Rust Ruster machen sich für Klinik stark

Gerade in der denzentralen Struktur im größten Landkreis Baden-Württembergs sieht Bürgermeister Kai-Achim Klare die Stärke. Foto: Archiv

Rust - Die Gemeinde Rust reagiert auf das Klinkgutachten, in dem der Standort Ettenheim aufgegeben werden soll: Einstimmig hat der Gemeinderat eine Resolution für den Erhalt des Krankenhauses Ettenheim beschlossen.

In seiner Anmoderation in der Gemeinderatsitzung am Montag betonte Bürgermeister Kai-Achim Klare, dass gerade die dezentrale Struktur im größten Landkreis Baden-Württembergs die große Stärke der Gesundheitsversorgung darstelle. Bei der Gesundheitsvorsorge stehe in erster Linie der Mensch und nicht das Geld im Vordergrund. Der ökonomische Ansatz werde zu hoch bewertet und dies sei ein falscher Ansatz, so Klare. Es mache wohl auch Sinn zentrale und dezentrale Einheiten unter ökonomischen Gesichtspunkten zu werten. Die Schließung des Klinikstandorts Ettenheim würde eine Schwächung der Region der südlichen Ortenau und des nördlichen Breisgaus bedeuten und "wäre ein wahnsinniger Fehler", sagte der Bürgermeister, auch deshalb, weil Ettenheim wirtschaftlich erfolgreich sei.

Die Menschen brauchen einen schnellen Zugang zur großen Breite der Gesundheitsversorgung. Zentrale Klinkstandorte entfachen eine Sogwirkung auf niedergelasene Ärzte, Therapeuten und weitere im Gesundheitswesen tätige Berufsgruppen, befürchten die Räte. Zudem würde eine starke Zentralisierung die ländlichen Räume schwächen.

Die heterogene Struktur des Ortenaukreises müsse sich auch bei Krankenhausstandorten abbilden. In der sinnvollen Arbeitsteilung mehrerer Standorte könne medizinisch hochkarätig und wirschaftlich zum Wohle der Menschen gearbeitet werden, ist Inhalt der Resolution. Der vor wenigen Jahren eingerichtete Notarztstandort Ettenheim sichere schnelles Eingreifen in der näheren Region. Er sei gleichzeitig auch der nächste Notarztstandort zum Europa-Park. Jährlich würden rund sechs Millionen und täglich bis zu 50 000 Besucher, sowie zunehmenden Übernachtungsgästen in die ganze Region kommen.

Das Gutachten sei zu wirtschaftlich orientiert, bemerkte Karl-Heinz Debacher (SPD), der als Kreisrat über den Standort mit entscheiden wird. Es werde nicht nach Fraktionen, sondern nach Regionen entschieden werden, sagte Debacher. Er bedauere auch die Entscheidung von Sozialminister Manne Lucha, keine kleinen Häuser mehr zu fördern. Der Standort Ettenheim stärke auch das Lahrer Klinikum. Sein Fraktionskollege Markus Schoch bemängelte, dass die Europa-Park-Leitung nicht mit ins Boot genommen wurde. Ewald Scherer (FW) vemisst im Gutachten Kompromisse.

Mit dem Verlust des Krankenhauses Ettenheim schwinden auch Arbeitsplätze, befürchtet er. Günter Erny (ABFR) befürchtet eine Abwanderung von zahlreichen Patienten und Personal nach Freiburg. Die Nähe zur Schweiz sieht Debacher als zusätzliches Problem der Abwanderung. Andreas Link und Christian Fix (beide CDU) befürchten, dass bei Wegfall des Notarztstandortes Ettenheim die Rettungs-Notfallzeiten nicht mehr einzuhalten wären .

"Entscheiden wird der Kreisrat", sagte Gemeinderat und Kreisrat Debacher mit der Sorge, dass der neue Geschäftsführer des Ortenauklinikums, Christian Keller, eher "wirtschaftlich aufgestellt" sei. "Wir müssen in diesem Kampf zusammen arbeiten, Lahr und Ettenheim, sonst haben wir keine Chance", sagte Debacher.

  • Bewertung
    0