Schuttertal Auch ohne Wettkampf wird trainiert

Wie trainieren die Holzfäller im Schuttertal zwischen ihren Meisterschaften? Das Finale des Euro-Jacks am 1. August ist auch dieses Jahr ein Opfer der Corona-Pandemie geworden. Geübt werden muss aber dennoch. Die LZ war mit dabei.

Schuttertal. Nicht nur die Schuttertäler Ringer sind traurig, dass ihre beliebte Holzfäller-Meisterschaft auch dieses Jahr nicht stattfinden kann. Viele Tausend Besucher hatten sich sonst alljährlich auf den Weg an den Eichberg gemacht, um den Athleten bei ihren schweißtreibenden Aktionen zuzusehen.

Keine Meisterschaft, doch trainiert werden muss dennoch. Die Wettkämpfer, die für den Ringersportverein Schuttertal (RSV) am Eichberg an den Start gegangen wären, benötigen das ganze Jahr über einen Ort, wo sie liegend oder stehend schroten, mit dem Springboard klettern oder das Kunststück mit den fliegenden Scheiben trainieren können.

Mitten im Wald oberhalb des Ortsteils Schuttertal liegen fünf, sechs Ster geschrotetes Holz auf einer kleinen Lichtung. Das ist der Abfall, der in den vergangenen Wochen beim Training entstanden ist. Die Reste wandern irgendwann in einen Häcksler.

Diese Woche, am späten Nachmittag, sind ein halbes Dutzend Wettkämpfer und einige Helfer dort versammelt. Eine Trainingseinheit steht an, bis zur Dämmerung.

Strom gibt so abseits der nächsten Häuser im entlegenen Seitental nicht. Das typische Geknatter stammt von zwei Kettensägen, die zum Arbeitszeug der Wettkämpfer gehören.

Seit über 40 Jahren gibt es die Meisterschaften

Florian Brosamer, der Vorsitzende des RSV Schuttertal, wo vor mehr als 40 Jahren die Holzfällermeisterschaften in der Region ins Leben gerufen wurden, erklärt, warum das Training für die Wettkämpfer wichtig ist. Wer beim Schroten, also beim Stämme kappen, oder beim Klettern an pure Kraft oder gar rohe Gewalt denkt, liegt völlig daneben. Die Holzfäller im Wettkampf benötigen selbstverständlich Muskeln für das Durchschroten eines Pappelstammes von 40 Zentimetern Durchmesser. Es spielt hier auch keine Rolle, dass Pappelholz sehr weich ist. Fitte Kombattanten benötigen dafür auch nur eine halbe Minute und weniger als 20 Axthiebe.

Technik generell und beim Schroten genaues Zielen dürften nicht weniger wichtig sein. Und eine Axt aus dem Heimwerkermarkt tut es da nicht. Brosamer, Frank Oehler und Matthias Neumaier ergänzen, dass die Axtblätter der Holzfäller, die beim Euro-Jack verwendet werden, etwa 500 Euro pro Stück kosten.

Eine Zugsäge schlägt mit bis zu 3000 Euro zu Buche. Eine Firma aus Neuseeland dominiert und liefert Werkzeuge für Holzfällermeisterschaften auf nationaler und europäischer Ebene.

Stehend Schroten ist relativ neu bei den Disziplinen. Der Clou ist, dass ein weicher Holzstamm stehend auf Brusthöhe fixiert wird. Die Kämpfer würden im Ernst gegen die Uhr dem Stamm in der Mitte durchhauen. Dass das länger als eine halbe Minute und 16 Schläge – der Weltrekord beim liegend Schroten – dauert, ist nachvollziehbar. Denn da schlagen die Akteure einen Stamm entzwei, der waagerecht vor und so unter ihnen liegt.

Der Trainingsplatz im Wald des Schuttertals ist so abseits, dass die Trainingsbedingungen für die Wettkämpfer des RSV nicht optimal sind. So überlegt der Vorstand, ob es nicht eine Möglichkeit am Rande einer der drei Ortsteile der Gemeinde Schuttertal geben würde. Zur engeren Auswahl stehen ein privates Grundstück in Schuttertal und ein Platz in Dörlinbach, welcher der Gemeinde gehört. Ein Vorteil wäre, dass es da Strom geben würde und man das Training mehr öffentlich wahrnehmen würde.

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