Rust Europa-Park spricht über die Brand-Folgen

Engelbert Gabriel Foto: EP

Rust - Engelbert Gabriel ist als Mitglied der Europa-Park-Geschäftsführung unter anderem für Marketing und Vertrieb zuständig. Im Interview blickt er zurück auf den Brand am Samstag, sagt, wie es nun weitergeht und äußert sich zum Befinden der Familie Mack.

 

Herr Gabriel, gibt es mittlerweile Erkenntnisse zur Ursache des Brands?

Nein, noch untersuchen die Sachverständigen das Gelände. Das wird sicher noch ein paar Tage dauern, vorher kann man nichts dazu sagen.

Kann man denn immerhin schon Ursachen ausschließen, Brandstiftung etwa?

Ich persönlich schließe Brandstiftung absolut aus, doch wir warten die Analyse ab.

Angeblich gab es einen lauten Knall, als sich das Feuer ausbreitete.

Ich war zu dieser Zeit persönlich vor Ort. Eine Explosion oder einen Knall, den manche gehört haben wollen, habe ich nicht wahrgenommen. Erst im Laufe des Brands gab es laute Geräusche. Aber die gibt es eben, wenn Gebäudeteile einstürzen.

Wie hoch ist der Schaden?

Das steht noch nicht genau fest. Wir gehen von einem zweistelligen Millionenbetrag aus. Gegen die Brandschäden sind wir in vollem Umfang versichert.

Wie geht es jetzt weiter?

Wenn die Sachverständigen fertig sind, wollen wir die Trümmer in den nächsten Tagen möglichst schnell abräumen. Dann können wir weitere Wege und Attraktionen freigeben, etwa die Koffiekopjes, die drehenden Kaffeetassen, im holländischen Themenbereich.

Konnte man bei der hauptsächlich betroffenen Attraktion, den Piraten in Batavia, noch etwas retten?

Nein, Die Fassaden des holländischen Themenbereichs sind zu großen Teilen noch erhalten, aber dahinter ist leider vieles zerstört.

Viele Parkgäste verbinden mit den Piraten Kindheitserinnerungen. Wird das Fahrgeschäft originalgetreu wieder aufgebaut?

Es ist zu früh, dazu etwas zu sagen. Ich denke, die Themenbereiche Holland und Skandinavien werden ihren Charakter behalten. Die Piraten in Batavia waren eine wunderbare Familien-Attraktion aus den 1980ern. Ich kann mir vorstellen, dass es wieder in eine ähnliche Richtung gehen wird.

Beim Löscheinsatz klagte die Feuerwehr teils über zu wenig verfügbares Löschwasser. Gab es da eine Lücke im Rettungskonzept?

Es gab keine Engpässe bei der Wasserversorgung. Im Konzept ist klar festgelegt, dass wenn alle Hydranten belegt sind, als nächstes die natürlichen Vorkommen im Park, also der Fluss Elz und Teiche, angezapft werden. Das ist passiert, es war immer genug Wasser da, maximal ging es darum, wo man wann welches hernimmt.

Die Lagerhalle brannte komplett aus – gab es dort keine Sprinkleranlage, die den Brand gleich hätte bekämpfen können?

Nein. Die Halle entsprach aber den aktuellsten Brandschutzverordnungen, da sind wir auf der sicheren Seite.

Was war in der Halle?

Unser Fundus, also die Kleidungsstücke, die unsere Mitarbeiter bei Attraktionen oder Shows tragen. Diese zu ersetzen, wird die größte Aufgabe der nächsten Tage. Auch Büros und Veranstaltungstechnik sind verbrannt.

Kommen seit dem Brand weniger Besucher?

Am Sonntag waren 20 000 Menschen im Park, genau so viele, wie wir auch ohne Brand erwartet hätten. Das zeigt, dass unsere Entscheidung zu öffnen, richtig war. Und wir erhalten extrem viel Zuspruch von Gästen, Partnern und anderen Parks.

Warum kam es zur Entscheidung, den Park gleich am nächsten Tag und ohne Rabatt auf den Eintritt wieder zu öffnen?

Weil nur ein kleiner Teil des Parks betroffen ist. Wir haben über 100 Attraktionen, von denen nur ganz wenige eingeschränkt sind oder nicht fahren. Deswegen bieten wir Gästen immer noch das Angebot, das sie von uns erwarten.

Warum ist von der Inhaber-Familie Mack seit dem Brand außer über Twitter kaum etwas zu hören?

Zum einen sind sie emotional sehr getroffen. Für Roland Mack ist ein Teil seines Lebenswerks abgebrannt, an dem wir alle sehr mit dem Herzen hängen. Zum anderen führt die Familie Mack bereits Gespräche und arbeitet an Plänen für die Zukunft des abgebrannten Bereichs. Das geht derzeit vor und nimmt viel Zeit in Anspruch.

Fragen von Dominik Dose

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