Rust Zwei Weltenbummler begeistern 200 Zuhörer im "Colosseo"

Moderatorin Barbara Dickmann (links) und Marianne Mack (rechts) mit den beiden Referenten Sonja Zitzmann und Burghard Pieske Foto: Europa-Park Foto: Lahrer Zeitung

Rust (red/fx). "Es ist dein Leben!" – dieser Satz steht den ganzen Abend vor den Augen der rund 200 Zuhörer. Denn im Hotel Colosseo stehen zwei Menschen auf der Bühne, die so selbstbestimmt wie nur möglich leben: Sonja Zitzmann, Jahrgang 1981, tauschte 24 Monate lang Büro und Karriere gegen die Welt. Burghard Pieske, 76 Jahre, Abenteurer, Weltumsegler und Publizist, wagt bis heute spektakuläre Expeditionen. Im Rahmen von Marianne Macks ehrenamtlicher Vortragsreihe "Neue Perspektiven" berichten die beiden über freiwillige und unfreiwillige Erlebnisse und Erkenntnisse.

Weltenbummler sind sie beide, allerdings ist Sonja Zitzmann wieder eingestiegen. Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund und heutigen Ehemann Sebastian Zitzmann bereist sie die Welt: Kapverden, China, Australien, Neuseeland, Tonga, Fidschi, Vanuatu, Thailand, Myanmar, Bali und Nepal. Wunderschöne Landschaftsaufnahmen bezaubern die Zuhörer und die junge Frau berichtet begeistert von ihren Erlebnissen: Gastfreundschaft, glückliche Menschen, großes Vertrauen und keine einzige bedrohliche Situation. Zwar wenig Geld, doch sie finden immer Jobs.

Ihre Beziehung hält nicht, sie trennen sich, finden wieder zueinander. Das härteste Erlebnis für Sonja: etliche Tage im Schweigekloster, ohne Sebastian. Allein mit ihren Gedanken, Gefühlen, Wünschen und Ängsten. Sie weiß jetzt, dass sie wieder nach Hause will, das ist ihr Platz in der Welt. Doch sie weiß auch, dass sie nicht einfach dort anknüpfen kann, wo sie aufgehört hat. Nach zwei Jahren kehren sie und ihr Partner zurück, bauen sich ein neues Leben auf, heiraten, bekommen zwei Kinder und sehen voller Vertrauen in die Zukunft.

Und Burghard Pieske? Er lässt sich bis heute den Wind um die Nase wehen. Man glaubt nicht, dass der Mann bereits 76 Jahre Lebenserfahrung hat. Stimme, Figur, Motorik, seine Lebhaftigkeit und wachen Augen lassen ihn jünger erscheinen. Expedition "Wiking Saga" ist sein Thema. Das berühmte hölzerne Drachenboot, mit dem er vor knapp 30 Jahren die klassische Wikingerroute gesegelt ist, hängt heute an der Decke des Restaurants Bubba Svens im Hotel Kronasar. Auf den Spuren des Wikingers Leif Eriksson, der Amerika 500 Jahre vor Columbus entdeckte, wagte er mit seinen beiden Begleitern die Reise von Dänemark über Norwegen, die Shetlands und die Färöer nach Island, Grönland und bis in die neue Welt. Sie segeln ohne Kompass und Karten, ohne Komfort und Technik, ohne Kajüte und Motor, nur mit Sonnenscheibe, Rahsegel und Seitenruder. Ein Begleitboot filmt die ganze Geschichte.

Pieske kommentiert und erzählt, den Zuschauern stockt der Atem. Er lässt die Wikinger wieder aufleben, begeistert mit seiner Euphorie, seinem Humor und seinem Lübecker Dialekt. Dass dieser geborene Abenteurer in seinem "früheren" Leben sechs Jahre lang verbeamteter Lehrer war, kann sich keiner vorstellen. Auch er tauschte Sicherheit gegen die Erfüllung seiner Träume und arbeitete in den Wintermonaten. Wieder zurück in den Schuldienst? Undenkbar.

Nach drei Stunden stehen beide Referenten auf der Bühne, die junge Frau und der jung gebliebene Mann. Sie halten sich an der Hand und freuen sich über den Applaus, der nicht enden will.

Für Lena, neun Jahre, schwerstbehindert ist es ein besonderer Abend: Sie kann wieder mit ihrer Mutter im Anhänger Fahrrad fahren. Dank der Spenden der Zuschauer kann für die Familie ein E-Bike gekauft werden.

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