Rust "Tausende Arbeitsplätze gefährdet"

Tourismus hat viele Gesichter: Vom Lockdown sind nicht nur Europa-Park, Gastronomie und Ferienwohnungsbesitzer betroffen, sondern auch alle Dienstleister und Handwerker, die mittelbar davon abhängen. Foto: Europa-Park/Pixabay – Montage: Meurer

Rust/Ringsheim - Die aktuellen Entwicklungen der Pandemie geben auch 2021 Anlass zur Sorge: Besonders in der Tourismusbranche stehen Tausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Rust und Ringsheim fordern deshalb eine Gesamtstrategie, die alle Zweige berücksichtigt.

Folgen der Pandemie auch im neuen Jahr spürbar 

Die Corona-Pandemie und ihre Folgen werden auch im neuen Jahr noch deutlich zu spüren sein. Besonders die Tourismusbranche und die viele weitere Geschäftszweige, die mittelbar vom Gastgewerbe abhängig sind, bekommen die Krise hart zu spüren. "Ohne Perspektive und die Zusage weiterer Hilfen geraten diese Betriebe zunehmend in existenzielle Nöte", erklärt die Gemeinde Rust in einer Pressemitteilung.  

Gesamtstrategie für Tourismus schon seit Oktober gefordert

Schon im Oktober hatte Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei einem Treffen darauf hingewiesen, dass es eine Gesamtstrategie brauche, wie man den Tourismus wieder aus der Krise bekomme: "Das Ausmaß der Hilfen ist gut und viel, aber der Tourismus ist sehr vielschichtig, man muss die einzelnen Bereiche genau betrachten, damit niemand durchs Raster fällt", erklärte Klare bereits damals gegenüber der LZ.

So berichtete etwa die Lahrer Zeitung am 17. November darüber, dass etwa Ferienwohnungen aus allen Förderrastern herausfallen. In Rust aufgrund der Schließung des Europa-Parks 2020 jedoch oft große Verluste verzeichneten.  

Brandbrief an Kretschmann und Wolf

Der Forderung einer Gesamtstrategie für den Tourismus haben Klare und Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber in ihrer Funktion als Vorsitzende der Zweckverband Tourismus-Dienstleistungen-Freizeit in Ringsheim/Rust, nun noch einmal Nachdruck verliehen In einem Schreiben an die Landesregierung, das an den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und an Tourismusminister Guido Wolf adressiert ist, weisen sie daraufhin, dass dringend Handlungsbedarf bestehe und bitten die Landesregierung darum, in Zusammenarbeit mit touristischen Verbänden passgenaue Hilfskonzepte und Strategien zu erarbeiten.  

Schließungen beutelten den Tourismus

Schon mit dem ersten Lockdown im Frühjahr und den Beschränkungen im Sommer habe der Tourismus "erhebliche Verluste erlitten" mit dem Lockdown-Light im November und der aktuellen kompletten Schließung des öffentlichen Lebens seien auch "die Hoffnung in allen dem Tourismus angeschlossen Geschäftszweigen auf eine zumindest rudimentäre Wintersaison aktuell hinfällig". Die Auswirkungen davon beträfen nicht nur die Gastronomie und den Tourismus, sondern auch die unzähligen Dienstleister und Handwerker, die mittelbar von diesen abhängig sind.  

Viele Betriebe schossen Privatvermögen zu

"Damit stellt sich die dringende Frage, wie diesen Betrieben bei der Aussicht auf weitere Monate komplett ohne Einnahmen bis ins Frühjahr eine Brücke gebaut werden kann. Aus vielen eindringlichen Gesprächen wissen wir, dass mittlerweile in fast allen Betrieben die Reserven aufgebraucht sind", heißt es in dem Schreiben. Viele Betriebe hätten auch große Beträge aus dem Privatvermögen – wie etwa aus der Altersvorsorge – zugeschossen. "Es stehen Existenzen und die Grundstruktur des familiär-mittelständisch geprägten Tourismus in Baden-Württemberg auf dem Spiel und damit Tausende Arbeitsplätze", machen die beiden Bürgermeister deutlich.  

Weiterer Handlungsbedarf dringend notwendig

Die Anerkennung für das, was Bund und Länder geleistet haben, sei weiterhin groß. "Für die Betriebe ist allerdings der Punkt erreicht, an dem es dringend einer Handreichung bedarf, die Planungssicherheit mindestens bis zum Beginn des zweiten Quartals gibt, in dem durch den Impfstoff und witterungsbedingt auf eine Entspannung zumindest gehofft werden kann", macht das Schreiben deutlich.

Manche Zweige fielen komplett durchs Raster

Die Hilfspakete von Bund und Land seien dankbar angenommen worden, allerdings hätten viele Betriebsarten von den bisherigen Hilfeleistungen nicht profitieren können, "wie etwa Ferienwohnungen, die unseres Wissens bisher aus nahezu allen Förderrastern herausgefallen sind".

 Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden gefordert

Der Zweckverband bittet daher die Landesregierung mit den Spitzenverbänden, aber auch mit den regionalen touristischen Zusammenschlüssen zusammenzuarbeiten, um "unter Zugrundelegung unterschiedlicher Szenarien (Lockdown / Lockdown-Light / Öffnung), sobald möglich Hilfsprogramme und Strategien zu erarbeiten" – und diese nach Ausarbeitung baldmöglichst zu kommunizieren.

Denn gerade aufgrund des andauernden harten Lockdowns hätte der Tourismus-Zweckverband "große Befürchtungen, dass viele Unternehmer ohne feste Zusagen bald keine Perspektive mehr sehen und ihre Betriebe dauerhaft schließen, bevor das letzte Ersparte aufgebraucht ist".

Massive Steuerverluste im Tourismus 

Wie hart die Tourismusbranche von den Folgen der Corona-Pandemie getroffen ist, machen die Gewerbesteuereinnahmen von Rust deutlich: Statt der geplanten zehn Millionen Euro konnte die Tourismusgemeinde 2020 nur eine Million Euro Gewerbesteuer einnehmen. Da Baden-Württemberg bei dem von Bund und Land beschlossenen Kompensationsausgleich zudem einen Sonderweg geht, wird die Gemeinde diese Ausfälle auch nicht komplett erstattet bekommen, sondern nur drei Millionen Euro als Hilfe erhalten.

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