Schlossberg Hornberg Schlossberg geht in nächste Runde

Christina Kornfeld
Ein Schrägaufzug soll viele Besucher auf den Hornberger Schlossberg bringen. Foto: Jehle

Das Schlossbergkonzept beschäftigt den Hornberger Gemeinderat seit Jahren. Heute könnte das Gremium die Pläne einen großen Schritt weiter bringen, wenn es beschließt, ein entsprechendes Bebauungsplanverfahren einzuleiten.

Hornberg - Bei der Sitzung am 10. November 2021 hatten sich einige Räte begeistert von dem Konzept für den Schlossberg gezeigt, das Christoph Schrahes von Montenius Consult vorstellte. Seine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung beinhaltete den Bau eines Schrägaufzugs sowie eines Panoramagebäudes mit Kiosk und einen Abenteuerspielplatz. Das Projekt habe enormes Potenzial und eine Weiterverfolgung sei zu empfehlen, so Schrahe. Der Gemeinderat nahm von der Untersuchung des Büros Montenius damals zustimmend Kenntnis und beauftragte die Verwaltung mit Zuschussgesprächen. Diese fanden laut der Vorlage für die heutige Sitzung im Februar beim Regierungspräsidium Freiburg und im April beim Wirtschaftsministerium statt.

2,5 Millionen Euro Zuschuss bei 4,9 Millionen Euro Kosten

Entsprechend den aktuellen Zuschussbestimmungen kann für den Schrägaufzug und für das Panoramaparkgebäude mit einer Förderung von 60 Prozent und für den Kioskanteil und den Erlebnisspielplatz mit jeweils 20 Prozent gerechnet werden. Auf der Grundlage von Nettokosten von 4,9 Millionen Euro (Kostenfortschreibung auf das Jahr 2023) ergibt sich eine Bezuschussung in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Das entspricht dem Maximalbetrag für die Förderung einer Einzelmaßnahme aus dem Tourismusinfrastrukturprogramm des Landes. Für eine Baugenehmigung muss vorab ein Bebauungsplan erstellt werden. Das Verfahren kann parallel zur Zuschussantragsstellung erfolgen.

Hans-Peter Hirschbühl befürchtet hohe Verschuldung Hornbergs

Doch nicht alle Hornberger sind von der Wirtschaftlichkeitsstudie der Firma Montenius Consult überzeugt. Hans-Peter Hirschbühl, der im Jahr 2013 die Bürgerinitiative Freibad Hornberg mitbegründet hat, äußert in einem Offenen Brief seine Zweifel an den Zahlen und Annahmen, auf denen die Studie beruht. Er hat die Studie durchgearbeitet und seine Berechnungen alllen Stadträten zur Verfügung gestellt. Hirschbühl befürchtet, dass an der Stadt Hornberg trotz der Förderungen Schulden von drei bis vier Millionen Euro hängen bleiben.

Vergleich mit anderen Schrägaufzügen

Laut der Wirtschaftlichkeitsstudie würden 56 Prozent der Einheimischen den geplanten Schrägaufzug auf den Schlossberg nicht benutzen. Die Kenntnis beruht auf einer Befragung von rund 370 Personen. Hirschbühl sieht das als klaren Auftrag an die Stadträte, das Projekt abzulehnen. Dass die Studie den geplanten Aufzug mit Söllereckbahn in Oberstdorf oder der Mittagbahn in Immenstadt vergleicht, wie Hirschbühl kritisiert, stimmt nicht. Diese Bahnen werden lediglich als Referenzprojekte der Firma Montenius angegeben. Als Vergleich dienen in der Studie vielmehr beispielsweise der Festungsaufzug Ehrenbreitstein, Koblenz, mit an die 40 000 Fahrten (2018) oder der Schrägaufzug Schwarzenberg im Erzgebirge mit gut 73 200 Fahrten (2019) beziehungsweise 615 503 Fahrten (2010 bis 2019).

Kritiker bezweifelt prognostizierte Besucherzahlen

Hirschbühl bezweifelt auch, dass schon heute, wie in der Studie angegeben, täglich 205 Menschen den Schlossberg besuchen. In der Studie ist von 98 000 Besuchern pro Jahr die Rede. Hirschbühl befürchtet weitere notwendige Ausgaben in Millionenhöhe für nötige Parkplätze und macht Vorschläge wie vorhandene Potenziale in Hornberg besser genutzt werden könnten. Er setzt dabei beispielsweise auf eine bessere interkommunale Personenbeförderung und ein fahrbares Dach für die Freilichtbühne, das diese wetterunabhängig macht.

Abweichungen sind in Berechnung einbezogen

Bürgermeister Siegfried Scheffold begrüßt es im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten, "wenn sich engagierte Bürger vertieft mit den Plänen auseinandersetzen". Es habe bereits viele Beratungen und auch öffentliche Infoveranstaltungen zu dem Thema gegeben. Hirschbühl habe einen Gegenentwurf entwickelt. "Wir werden uns mit der Fragestellung auseinandersetzen", so der Bürgermeister. Der Entwurf der Wirtschaftlichkeitsstudie sei vorgestellt und ausführlich kritisch hinterfragt worden.

Fachleute mit viel Erfahrung am Werk

Die Studie beruhe auf Prognosen und sei ein Blick in die Zukunft. Es würden Schwankungen von zehn bis 20 Prozent in die Berechnungen einbezogen. Es seien Gespräche mit dem Regierungspräsidium und dem Wirtschaftsministerium geführt worden. Die Fachleute dort könnten auf Erfahrungen aus dem touristischen Bereich im Regierungsbezirk beziehungsweise im Land Baden-Württemberg zurückgreifen. "Sie können beurteilen, ob das Projekt in die Region ausstrahlt und ob es in die Landschaft passt", so Scheffold.

Stadt wird sich mit der Fragestellung auseinander setzen

Dass noch viele Fragen zu klären seien, wie beispielsweise in Bezug auf die Parkplätze, sei klar. Wenn der Gemeinderat einen Bebauungsplan aufstellen lasse, werde beispielsweise ein Parkleitsystem Thema. "Das Schlossbergprojekt ist nicht ein Projekt von mir, sondern ein Projekt für und von Hornberg", betont Bürgermeister Siegfried Scheffold ausdrücklich. Die öffentliche Gemeinderatssitzung findet heute, 26. April, im Sitzungssaal des Rathauses statt. Beginn ist um 17 Uhr.