Schmieheim Musikalische Reise mit Kasperle

In ihrem Jahreskonzert hat die Schlosskappelle Schmieheim alle Register gezogen. Die Kombination Musik, Theater und Kabarett unter dem Thema "Kasperle" war der Garant für eine volle Festhalle und einen unterhaltsamen Abend voller Humor.

 

Schmieheim. Sowohl Musiker als auch Akteure liefen zur Höchstform auf. Das Thema "Kasperle" zog so viele Besucher an, dass Vorsitzender Philipp Ernst beim Bürgermeister scherzhaft eine Anfrage nach einer größeren Festhalle stellte. Musik und Schauspiel beschrieben einen spannenden Bogen über die Entstehung des Puppentheaters. Auf dem Programm standen Stücke aus Film und Kino, die Arrangeur und Dirigent Christian Sade mit den entsprechenden Figuren verband. Es war lustig, frech und teilweise derb.

Dafür sorgte Ralf Meier als "quadratischer, praktischer, aber nicht guter Zauberer" Meier-thusalem. Er hypnotisierte Sabine Hartmann, Oliver Häberle und Dieter Henninger mit seinem Pendel so, dass sie als Schauspielerpuppen mit originellen Kostümen in verschiedene Rollen schlüpften. Die Musiker lieferten dazu die passende Musik – und waren Garanten für einen humorvollen Abend.

Nach der "Schlossfanfare" war es für den Zauberer musikalisch eine "Mission Impossible", das Werden des Puppenspiels zu erklären. Aber er wurde fündig in der Steinzeit. Zu der Melodie der Serie "Familie Feuerstein" hüpften die Schauspieler als Steinzeitkasperle über die Bühne. Über die Figuren Punch und Judy, die der Arbeiterklasse in England mit ihrer Gewaltbereitschaft im 17. Jahrhundert Vergnügen bereiteten, und Guignol, der in Frankreich im 18. Jahrhundert mit seiner "großen Gosch" als Urheber des politischen Kabaretts gilt, kam der Zauberer schließlich zum deutschen Kasperle.

Dessen Figur verband er mit dem 19. Jahrhundert, als die bekannteste Marionette des deutschen Puppenspiels mit seinen Mitstreitern die Jahrmärkte eroberte und Gutes, Böses und die Obrigkeit auf lustige Weise verkörperte. Entsprechend spielte die Kapelle dazu ein Medley aus der "Augsburger Puppenkiste".

Dann gab es noch das Verkehrskasperle, das in den 1950er-Jahren die Verkehrserziehung der Kinder übernommen hatte. Danach folgte der Sprung nach Amerika in die 1980er-Jahre. In der "Muppet Show", dem Puppenspiel fürs Fernsehen, sorgte Sabine Hartmann als Miss Piggy mit ihrer umwerfenden Art für Furore. Mit dem Lied "Hurra, hurra", Pinocchio, Heidi, den Schlümpfen und der Biene Maja ging es in die Pause.

Von der Steinzeit durch die Jahrhunderte bis nach Hollywood

Im Anschluss an die Pause ging es musikalisch recht anspruchsvoll weiter. Im "Nussknacker" wagten die Protagonisten einen Aufstand und wollten nach Hollywood. Die Kapelle spielte daraufhin bekannte Melodien aus "Winnetou". Das aber war den "Schauspielerpuppen" zu seicht, sie wollten mehr Action. Mit "Moment for Morricone" erweckten die Musiker die Welt der Italo-Western und der Revolverhelden.

Danach forderten die Schauspieler mehr Dialoge. Es genügten die zwei Worte "Mahna, Mahna" des gleichnamigen Liedes, zu denen Dirigent Sade auf einer Riesentuba ein beeindruckendes Solo spielte. Nach dem "Bucklig Männli" konnte das Schmieheimer Kasperle sogar zur Tatortmusik Schimanski spielen, es folgten Melodien aus Kultserien wie Lindenstraße, Herzblatt, Schwarzwaldklinik, Sportschau oder Traumschiff. Höhepunkt war die Titelmelodie zu "Derrick", zu der die Schauspieler mittels Bobbycar flüchteten. Schließlich schlief der Zauberer ein und die Protagonisten wurden von ihrem Bann erlöst. Zum Abschluss setzte die Musik der Tagesschau ein Ausrufezeichen hinter ein grandioses Konzert mit viel Applaus.

INFO

Zugabe

Am Mittwoch, 15. November, heißt es bei der Schlosskapelle Schmieheim erneut: "Kommt in unsere Puppenkiste". Dann spielt sie im Aktienhof in Lahr zu ihrem ersten Benefizkonzert zugunsten des Dinglinger Hauses auf.

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