Fahrgemeinschaft an einer Mitfahrbank zustande kommt, sich während der Fahrt aber ein Unfall ereignet, ist dieser über die Kfz-Haftpflichtversicherung abgedeckt. Die Gemeinde übernimmt in diesem Fall keine Haftung.

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