Schuttertal "Bin dankbar für 16 intensive Jahre"

Carsten Gabbert vor der Postkartenkulisse des Bergdorfs Schweighausen. 2004 war er in Schuttertal zum ersten Mal zum Bürgermeister gewählt worden. Foto: Schabel Foto: Lahrer Zeitung

Schuttertal. 16 Jahre und einen Monat war Carsten Gabbert Bürgermeister von Schuttertal – heute endet diese Ära nun offiziell. Über seien Zeit als Rathauschef und darüber, was danach kommt, hat Gabbert mit unserer Redaktion gesprochen.

Herr Gabbert, der heutige Freitag ist offiziell Ihr letzter Tag als Bürgermeister von Schuttertal. Was empfinden Sie bei diesem Gedanken?

Das sind ganz viele sehr unterschiedliche Gefühle. Ich bin dankbar für 16 intensive Jahre. Ich freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt. Es kommen aber sehr viele Erinnerungen in den letzten Tagen hoch an besondere Momente, Menschen und viele Begegnungen.

Was machen Sie in den nächsten Tagen? Ist jetzt erst mal Urlaub angesagt?

Leider nein. Es steht Arbeit für mich an.

Was gibt’s denn zu tun?

Ich starte in die Selbständigkeit und habe auch schon einige Projekte im Bereich IT. Coaching und Organisationsentwicklung begonnen.

Sie haben zum 1. Juli ein Unternehmen mit dem Namen "Strategisch Beraten" ins Handelsregister eintragen lassen. Aber weshalb machen Sie sich selbständig? Sie hätten doch auch wieder als Bürgermeister kandidieren können.

Ich habe das Gefühl, in meinem Alter noch einmal neu durchstarten zu können und brauche für mich einfach neue Herausforderungen.

Am Montag bezieht Matthias Litterst das Bürgermeisterbüro. Welchen Eindruck haben Sie von Ihrem Nachfolger?

Wir haben bislang nur recht wenig Kontakt gehabt, was sicher auch mit Corona zu tun hat. Die Begegnungen bisher waren sehr angenehm.

Gehen wir mal gut 16 Jahre in die Vergangenheit zurück. Mit welchen Hoffnungen und Erwartungen sind Sie damals als Bürgermeister von Schuttertal angetreten?

Ich war damals neugierig und sehr motiviert. Ich war auch sehr offen. Konkrete Erwartungen hatte ich keine, wenn ich mich recht erinnere.

In Baden-Württemberg gibt es nur sechs grüne Bürgermeister. Sie waren einer davon, in der CDU-Hochburg Schuttertal. Wie hat das funktioniert? Haben Sie grüne Themen umsetzen können?

Das hat gut funktioniert. Wenn Sie mal recherchieren, werden Sie feststellen, dass die Grünen Kollegen im ländlicheren Raum alle in CDU-Hochburgen Bürgermeister sind. Da scheint es einen soziologischen Zusammenhang zu geben. Was sind grüne Themen? So denke ich nicht. Wir haben viel in Gebäudesanierung und nachhaltige Wärmeversorgung investiert. Sind das grüne Themen? Wenn ja, dann haben wir was umgesetzt. Ich glaube viel mehr, dass diese Dinge heute zum Glück Allgemeingut sind.

In Schuttertal gibt es Widerstände gegen Windräder, zum Beispiel gegen das geplante Windrad auf dem Kallenwald oberhalb des Sodhofs. Wie denken Sie über diesen Protest?

Das Windrad steht nicht auf unserer Gemarkung. Manches verstehe ich, manches verstehe ich nicht.

Bei einer Leseraktion unserer Redaktion in Dörlinbach im Vorjahr haben vier Bürger moniert, dass ihr Ortsteil bei Bürgermeister Carsten Gabbert und dem Gemeinderat zu kurz kommen würde, gerade im Vergleich zu Schweighausen, wo eine neue Dorfmitte entstanden ist. Haben Sie Verständnis für diese Kritik?

Nein. Wir haben den Ziegelhüttenplatz gemacht, den Kindergarten saniert, das Rathaus umgebaut, zwei Feuerwehrfahrzeuge gekauft, die Grundschule saniert, den Schulhof zwei Mal umgestaltet, wir sanieren gerade die alte Schule, der Radweg nach Schweighausen kommt, wir haben etliche Zuschüsse für weitere Projekte gegeben, wir haben das Finkbeiner-Archiv geschaffen, eine zentrale Wärmeversorgung mit Anschlussmöglichkeiten für Private gebaut, etliche touristische Attraktionen geschaffen und wir schaffen aktuell mit kommunalem Geld die Basis für schnelle Internetzugänge. Mir konnte bisher niemand sagen, was da nicht gekommen wäre. Welchen Wunsch soll der Gemeinderat oder der Bürgermeister abgelehnt haben? Ich hätte es schön gefunden, wenn Sie eine solche 08/15-Aussage mal auf ihren Gehalt prüfen.

Welche Projekte sind Ihnen im Rückblick auf Ihre 16 Jahre als Bürgermeister besonders wichtig?

Mir war es wichtig, dass die Menschen hier gerne leben. Alles, was diesem Ziel dient, war mir wichtig. Außerdem hat es mir immer viel Freude gemacht, für Kinder Projekte auf den Weg zu bringen, etwa bei der Schule, im Kindergarten oder bei den Spielplätzen.

Und welche Vorhaben hätten Sie noch gern umgesetzt?

Wir haben ja den Radweg zwischen Dörlinbach und Schweighausen kurz vor dem Maßnahmenbeginn. Das hätte ich gerne noch über die Bühne gebracht, aber er wird kommen. Auch hätte ich gern die ersten Bewohner der Pfarrscheune noch persönlich als Bürgermeister begrüßt.

Das Mitfahrbänkle, eines Ihrer Herzensprojekte, kann wegen der Corona-Pandemie zurzeit nicht genutzt werden. Wie soll es damit weitergehen?

Echt, ein Herzensprojekt? Ok! Ich finde es ein gutes Projekt. Wie soll es weitergehen? Ich bin mir sicher, wenn Corona dies wieder zulässt, werden die Menschen es wieder nutzen.

Mal ehrlich, sind Sie ganz froh, nun nicht mehr so viele Termine wahrnehmen zu müssen, wo Sie nicht mehr Bürgermeister sind?

Ja.

"Fußball mit dem Bürgermeister" war ein beliebter Punkt im Schuttertäler Ferienprogramm. Wird es das noch geben, dann als "Fußball mit Carsten Gabbert"?

Dieses Jahr coronabedingt leider nicht. Vielleicht biete ich das nächstes Jahr als Bürger wieder an. Fragen: Herbert Schabel

Carsten Gabbert hört als Bürgermeister ohne große Abschiedsfeier auf. Geplant war ein Abend ihm zu Ehren mit 280 geladenen Gästen. Doch dann kam die Corona-Pandemie dazwischen, die Feierstunde musste abgesagt werden. Gabbert erhielt so einen Abschied in kleinem Rahmen im Gemeinderat. Dabei dankten ihm viele Wegbegleiter per Videobotschaft für die angenehme Zusammenarbeit und wünschten ihm viel Erfolg für seinen neuen Lebensabschnitt. Seine Amtszeit hatte Gabbert verlängert, da wegen der Pandemie sein Nachfolger nicht rechtzeitig ge- wählt werden konnte.

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