»Schlimmer als ein Lockdown« Lahrer Gastro klagt über massenweise Absagen

Felix Bender
"Weit mehr als 100 Stornierungen" hat Peter Vetter vom gleichnamigen Lahrer Eventhaus in den vergangenen Tagen verbuchen müssen – das Weihnachtsgeschäft ist dahin. Foto: Bender

Mit den Infektionszahlen steigt die Verunsicherung in der Bevölkerung – was die Gastronomie mit voller Wucht zu spüren bekommt: Beim Eventhaus Vetter in Lahr "ging es in zwei Wochen von 100 runter auf Null". Ein Bild mit Symbolcharakter.

Es ist die Zeit im Jahr, in der sich Peter Vetter und sein Team normalerweise vor Arbeit nicht retten können; in der eine Weihnachtsfeier die nächste jagt. Doch statt reger Betriebsamkeit herrscht auf dem Firmengelände auf dem Flugplatzareal, das zu Festen jeglicher Art einlädt, gähnende Leere: "Alle gewerblichen Veranstaltungen und alles Private mit mehr als zehn Personen wurden innerhalb weniger Tage abgesagt", berichtet Vetter. Insgesamt "weit mehr als 100 Stornierungen" hat der Gastronom zu verzeichnen.

Weiße Seiten in den Auftragsbüchern – ein Trend, der die ganze Branche erfasst, wie die Leiterin der Offenburger Arbeitsagentur, Theresia Denzer-Urschel, aus vielen Gesprächen mit Wirten zu berichten weiß: "Nachdem das Geschäft im Sommer wieder angezogen hatte, gibt es jetzt überall Klagen über reihenweise Ausfälle. Die Verunsicherung ist groß, die Angst vor einem neuen Lockdown geht um." Deren zwei hat die Gastronomie bereits erlebt, oder besser: überlebt. Wobei Peter Vetter sagt: "Das, was wir jetzt haben, ist schlimmer als ein Lockdown. Es ist ein Lockdown durch die Hintertür."

Zwar gilt aktuell im Innenbereich von Restaurants, Cafés und Kneipen die 2G-Regel. Doch blieben zunehmend auch Geimpfte und Genesene weg – aus Angst vor Ansteckungen. "In kleinere À-la-Carte-Betriebe kommen momentan wenigstens noch Pärchen und Familien, aber auch da, weiß ich von den Kollegen, wird es dünner", sagt Vetter. In seinem Eventhaus ist der Tiefpunkt bereits erreicht: "An große Weihnachtsfeiern denkt in der derzeitigen Lage niemand." Nur sein Wirtsherz hält ihn davon ab, sein Geschäft zuzusperren: "Wir kümmern uns um die wenigen verbliebenen Gäste. Betriebswirtschaftlich macht das aber absolut keinen Sinn." Denn: Während der gesetzlich angeordneten Schließung bekamen die Gastronomen ihre finanziellen Ausfälle vom Staat ersetzt. Aktuell läuft noch die sogenannte Überbrückungshilfe III Plus, die laut Vetter aber "vorne und hinten nicht reicht".

Der 60-Jährige macht keinen Hehl daraus, wer aus seiner Sicht die Schuld an den explodierenden Corona-Zahlen und damit an der neuerlichen Misere in der Gastro-Branche trägt: "Der größte Fehler der Politik war es, im August die Impfzentren zu schließen." Schon damals sei abzusehen gewesen, dass die Infektionen im Spätjahr wieder zunehmen würden.

Angestellte müssen wieder in Kurzarbeit

Er sei "maßlos enttäuscht", sagt der Unternehmer. Nicht zuletzt, weil er seinen Teil zur Bekämpfung der Pandemie übererfülle: "Wir haben lange vor der 3G-Pflicht am Arbeitsplatz alle unsere Mitarbeiter regelmäßig getestet. Die Nachweise unserer Gäste kontrollieren wir gewissenhaft." Vetter ist sich sicher: Hätte es im Oktober, November einen Mini-Lockdown gegeben, hätte man jetzt durchstarten können. "Stattdessen müssen wir unsere Angestellten nun schon wieder in Kurzarbeit schicken."

Info - Runder Tisch

Die Absagenflut ist nicht das einzige Problem, mit dem das Gastgewerbe derzeit kämpft: Um Lösungen für den Personalmangel zu finden, haben sich Branchenvertreter aus der Ortenau kürzlich mit der Agentur für Arbeit, der IHK Südlicher Oberrhein und der Kommunalen Arbeitsförderung getroffen. "Erste Ideen" wurden laut Theresia Denzer-Urschel bei dem Runden Tisch bereits gesammelt. "Im Frühjahr ist ein weiteres Treffen in größerer Runde geplant, um den Bedarf in der Region zu ermitteln", so die Arbeitsagentur-Chefin. Anschließend sollen Maßnahmen folgen. Möglich wäre etwa eine Mitarbeiter-Akquise im Ausland. "Das muss aber gut durchdacht und vorbereitet sein, damit die Menschen hier integriert werden können und der Effekt nachhaltig ist", sagt Denzer-Urschel.

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