Schuttertal "Ein Paradies für Wanderer"

Das "Judenwegle" bei Dörlinbach ist mit 15 Tafeln neu ausgeschildert worden, auch eine Schutzhütte wurde gebaut. Alois Göppert, Matthias Ohnemus und Helmut Singler aus Dörlinbach haben viel Arbeit in die Aufwertung des Wanderwegs gesteckt.

Dörlinbach. Unsere Zeitung hat sich bei der neuen Hütte im Runzenbach zu einem Gespräch mit dem Trio getroffen. Ruhig ist es dort. Man hört die Vögel zwitschern, und das kleine Runzenbächle plätschert vor sich hin. "Einfach herrlich", so der Tenor aller.

Sowas Historisches müsse man einfach erhalten, erklären sie zu ihrer Motivation. Einfach zu Hause rumsitzen, das wäre nichts für ihn, so Göppert.

Der Weg wurde in den vergangenen Jahren ausgebessert, zum Teil etwas verlegt und einfach in Schuss gebracht. "Die neuen Hinweistafeln sind aus Holz gemacht, weiß beschriftet, und oben drauf kam ein kleines Kupferdächle, das gegen den Regen schützt", zeigt Alois Göppert das Werk der Helfer. Dabei sind die neuen Schilder nicht nur an Bäumen, sondern zum Teil auch auf vier Stahlstangen angebracht worden, die man vorher in Beton gegossen habe. So halten sie länger. "Das Holz für die Tafeln hat Matthias Ohnemus gestiftet, Helmut Singler hat die Farbe angebracht", berichten sie.

Die neue Schutzhütte ist mit einem Tisch und zwei Bänken ausgestattet. Naturfreunde sind dort zu einer gemütlichen Rast eingeladen. "Sowas ist doch herrlich für Wanderer", freuen sich Ohnemus, Singler und Göppert. Dabei stören sie sich auch nicht an dem kleinen Grill, der verlassen vor der Hütte steht. Offenbar haben ihn die ersten Maiwanderer "vergessen". Sie wünschen sich aber schon, dass die Anlage sauber hinterlassen wird, so die Helfer.

Neben der Hütte soll ein Brunnen gebaut werden

Alle drei haben neben den Unkosten auch enorm viele Arbeitsstunden eingebracht, wie das Gespräch zeigt. Von der Gemeinde habe man die Außenplatten für die Hütte erhalten. Das andere Holz habe man selbst gestiftet, erzählen sie. Sie haben schon viel geleistet und noch einiges im Plan. So soll neben der neuen Schutzhütte noch ein kleiner Brunnen ­ent­stehen. Es mache viel Arbeit, "aber auch viel Freude", so Göppert.

Der knapp fünf Kilometer lange Wanderweg beginnt am Parkplatz beim Rebberg am Oberrain, von wo aus man einen herrlichen Ausblick über das Tal hat. Weiter geht es über den alten Kirchweg zur Toten Ruhe über das Schwiebögle und über den Judenweg zurück zum Parkplatz. Klingt für einen Nicht-Dörlinbacher etwas kompliziert, doch Göppert lacht: "Es ist ein Rundweg, alles ist bestens ausgeschildert." Den Judenweg könne man vorwärts oder von der anderen Seite aus gehen. Das sei ihnen sehr wichtig gewesen. Sie hegen und pflegen den Wanderweg und halten ihn in Schuss, versprechen sie.

Die drei engagierten Männer setzen sich seit Langem für die Dörlinbacher Wanderwege ein­ – "schon seit vielen Jahren". Bereits 2004 haben sie sich mit dem damaligen Heimat- und Touristikverein in zwei Abschnitten des Judenwegs angenommen, erinnern sich Alois Göppert und Matthias Ohnemus. Mit dabei waren damals noch Josef Busam, Wille Singler, Franz Schmidt, Konrad Hebding, Manuel Thoma, Kurt Häusermann, Daniel Litthy und Mathias Ohnemus. Alois Göppert war der Initiator.

Langeweile kommt bei den freiwilligen Helfern nicht auf. "Es gibt immer was zu tun."

Das "Judenwegle" erinnert an die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals wanderten mehrmals im Jahr Juden aus der Vorbergzone zu Fuß "über den Berg" (Helgestöckle – Ettenheimer Hütte­ – Schwieböglestein), um in Dörlinbach mit Vieh zu handeln sowie Gebrauchsgüter, Textil- und Kurzwaren anzubieten. Sie kamen aus Altdorf, Kippenheim und Schmieheim. Die alten Dörlinbacher erinnern sich vor allen noch an jene Juden, die in den Häusern Stoffe jeglicher Art anboten. Die in verschnürten Kartons verpackten Stoffballen wurden am Gehstock ("Hokestock") über der Schulter getragen. Die jüdischen Händler, die meistens zu dritt, viert oder fünft unterwegs waren, trugen stets einen schwarzen Mantel und einen schwarzen Hut.

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