Rust Europa-Park baut Dach der Superlative

Der erste Holzbinder sitzt: Der 500 Tonnen schwere Kran setzt den 50 Meter langen Holzbinder punktgenau auf die Betonstütze. Er soll einmal das Dach des Wasserparks tragen. Foto: Decoux-Kone

Rust - Neue Bau-Superlative beim Europa-Park: Die künftige Badehalle im Wasserpark "Rulantica" wird mit riesieger Holzkonstruktion überdacht. Nun ist der erste Holzbinder gesetzt worden.

Der Europa-Park ist bekannt dafür, mit immer neuen Superlativen auch bei Bauvorhaben aufzuwarten. Gestern war es wieder mal so weit. Für die im Entstehen begriffene Wasserwelt "Rulantica" am Ostrand von Rust wurde begonnen, die Überdachung einer Halle mit einer riesigen Holzkonstruktion nach und nach in die Höhe zu hieven.

 > Riesiges Dach: Nachdem die Rohbauten des künftigen Hotelkomplexes schon stehen (wir berichteten), ging es jetzt mit der fächerförmigen Badehalle weiter, in der sich später gewohnt zahlreiche Attraktionen finden werden. Die muss, bevor innen Betonarbeiten stattfinden können, zuvor überdacht werden. Das geschieht nun mit einer schweren Fachwerk-Konstruktion aus Holzbindern. Pünktlich um 10.30 Uhr wurde gestern für die Presse das erste 50 Meter lange Teilstück auf die längst gegossenen Beton-Tragesäulen platziert, mit 55 Tonnen so gewichtig wie vergleichsweise 39 VW-Passats.

 > Millimeterarbeit: Am Spezialkran, steuerte Kranführer Christian Spreuer gelassen mit dem Joystick die erste schwere Teil- Konstruktion in die richtige Position, unterstützt von nur vier Mitarbeitern am Boden und auf hohen Hubwagen an den entscheidenden Beton-Auflagestellen. Dabei ging es um sprichwörtliche Millimeterarbeit, bis das erste Bauteil dann nach einigen Korrekturen richtig saß. Später wurde ein zweites Teilstück mit noch 37 Metern Länge und 38 Tonnen Gewicht quasi als Verlängerung in 14 Metern Höhe daran angesetzt.

 > Starke Winde: Nach dem gestrigen Sonnenaufgang hatten Thomas Renner-Boh, beim Europa-Park Projektleiter des Vorhabens, und Wolfgang Müll, Projektleiter der ausführenden Kehler Firma noch heftig die Stirn gerunzelt: Wegen starker Winde erwogen sie eine kurzfristige "Vertagung" der Arbeiten. Doch dann erledigte sich das mit einsetzendem Regen, der störte die Spezial-Bauarbeiter überhaupt nicht.

 > Holzbinder: Brettschichthölzer, wie Holz- binder korrekt heißen, sind aus Brettern zusammengeleimt, bis hin zu sehr dicken Balken. Das hat enorme Vorteile: Im Gegensatz zu kompaktem Stamm- Holzmaterial etwa mit Astlöchern verzieht es sich kaum, die Rissbildung ist viel geringer. Das hat auch eine höhere Tragfähigkeit zur Folge.

>  Ansprechende Optik: Auf die Optik dieser sichtbaren tragfähigen Teile hatte die den Europa-Park betreibende Familie großen Wert gelegt, wie vor Ort Roland und Michael Mack versicherten. Man wolle, wo immer es geht, mit umweltfreundlichen und robusten Baustoffen arbeiten – eben auch mit Holz, in diesem Fall ist es deutsche Fichte. Zumindest in Baden-Württemberg ist das Badehallendach eine Premiere, so der Amann-Projektleiter: Man habe trotz mancher Herausforderungen etwa bei Flughallen noch nie eine so große und schwere Dachkonstruktion realisiert.

 > Vorbereitungen im Werk: Für die Firma Amann war das Rulantica-Dachgerüst beim Europa-Park trotz vieler Großprojekte eine neue Herausforderung gewesen, mit Vorplanungen, statischen Berechnungen bis hin zu späterer Platzierung des Kranes an verschiedenen Stellen der Baustelle. Sechs Wochen lang wurden Einzelteile im Kehler Werk vorproduziert und oberflächenbehandelt, nach und nach vor Ort in Rust unter freiem Himmel mit moderner Zimmermannstechnik zusammengefügt. Ein vorab zusammengebautes Teil hätte nämlich mit einer Höhe von fünf Metern unter keine Autobahnbrücke mehr gepasst. In der für Wartungen begehbaren Dach-Holzkonstruktion verbergen sich für künftige Badegäste unsichtbar auch Lüftungskanäle, Strom-, Wasser-, EDV- und Medialeitungen.

>  Es geht zügig weiter: Schon bis zum Wochenende sollen sämtliche fünf zweiteiligen Holzträger auf ihren Stützen ruhen, extra und miteinander verankert, rostfrei verschraubt. Anschließend wird auf der fünfteiligen Fächerkonstruktion ein Außendach zur Abdeckung befestigt, mit Holzplatten, Dampfsperren, Folien und Isolierschichten samt einiger verglaster Oberlichter. Für das Hauptlicht wird künftig eine komplette Glasfassade quasi an der Muschelöffnungs-Seite des riesigen "Schwimmbades" sorgen.

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