Rust "Ein Wegbereiter und Gestalter geht in den Ruhestand"

Zum Abschied gab es vom Kollegium, den Mitarbeitern der Schule und von Bürgermeister Kai-Achim Klare ein neues T-Shirt sowie eine Ruhebank für den Garten. Foto: Mutz Foto: Lahrer Zeitung

Rust. "Es blitt vu jedem ebbis do – aü vu dir!" Dieses Zitat von Karl-Heinz Debacher auf dem Programm anlässlich seiner Verabschiedung aus dem Schuldienst zog sich am Freitag in der Ruster Rheingießenhalle wie ein roter Faden durch den Festakt. Mehr als 100 geladene Gäste, Weggefährten seines vielfältigen Schaffens in Schule, Politik und Gesellschaft, zollten Debacher Lob und Anerkennung. "Geh Deinen Weg mit Zuversicht", sang der Schulchor zur Begrüßung auf der Bühne unter der Leitung von Daniela Kindilide, eigens von Konrektor Christian Moser getextet und komponiert. Die kollegiale Herzlichkeit und das Gespräch auf Augenhöhe seien ein Markenzeichen des Rektors auf unterschiedlichen Wegen gewesen, mal geteert, mal gepflastert, mal auch matschig.

 

Schulamtsdirektorin Gabriele Weinrich hatte die Personalakte Debacher unter die Lupe genommen und den Werdegang nachgezeichnet (siehe. Info). In Erinnerung an die politische Ausrichtung des zu Ehrenden habe sie kurzfristig vom edlen schwarzen zum knallroten Kleid gewechselt. SPD-Mann Debacher, 63, trug selbstredend einen roten Schlips und rote Schuhe.

Immer habe sich Debacher seiner heimatlichen Wurzeln erinnert und als Autor, Gedichteschreiber und Museumspädagoge seiner dennoch offenen Haltung Ausdruck verliehen. Die regionale Geschichte habe Debacher sehr am Herzen gelegen, für seine Doktorarbeit habe er fünf Jahre Kraft aufgewendet. Umwelt und Natur seien für Debacher wichtige pädagogische Ansätze gewesen. "Ein Wegbereiter und Gestalter geht in den Ruhestand", sagte Weinrich.

"Ich habe leider keinen roten Anzug und kann auch nicht Ruaschderisch", begann Bürgermeister Kai-Achim Klare seine Rede und sprach es zum Vergnügen der Besucher dann doch. Debacher habe der Schule seine Handschrift verliehen. Verbindlichkeit, starker Gestaltungswille und Pragmatismus seien prägende Vorzüge Debachers gewesen. Neue pädagogische Konzepte wie die Bildungspartnerschaft mit Firmen, mit dem Naturzentrum Rust oder die Beziehungen zur französischen Partnergemeinde Marlenheim hätten die Schulentwicklung nachhaltig beeinflusst. Mit unerschütterlichem Optimismus habe er die Gemeinschaftsschule mit auf den Weg gebracht.

Das Werben des GEW-Vorsitzenden Horst Kosmalla angesichts des Lehrermangels als Pensionär wieder einzusteigen, führte nicht zum Erfolg. Seine Rede war kurz, dafür gab es eine amüsante Videoeinspielung mit geschnittenen Text- und Liedpassagen von Udo Lindenberg. Im Namen des Elternbeirats überbrachte Daniel Kalt Dankesworte. Für die Seelsorgeeinheit Rust dankten Antonia Hugenschmidt und Jeremia Kraus.

Mit einem selbst gedrehten Video des Lehrerkollegiums ging es mit der Schlagermelodie "Eine Reise ins Glück" auf die Suche nach "einem großen Mann" in Rust. Schlussendlich in der Schule angekommen, verriet die Schulsekretärin das Lieblingsvesper Debachers: "Rippli, Senf und Gurke".

Wer wird sein Nachfolger?

Stolz sei er auf alle, die mit ihm zusammengearbeitet hätten, so Debacher in seiner Rede. Zu Konrektor Christian Moser sei eine starke freundschaftliche Beziehung gewachsen. Die Zusammenarbeit mit Maria Gut, Leiterin der Außenstelle in Grafenhausen, sei von Vertrauen und Offenheit geprägt gewesen. Dank galt auch Ehefrau Elke, die ihn mit ihren Kenntnissen im Personalbereich unterstützt habe.

Und wer wird Debachers Nachfolger? Da stieß man auf eine Mauer des Schweigens, selbst die Leitende Schulamtsdirektorin Weinrich zierte sich, weil noch nichts entschieden sei. Klar ist: Konrektor Christian Moser hat sich beworben und er dürfte nach Lage der Dinge als profunder Kenner der Schule mit einem Rucksack voller Empfehlungen aus Rust einen gewissen Heimvorteil haben.

Karl-Heinz Debacher wurde am 2. Juni 1955 in Rust geboren und wuchs bei den Großeltern auf. Von der Grundschule in seinem Heimatort ging es ans Städtische Gymnasium und an die Heimschule in Ettenheim, wo er seine Studienreife erlangte. Dem Studium an der Pädagogischen Hochschule Freiburg folgte die Anstellung in den Schuldienst im August 1984. Nach ersten Erfahrungen an der Grund- und Hauptschule Kippenheim verschlug es Debacher in das schwäbische Leonberg/Höfingen (Schulamtsdirektorin Weinrich dazu: "Ein waschechter, bekennender Badener erweitert die Sprachkompetenz in Württemberg"). Bereits 1988 kehrte Debacher ins Badnerland, genauer an die Theodor-Heuss-Schule nach Lahr, zurück. Mit der erfolgreichen Bewerbung als Schulleiter in Rust im Jahr 2002 ging für Debacher ein großer Wunsch in Erfüllung. Am Ende sollte er dort 16 Jahre als Rektor tätig gewesen sein.

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