Rust Fiktion wird in Rust zur Wirklichkeit

Rust - Der Europa-Park hat mit seiner Attraktion Yullbe eine "Weltneuheit" versprochen – und damit nicht übertrieben. Besucher tauchen in eine andere Welt ab, die absolut überzeugend wirkt. Selbst dann, wenn man Wände hochläuft oder zum Zwerg wird.

Die neue 600 Quadratmeter große Attraktion Yullbe wurde am gestrigen Donnerstag eröffnet. Ab sofort können Besucher dort täglich von 14 bis 22 Uhr virtuelle Abenteuer (VR) erleben. Die LZ hat das getestet und sich auf "Mission: Rulantica" begeben.

Worum geht es bei "Mission Rulantica"?

Die Park-Helden Robbemund und Myra schicken die Besucher auf einen Einsatz zur sagenumwobenen Insel Rulantica, um die Quelle des Lebens zu finden. Dabei müssen Abgründe überquert und Prüfungen überwunden werden.

Wie überzeugend ist Yullbe?

Absolut überzeugend, wer sich mit seiner Ausrüstung ausgestattet auf Mission begibt, nimmt nach wenigen Minuten diese Welt als völlig real an. Selbst Park-Geschäftsführer Michael Mack, der die Attraktion bei der Entwicklung schon unzählige Male genutzt hat, bezeichnet sie gegenüber der LZ als "unglaublich". Auch wenn man während seines Aufenthalts nur ausgewählte Dinge wirklich berühren und bewegen kann, wirkt alles um einen herum wie echt.

Die Redakteurin hatte wirklich Angst zu fallen, als sie mit wackeligen Beinen einen Abgrund überquert hat, sie dachte wirklich, sie würde Aufzug fahren, schweben oder die Wand hochlaufen. Eigentlich tappte sie jedoch mit ihrer Ausrüstung und zwei Gefährtinnen im Zick-Zack-Kurs durch einen nahezu leeren 200 Quadratmeter großen Raum. Zusammen mit einer zweiten Gruppe, von der sie nichts bemerkte.  

Warum ist Yullbe so überzeugend?

Projektmanager Marcus Ernst erklärte, dass dies an drei Komponenten liege. Zum einen daran, dass man sich frei im Raum bewegen könne ("Free Roaming"). Dass das für zwei große Gruppen gleichzeitig möglich sei und insgesamt 32 Personen zeitgleich die Attraktion nutzen können, sei das Maximale, was gerade im Bereich der Virtual Reality machbar sei. "Vor uns hat das in dieser Größenordnung noch niemand geschafft", stellt Ernst klar.

Eine zweite wichtige Komponente ist das "Full Body Tracking", die sogenannte Königsdisziplin in der Virtual Reality. Sechs Sensoren an Kopf, Rippen und an Händen und Füßen sorgen dafür, dass Bewegungen aufgezeichnet und an das System übertragen werden.

Die dritte nicht zu unterschätzende Komponente sei, dass man manche Dinge anfassen kann, wodurch das Szenario ebenfalls an Realität gewinnt. In den 30 Minuten "Mission: Rulantica" erlebt man so viel, dass es einem wie eine Viertelstunde vorkommt.  

Wie groß war der Schritt von "Valerian" in der Euro-Sat zu Yullbe?

Bereits die Technik hinter "Valerian", galt als Weltneuheit: Erstmals war es möglich, sich in einer virtuellen Welt frei im (Warte-) Raum zu bewegen. Bereits damals sei bei Michael Mack die Idee entstanden, so etwas wie Yullbe zu schaffen, meint Marcus Ernst.

Bis es dann so weit war, sollten die kreativen Köpfe von "Mack Next" und "VR Coaster" noch anderthalb Jahre tüfteln: Hilfreich waren dabei die Erfahrungen, die man mit "Valerian" machen konnte. Mit im Boot bei der Entwicklung war unter anderem die Firma Vicon, die mit ihrer Spezialtechnologie für Bewegungen etwa auch an Filmen wie "Herr der Ringe" beteiligt war.  

Wie teuer kam Yullbe den Park?

Der Europa-Park nennt eine Investitionssumme von vier Millionen Euro. Alleine die Ausrüstung mit Rucksack-PC, vier Hand- und Fußtrackern und VR-Helm, mit der sich jeder Besucher auf den Weg macht, kostet pro Set 15 000 Euro.  

Welche Kapazitäten hat Yullbe?

Pro Stunde können 48 Personen die Attraktion nutzen. Das sind bei acht Stunden Öffnungsdauer 384 pro Tag.  

Was macht Yullbe zur Unterhaltung der Zukunft?

Dass es ausbaufähig ist. "Mission: Rulantica" hat Elemente von Computerspielen. Vom 2. Oktober bis Jahresende kommt das Erlebnis der Horrorwelt Traumatica dazu, ab Sommer 2021 ein neues Abenteuer. Aber auch Kunst, Musik oder den Besuch von Museen könnte sich Projektmanager Ernst als Virtual-Reality-Erlebnis vorstellen. "Es soll eine Unterhaltung für die ganze Familie werden, die verschiedene Interessen bedient", erklärt er.  

Warum ist Yullbe kein Teil des Europa-Parks?

Weil Yullbe in Zukunft nicht nur in Rust zu finden sein soll. "Sie können die Attraktion, so wie sie hier steht, bei uns schlüsselfertig kaufen – mit Technik, Soundtrack und allem", erklärt Ernst. Ab Januar 2021 wird die Attraktion in aller Welt vertrieben. Der Kostenpunkt: "Keine vier Millionen, aber eine siebenstellige Summe." Für die gibt es aber auch 56 Komplettsets der Rucksack-PCs und Tracker. Erste Interessenten soll es bereits geben.

Wie kann man Yullbe in Zukunft noch toppen?

"Aktuell muss man sich für ein Yullbe-Abenteuer noch durch eine 200 Quadratmeter hohe Halle bewegen. Die Entwicklung geht dahin, dass man sich nicht mehr von der Stelle bewegt, sondern auf einer Art 360-Grad-Laufband läuft", erklärt Ernst. An einer solchen Umsetzung arbeiten die Entwickler jedoch noch.

Karten

Karten für 30 Minuten "Mission Rulantica" gibt es für 29 Euro pro Person im Internet unter www.yullbe.de. Wer "Yullbe" nutzen will, muss mindestens 14 Jahre und 1,40 Meter groß sein.

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