Schuttertal Camper lassen sich nicht unterkriegen

Schuttern/Seelbach - Urlauber haben es in den vergangenen Tagen nicht leicht gehabt, etliche Freizeitbeschäftigungen fielen ins Wasser. Doch Camper lassen sich die Stimmung vom Regen nicht vermiesen, wie ein Besuch auf den Anlagen in Schuttern und Seelbach zeigt.

Beinahe menschenleer wirkt der Schutterner Campingplatz auf den ersten Blick. Der Boden zwischen den Abstellplätzen ist durchweicht, an den Rändern sammeln sich bereits die Pfützen. Nur vereinzelt wagen sich am Mittwochvormittag Menschen aus ihren regensicheren Unterschlüpfen.

Trotz des Wetters ist der Campingplatz aber gut besucht. Knapp 200 Kurzzeit-Camper und rund 70 Dauercamper sind zurzeit in Schuttern anzutreffen. Platzwart Norbert Hansen ist mit der Besucherzahl zufrieden. "Es gab nur ganz wenige Absagen wegen des schlechten Wetters", sagt er. Im vergangenen Jahr seien es um Pfingsten herum ähnlich viele Besucher gewesen. "Des Campers Fluch sind Regen und Besuch, aber Regen geht noch", zitiert er schmunzelnd.

Und tatsächlich, sobald der Regen aufhört, füllen sich die Plätze und Gartenstühle. Zu allererst auf dem Spielplatz. Immer höher schwingt dort die Schaukel mit dem kleinen Louis oben drauf. Auch seine Spielkameraden Annika und Lukas haben in der Vogelnest-Schaukel nebenan sichtlich Spaß. Trotz bewölkten Himmels toben sich die Kinder auf den Spielplatz aus. Für Louis’ Oma Christa Hantmann gibt es kein schlechtes Wetter. "Kinder warm anziehen und raus gehen", lautet ihr Motto. Zusammen mit ihrer Familie ist sie aus St. Georgen im Schwarzwald angereist, um in Schuttern den Pfingsturlaub zu verbringen.

Camper fährt im Sommer vom Bodensee nach Schuttern

Auch andere Mitcamper lassen sich durch die Nässe von oben die Stimmung nicht verderben. "Es gibt so viel anderes zu tun bei schlechtem Wetter: Einkaufen, spülen, Wäsche waschen. Langweilig wird es nicht", äußert sich ein Dauercamper, der es sich im Seerestaurant gemütlich gemacht hat. Auch für den Rentner Fritz Obert gehört gelegentlicher Regen zum Campen dazu. Seit mehr als 20 Jahren fährt er im Sommer vom Bodensee auf den Campingplatz Schuttern, um dort die Sommermonate zu verbringen. "Wenn es regnet, sitzen wir halt zusammen. Rumjammern bringt dann nichts." Zurzeit greift er gern auch mal zur Fernbedienung. "Die Frauen-Fußballweltmeisterschaft läuft ja gerade", sagt er.

Um die Mittagszeit klart der Himmel zunehmend auf. Anna und Sina nutzen die Chance und schieben ihr Schlauchboot auf den Baggersee. Damit blieben sie aber die einzigen. Schwimmen will bei knapp 20 Grad Außentemperatur dann doch niemand.

Der Rasen vor dem Zelt von Dagmar Vogt und Xaver Schwer ist aufgeweicht, deshalb haben es sich die Ruheständler drinnen gemütlich gemacht. Beim Besuch des Berichterstatters lesen sie gerade, während Regentropfen auf ihr Zelt prasseln. Vor fünf Tagen sind die beiden auf dem Campingplatz in Seelbach angekommen, und Glück mit dem Wetter hatten sie nur am Samstag und Sonntag – da sind die Rentner geradelt und gewandert. Seit Montag ist es draußen nass – doch ihre Laune ist deshalb nicht im Keller. "Wir gehen täglich in die Sauna hier auf der Anlage, lesen und spielen Gesellschaftsspiele", sagt Dagmar Vogt.

Ihr Vorzelt ist gut drei mal drei Meter groß, auf einem Tisch steht ein Grill, darunter lagern Lebensmittel in Plastikbehältern. An einer Leine hängen Sachen zum Trocknen. Dann gibt es noch einen Campingtisch und -stühle. Das Paar ist mit einem Campingbus mit Hubdach angereist, der mit Kochnische, Spüle, Kühl- und Kleiderschrank zwar praktisch eingerichtet ist, aber auch nicht gerade viel Platz bietet. Geht man sich nicht gegenseitig auf den Wecker, wenn man so eng aufeinandersitzt? Nein, erwidern sie. Sie würden sich prima erholen.

Das Paar kommt aus Weil am Rhein, hatte also keine weite Anreise. "Wenn wir zuhause bleiben, findet sich immer etwas zum Arbeiten. Hier machen wir nur das Nötigste", so Scher. Jetzt freuen sich die beiden Stammgäste auf den prognostizierten Sonnenschein am heutigen Donnerstag – dann wollen sie ins Seelbacher Freibad, das neben dem Campingplatz liegt.

Anlage in Seelbach ist in den Pfingstferien völlig ausgebucht

Über 200 Plätze verfügt die Anlage, die in den Pfingstferien ausgebucht ist. Es gibt ein Hallenbad, eine Kletterwand, einen Jugendraum, einen kleinen Beachvolleyballplatz – und Karsten Schraivogel. Der 47-Jährige übernimmt Aufgaben eines Animateurs und organisiert an sechs Tagen in der Woche ein Programm nicht nur für Kinder – dann wird gebastelt, gebacken oder gewandert. Am Mittwochvormittag haben zum Beispiel Kinder und ihre Eltern aus Holz 40 kleine Piratenschiffe gebaut, die sie abends auf der Schutter zu Wasser lassen wollten. Von gedrückter Stimmung, weil es draußen nieselt, ist beim Besuch des Berichterstatters im Bastelraum nichts zu spüren, im Gegenteil, die Kinder haben offenbar Spaß.

Man biete den Gästen eine Menge, außerdem würden die Urlauber auf dem Seelbacher Campingplatz viele Möglichkeiten der Freizeitgestaltung vorfinden, stellt Schraivogel zufrieden fest.

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