Schuttern Von Null auf Hundert in fünf Jahren

Stolz zeigt Alexandra Metzger ihre "Finisher"-Medaille, die sie beim 100-Kilometer-Lauf von Rothenburg ob der Tauber nach Wertheim bekommen hat. Foto: Bohnert-Seidel Foto: Lahrer Zeitung

100 Kilometer laufen – an einem Tag und am Stück. Was für viele Menschen undenkbar erscheint, hat Alexandra Metzger aus Schuttern getan. Damit wird sie in die Hall of Fame des Tauberlaufs aufgenommen.

Alexandra Metzger zählt zu den wenigen Ultramarathonläufern, die den 100-Kilometer-Lauf von Rothenburg ob der Tauber nach Wertheim beendet haben. Von 29 Frauen belegte die 50-Jährige aus Schuttern den siebten Platz. Ihre Zeit lässt dabei so manchen staunen. In 12 Stunden und 9 Minuten hat Metzger die 100 Kilometer Anfang Oktober zurückgelegt. Damit reiht sie sich in die Kette all jener ein, die nach diesem Lauf am Zielort in Wertheim zum Ritter geschlagen wurden.

Ihr Ehemann begleitet sie während des Rennens mit dem Fahrrad

Begleitet wurde sie auf dem Fahrrad von Ehemann Patrick Metzger. Der Sportlehrer und selbst leidenschaftliche Sportler zieht seinen Hut vor der Leistung seiner Ehefrau und meint: "Ich hätte das nie geschafft." Wohl denkt er dabei an seine Knochen, die ihm schon mal bei dem Gedanken wehtun. Ehefrau Alexandra hat dagegen nichts gespürt – keine müden Knochen, keine schmerzenden Muskeln, keinen Muskelkater. "Eigentlich hätte ich am nächsten Tag wieder laufen können", meint sie lachend.

Samstagmorgen um 5.30 Uhr ging es im Fackellauf durch Rothenburg. Um 6 Uhr fiel der Startschuss auf der Eiswiese. Von einem Ritter hoch zu Ross erhielten die 180 Teilnehmer den Auftrag, eine Nachricht ins 100 Kilometer entfernte Wertheim zu bringen. Insgesamt gingen 300 Läufer an den Start. Davon liefen einige 50 Kilometer, andere legten 71 Kilometer oder gar 100 Meilen zurück.

Die Wettervoraussetzungen waren dabei nicht gerade ideal. Drei Stunden Dauerregen prasselten auf die Läufer nieder. Nach 19 Kilometer wechselte Metzger erstmals ihre Kleidung. Später noch mal bei Kilometer 70. "Aber, lieber Regen und Kälte als Hitze", meint die Schutternerin. Selbst der Gegenwind machte ihr nichts aus.

Alexandra Metzger genoss auf ihrem Lauf die beeindruckende Landschaft entlang der Tauber. Nichts konnte die Extremläuferin in Bestform erschüttern. Mental und physisch lief sie mit einer bewundernswerte Stärke die 100 Kilometer. Unterwegs versorgten 20 Getränkestationen und 10 Essensstationen die Läufer, man griff zu Kartoffelbrei mit Chiasamen, Himalayasalz, Kokosöl, Suppen oder Smoothies.

Die Zuschauer jubelten den Läufern zu und spornten diese an. Auf der Strecke galt es 534 Höhenmeter zu queren. Besonders nach 80 Kilometern zeigte sich die Landschaft mit "fiesen Wellen und Hügeln". Und wer unterwegs Toiletten vermutet hätte, sah sich getäuscht, Läufer bewegen sich naturnah. Und schnell.

Doch die hervorragende Endzeit von 12 Stunden und 9 Minuten ist für Metzger eher zweitrangig. "Ich wollte nur wissen, dass ich es schaffe", so die Ultraläuferin. "Beim nächsten Mal werde ich auch etwas auf meine Zeit achten", fügt sie ehrgeizig hinzu. In diesem Jahr war für das aktive Mitglied im Lauftreff des TuS Schuttern das Ankommen. Während des Laufs wurde sie dann aber doch ehrgeizig, kam nach 65 Kilometern so richtig in Schwung. "Sie hat nur noch überholt", erinnert sich ihr Ehemann.

Erst vor fünf Jahren hat Metzger mit dem Laufen begonnen

Vorbereitet hat sich Metzger mit der Teilnahme an Marathons und einem Lauftraining, das pro Woche einen Zwölf-, einen 30- und einen 50-Kilometerlauf vorsah. Außerdem nahm sie im Sommer an einem Spendenlauf über 69 Kilometer teil. Trotzdem zählt sie zu den Quereinsteigern. Vor fünf Jahren hat sie den Laufsport über den Lauftreff des TuS Schuttern entdeckt. Nie zuvor hatte sie ihre Laufschuhe geschnürt.

Doch von Beginn an zeigte sie sich motiviert und erkannte, dass sie über eine perfekte Regeneration verfügte. Zum Lauftraining kam eine ideale Haltung, perfekte Laufeinteilung und ein unerschütterlicher Wille. Dieser zeigte sich auch beim 100-Kilometer-Lauf. Im Ziel war dann die Freude riesig, es wurde so viel Adrenalin freigesetzt, dass sie am liebsten gleich noch mal losgelegt hätte. Auf keinen Fall bleibt dies ihr letzter Extremlauf. "Der nächste kommt bestimmt", sagt Alexandra Metzger. Die Freude darauf steht der Ultraläuferin ihr ins Gesicht geschrieben.

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