Schulverweigerer in Lahr Seit zwei Monaten nicht mehr zum Unterricht

Annika Schubert
Auf der Glastür einer Schule ist ein Aushang angebracht, der auf die Maskenpflicht auf dem Gelände hinweist. Foto: Gentsch

In Schulen gilt aktuell Präsenzpflicht. Wenn Schüler nicht mehr zum Unterricht kommen, da ihre Eltern gegen die Masken- und Testpflicht sind, drohen deshalb Bußgelder. Wir haben uns umgehört, wie es an den Lahrer Schulen aussieht.

Lahr - Schüler und Schulpersonal müssen mindestens eine medizinische Maske tragen, auch regelmäßige Tests gehören zum Pflichtprogramm. Doch genau das passt manchen Eltern im Land nicht. Sie lassen ihre Kinder wegen der Masken- und Testpflicht an baden-württembergischen Schulen nicht mehr in den Unterricht. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Doch der Verstoß gegen die Schulpflicht kann kostspielig werden, es drohen saftige Bußgelder (siehe Info). Gibt es auch in Lahr Schulverweigerer, die wegen Masken und Tests nicht mehr kommen? 

Verbundschule: "In der Zeit um die Herbstferien hatten wir drei bis vier Kinder, die wegen der Masken- und Testpflicht nicht in den Unterricht kamen", erklärt Schulleiter Marco Baumelt im Gespräch mit der LZ. Die betroffenen Familien hätten vom ersten Fehltag an offen kommuniziert, dass sie ihr Kind aufgrund von Masken und Tests nicht mehr schicken würden. Die Absenz-Zeiten hätten zwischen einer Woche und zwei Monaten gelegen. Zwei Monate zuhause geblieben wegen Masken und Tests, das seien zwei Schüler, so der Lehrer.

Aktuell gebe es nur noch einen Fall. Mehr als zwei Monate sei das Kind nun nicht in der Schule gewesen, bedauert Baumelt: "Da haben wir jetzt das Ordnungsamt mit ins Boot geholt." Gerade mit dieser Familie seien "unzählbar viele" Gespräche geführt, die Schulsozialarbeit miteinbezogen worden. In Gesprächen mit Eltern, die Masken und Tests kritisch gegenüberstehen, hat Baumelt oft ähnliche Sorgen mitgeteilt bekommen: Das Kind leide psychisch unter der Maskenpflicht, bekomme Kopfschmerzen oder Atemnot, und der Mund- und Nasenschutz mache eher krank, als dass er dem Gesundheitsschutz diene.

Für den Schulleiter ist die Schulgemeinschaft ein Ort, an dem unterschiedliche Ansichten sichtbar werden: "Wir sind eine pluralistische Gesellschaft und leben in einer Demokratie, wo man unterschiedliche Meinungen haben darf. Aber es gibt eben auch Gesetze und Verordnungen, die man einhalten muss."

Die Verbundschule zählt 900 Schüler. Die Anzahl jener, die wegen Masken und Tests verweigern, i die Schule zu kommen, sei "verschwindend gering". "In mehr als 99 Prozent der Fälle gelingt es uns, mit Gesprächen und Verständnis für die unterschiedlichen Problemlagen das Vertrauen von Eltern und Schülern in die Institution Schule und unsere pädagogische Vorgehensweise zu gewinnen", so Baumelt. 

Luisenschule: "Mir sind keine Fälle an meiner Schule bekannt, wo Eltern ihre Kinder wegen der Tests und Masken zuhause lassen", informiert Dagmar Höfert, Geschäftsführenden Rektorin der Lahrer Schulen und Schulleiterin der Lahrer Luisenschule. Durch die Fernlernphasen während der Pandemie gebe es allerdings schon vereinzelt Kinder, die "öfters als vor der Pandemie krank gemeldet werden".

Dazu, ob es sich bei diesen Fällen um Skepsis gegenüber Tests und Masken handelt, vermag Höfert keine Auskunft geben. Ihren Beobachtungen zufolge kommen die betroffenen Kinder meist aus einem schwierigen sozialen Umfeld. Die Pandemie könnte bei manchen Familien eine Art Gewöhnung an das Fernbleiben vom Unterricht hervorgerufen haben, vermutet die Lehrerin.

 Max-Planck-Gymnasium: "Bei uns kommen alle Schüler zum Unterricht, es sei denn, sie können nicht wegen einer Corona-Erkrankung oder weil sie ungeimpfte Kontaktperson sind", erklärt Schulleiter Martin Ries auf Nachfrage unserer Redaktion. Ihm sei kein Fall an seinem Gymnasium bekannt, wo Eltern ihr Kind wegen der Masken und Tests zuhause ließen.

"Es ist recht ruhig, ich bin eigentlich eher überrascht, dass nicht mehr kritische Anfragen von Seiten der Eltern kommen", erklärt der Biologie- und Sport-Lehrer. Während der Pandemie sei er stets bemüht gewesen, klar zu kommunizieren und auch zeitnah zu informieren, welche Anforderungen durch das Ministerium gestellt werden. Einen Fall wegen Verstoß gegen die Schulpflicht gebe es am "Max", doch dieser stehe nicht im Zusammenhang mit der Masken- und Testpflicht.

Es drohen Bußgelder von zehn bis 500 Euro: Die Höhe der Bußgelder bei einem Verstoß gegen die Schulpflicht orientiere sich an den Fehltagen und daran, ob es ein erstmaliger oder ein wiederholter Verstoß ist, so die Stadt auf LZ-Nachfrage. "Der Bußgeldrahmen pro Fehltag bewegt sich in einer Spanne von zehn bis 25 Euro, bei einem Maximalbetrag pro Anzeige von 500 Euro", so die Stadt. Seit dem 1. Januar 2020 wurden 142 Ordnungswidrigkeitenanzeigen wegen Verstoßes gegen die Schulpflicht eingeleitet, 98 seien es in den zwei Jahren davor gewesen. Für einen Vergleich würden sich die Zahlen allerdings nicht eignen, da aufgrund von Löschfristen einige Verfahren in diesem Zeitraum bereits komplett aus dem System gelöscht worden seien. Wie viele von den Verstößen ab 2020 coronabedingt waren, könne nicht aufgeschlüsselt werden, so die Stadt. Aktuell sei aus den von den Schulen vorgelegten Anzeigen kein coronabedingter Schulpflichtverstoß bekannt. In der Praxis legen die Schulen erst nach mehreren Fehltagen und Gesprächen mit den Schülern und den Eltern eine Anzeige bei der Ordnungswidrigkeitenbehörde vor, heißt es.

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