Rust Wenn Sakristeien zum Regieraum werden

Professionelle Technik in der Kirche: Max Trotter (links) und Alfred Wieber bei einer Gottesdienst-ÜbertragungFoto: privat Foto: Lahrer Zeitung

Rust (red/fx). Ein Jahr Streaming-Gottesdienste – darauf kann die Seelsorgeeinheit Rust am morgigen Sonntag zurückblicken. Was bis dato niemand für möglich hielt, ist seit den Einschränkungen der Corona-Pandemie schon fast zur Normalität geworden.

Inzwischen wird jeder Sonntagsgottesdienst live aus einer der vier Kirchen der Seelsorgeeinheit gestreamt. Weit mehr als 100 Endgeräte empfangen die Gottesdienste inzwischen regelmäßig über den Livestream. Rechnet man pro Endgerät etwa zwei Teilnehmer, dann sind das fast 300 Gottesdienstbesucher, die teilweise weit über das Dekanat hinaus dabei sind. Ruster Stammgäste sind etwa Nonnen aus Itzehoe (Italien), kommen aus Baden-Baden, Heidelberg, Bremen und aus Klöstern in der Steiermark, im Schwäbischen und in Rom. Ebenfalls positiv: Mit diesem Angebot werden nun auch Menschen erreicht, die aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Gottesdiensten teilnehmen können.

Vor einem Jahr haben sich Alexander Sandhaas und Tobias Rein als Pioniere des Gottesdienst-Livestreams auf den Weg gemacht, das Ganze geplant und gleichzeitig als Kameramann und Regisseur agiert. Inzwischen ist das Streaming-Team mit Levi Sandhaas, Alfred Wieber, Normand Bellemare, Alexander Schindler und Max Trotter auf sieben Mitglieder gewachsen. Somit stehen wechselseitig in jedem Gottesdienst ein Regisseur, Kameramann und Tontechniker zur Verfügung.

3600 Minuten Videomaterial

Wurden die ersten Gottesdienste nur aus der Kirche in Rust übertragen, ist inzwischen die Übertragung aus allen vier Pfarrkirchen (zusätzlich Kappel, Grafenhausen und Ringsheim) möglich. Dazu wurden in den Kirchen die notwendigen Internetbandbreiten bereitgestellt. In den Anfängen war das Streaming-Team noch direkt aus dem Chorraum tätig, inzwischen wird der Livestream ohne Störungen des Gottesdienstgeschehens aus den jeweiligen Sakristeien gesteuert. Zur Verbesserung des Mit-dabei-seins im Gottesdienst zeigen zusätzliche Kameraperspektiven den Kirchenraum von der Empore, die Lektoren, die begleitende Schola, Solisten und Organisten.

Vor Beginn des Gottesdienstes werden die jeweiligen Pfarrkirchen in kurzen Videos aus dem Inneren und außerhalb der Kirchen gezeigt, die mit einer Drohne aufgenommen wurden. Ein Höhepunkt ist sicher auch das rechtzeitige "Zusammenläuten" vor Beginn des Gottesdienstes in Form eines Videos, direkt aus dem Glockenturm der jeweiligen Kirche aufgenommen.

Bisher wurden knapp 50 Gottesdienste, acht Erstkommunionfeiern, vier "Lyrix at Church"-Gottesdienste, drei Andachten und auch eine Sitzung des Pfarrgemeinderats im Internet übertragen. Dabei wurden mehr als 3600 Minuten Videomaterial und mehrere 100 Gigabyte Daten erzeugt und verarbeitet. Für das Streaming-Team beträgt der Zeitaufwand pro Gottesdienst im Schnitt zwölf Stunden.

Pfarrer Michael Gartner sagt: "Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell ich vergesse, dass wir ›auf Sendung‹ sind. Die Kameras stören mich dann gar nicht mehr. Woran ich mich aber wohl nie gewöhnen werde, ist, dass die Menschen nicht vor Ort in der Kirche sind. Es ist zwar schön zu wissen, dass so viele zu Hause mitfeiern – ein gemeinsamer Gottesdienst in der Kirche ist aber etwas ganz anderes. Danach sehne ich mich sehr. Auch die Gespräche mit den Gottesdienstbesuchern nach dem Gottesdienst vermisse ich."

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