Rust und Ringsheim Mehr als 160 Flüchtlingen Zuflucht geboten

Julia Göpfert
Im März hatten die beiden Gemeinden Rust und Ringsheim 22 minderjährige ukrainische Flüchtlinge sowie deren vier Begleitpersonen auf einmal aufgenommen. Sie stammten aus einem Jugendwohnheim in Kiew. Foto: Gemeinde Rust

Mehr als 100 Flüchtlinge sind derzeit in Rust untergebracht. In Ringsheim sind es aktuell 62. Eine verhältnismäßig hohe Anzahl. Um alle damit verbundenen Anforderungen zu bewältigen, arbeiten die beiden Nachbargemeinden eng zusammen.

Rust/Ringsheim. Unter anderem aufgrund des Europa-Parks und dem damit verbundenen Gewerbe wie der Gastronomie hat Rust eine internationale Bevölkerung. Einige Rusterinnen und Ruster haben Familienangehörige oder Freunde in der Ukraine, die sie nun zu sich geholt haben. Damit ist eine temporäre Unterbringung der Geflüchteten gesichert. Als Gemeinde arbeiten wir jedoch bereits an längerfristigen Unterbringungsmöglichkeiten, berichtet Mirko Masen, Leiter der Stabsstelle des Ruster Bürgermeisters. So erklärt es sich, dass Rust und auch die Nachbargemeinde Ringsheim verglichen mit der Größe ihrer Gemeinde derzeit sehr viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen haben. 

Situation in Rust: Bereits rund 100 Menschen aus der Ukraine haben seit Kriegsbeginn in Rust Schutz und eine Unterkunft gefunden, erklärt die Gemeinde in einer Pressemitteilung. Die überwiegende Zahl sei in privaten Häusern und Wohnungen untergekommen. Im Ort sind zahlreiche Unterstützungsangebote ins Leben gerufen worden, wie etwa eine Kleiderbörse, um die oftmals nur mit wenig Hab und Gut geflohenen Menschen schnell mit dem Notwendigsten auszustatten Die Gemeinde unterstützt durch eine direkte Hilfe bei der Stellung von Anträgen, sodass viele Klärungen mit dem Landratsamt vor Ort im Ruster Rathaus getätigt wer-den können. Gemeinsam mit Telekommunikationsanbietern konnten kostenfreie Möglichkeiten eingerichtet werden, damit die Geflüchteten Kontakt mit ihrer Heimat aufnehmen können.

Situation in Ringsheim: 62 Ukrainer sind derzeit in Ringsheim untergebracht, darunter viele Kinder und Jugendliche. Sie alle wurden zwischenzeitlich in privaten oder auch gemeindeeigenen Wohnungen untergebracht. Kleider und sonstige Sachspenden wurden schon zur Verfügung gestellt. Die elf Jugendlichen, die derzeit auf 70 Quadratmeter mit einer Dusche im ehemaligen Gasthaus Ochsen wohnen, sollen demnächst zumindest zum Teil in andere Unterkünfte umziehen, berichtete Weber.

Große Solidarität in den Gemeinden: Sehr dankbar zeigt sich Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare über die vielen individuellen Spenden und Hilfeleistungen: "Wir erleben eine Welle der Solidarität, die mich sehr beeindruckt. Jeder hilft nach Kräften dort, wo er kann." Auch Bürgermeister Pascal Weber hob in der Gemeinderatssitzung am Dienstag das riesige Engagement in seiner Gemeinde hervor und bedankte sich dafür mehrfach. Die Ringsheimer engagierten sich zum Teil mit Geldspenden als auch mit tatkräftigem Einsatz und verschiedenen Aktionen für die Flüchtlinge. Die eingegangenen Geldspenden bildeten einen guten Grundstock für die aktuelle und auch die zukünftige Arbeit, die auf die Gemeinde zukomme und deren Ausmaß noch niemand abschätzen könne. Zudem bedankte sich Weber besonders bei den Vermietern, die zum Teil bis zu 15 Leute auf einmal Unterkünfte zur Verfügung gestellt hätten. "Da hat keiner gefragt: ›Was kriege ich dafür?‹ Vielmehr hieß es: ›Ich nehme die erst einmal auf. Über das Finanzielle werden wir uns schon einig‹‹, erklärte Weber bewegt.

Spendenkonto eingerichtet: Grundsätzlich erhalten die ukrainischen Geflüchteten Hilfe nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Weitere finanzielle Mittel lassen jedoch noch auf sich warten. Die Gemeinde Rust hat zwei Spendenkonten eingerichtet. Wer spenden will, kann unter dem Stichwort "Ukraine" einen frei gewählten Geldbetrag überweisen. Volksbank Lahr: DE80 6829 0000 0059 0067 03; Sparkasse Offenburg-Ortenau: DE85 6645 0050 0070 0003 29; falls eine Spendenbescheinigung (ab 100 Euro) gewünscht wird, muss noch die persönliche Adresse angegeben werden. 

Geld aus Hilfsfonds entnommen: In Ringsheim hat Bürgermeister Weber für die Ringsheimer Flüchtlinge beantragt, aus dem Fonds "Hilfe für Menschen" 2500 Euro zu entnehmen, um flexibel zu sein, falls etwas benötigt wird, wofür man keine Sachspenden habe. "Für mich sind diese Menschen schon Ringsheimer, sie sind bei uns in der Gemeinde gemeldet", betonte Weber. Der Fonds hat nach dieser Entnahme immer noch ein Guthaben von rund 12 500 Euro. Ruth Volz erklärte für den Gesamt-Gemeinderat, dass dieses Geld bei den Kindern und Jugendlichen gut angelegt sei. Zudem dankte sie der Verwaltung und insbesondere Hauptamtsleiterin Helena Gutbrod für ihr Engagement. "Erst galt es Corona zu bewältigen, nun die Folgen des Ukraine-Krieges", so Volz’ trauriges Fazit.

Gemeinsamer Schulunterricht: Die Gemeinde Rust arbeitet eng mit Ringsheim zusammen. Man sei immer in einem sehr engen Austausch und stehe Seite an Seite, berichtete Masen. Dem Thema Schule hat sich die Gemeinde Rust angenommen. In den Räumen der Narrenzunft und des Kleintierzuchtvereins wurde in kürzester Zeit in Kooperation von Schule, Jugendzentrum und Gemeinde eine ukrainische Schulklasse eingerichtet, in der ukrainische Kinder und Jugendliche einen Basisunterricht von einer durch das Schulamt eingestellten ukrainischen Lehrkraft erhalten. Bei diesem stehe vor allem die Vermittlung der deutschen Sprache sowie Allgemeinunterricht im Vordergrund. "Ein fester Stundenplan wird angestrebt. Wichtiger ist es uns aber erst einmal, dass die Jugendlichen wieder Rhythmus und Regelmäßigkeit in ihren Alltag bekommen", so Masen. Der Unterricht klappe sehr gut, so dass eventuell eine zweite Lehrkraft eingestellt werden soll. Die Ringsheimer Flüchtlinge besuchen diese Basisklasse ebenfalls und dürfen dafür kostenlos den ÖPNV nutzen. Die durch die Gemeinden Rust und Ringsheim untergebrachten 22 Jugendlichen aus Kiew (wir berichteten) besuchen ebenfalls die Schulklasse und sind mittlerweile durch aufbereitete Fundfahrräder mobil. In enger Kooperation mit dem Landratsamt und karitativen Organisationen sind weitere Begleitungsangebote geplant. So sollen die Schüler nach den Osterferien eventuell in eine Vorbereitungsklasse einer regulären Schulen kommen.

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