Rust Diskussion: Michael Mack polarisiert im Internet

Rust - In der Debatte, wann und wie der Europa-Park öffnet, hat sich Juniorchef Michael Mack im Internet Kritik eingehandelt. Für viele stellt sich die Frage, wie groß das Verständnis des Unternehmens ist, seine Tore wegen Corona geschlossen zu halten.

Zweimal musste der Europa-Park den Beginn seiner Sommersaison verschieben. Der ursprünglich avisierte Eröffnungstermin am 28. März konnte ebenso wenig gehalten werden wie das zweite Startdatum, der 20. April. Seitdem fragen sich nicht nur Achterbahnfans, wann sie sich in Rust endlich wieder die Extraportion Adrenalin holen dürfen. Denn am Europa-Park hängen viele Branchen einer ganzen Region. Von Anbietern von Ferienwohnungen über Gastronomiebetriebe bis zu Handwerkern und Dienstleistern – die Zahl derer, die den Park lieber heute als morgen offen sehen würden, ist riesig. Von den 2000 Angestellten in Kurzarbeit ganz abgesehen.

Politik und Wirtschaft:

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) schenkte vor ein paar Tagen ein wenig Hoffnung, als er angesichts stagnierender Infektionszahlen im Land den 4. Mai als möglicher Neustart für Gaststätten, Hotels, Parks und Ausflugszielen ins Spiel brachte, wenn auch "zunächst mit reduzierten Kapazitäten". Ein Szenario, das sich Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare grundsätzlich auch für den Europa-Park vorstellen könnte, wie er Anfang vergangener Woche gegenüber der LZ erklärte: Eine "Teilöffnung mit begrenzten Besucherzahlen" hält das Gemeindeoberhaupt für denkbar. Der Chef der Wirtschaftsregion Ortenau (WRO), Dominik Fehringer, pflichtete ein paar Tage später bei: Es müsse zeitnah ein Konzept zur schrittweisen Öffnung des Europa-Parks entwickelt werden.

Offizielle Haltung

Beim Park selbst zeigte man sich bislang zurückhaltend. Die Geschäftsführung ließ auf LZ-Nachfrage zuletzt erklären, dass "eine seriöse Prognose, wann der Europa-Park wieder öffnen kann, derzeit nicht abgegeben werden" könne. Man sei bereit für den Tag X, Konzepte zu Hygienemaßnahmen und zur Abstandsregelung lägen längst vor. Natürlich hegt man im Park die Hoffnung, bald wieder Besucher zu empfangen. Forderungen oder gar Kritik am staatlichen Handeln waren aus Rust indes bislang nicht zu vernehmen. Den Verantwortlichen war es in den vergangenen Tagen und Wochen stets wichtig zu betonen, dass der Park in "engem Kontakt mit Behörden, der Politik und Experten" stehe. "Wir ­handeln beziehungsweise planen in Übereinstimmung mit den staatlichen Maßnahmen", heißt es aus der Pressestelle. Der offizielle Tenor: Die Gesundheit von Gästen und Besuchern steht über allem.

Der Post

Nun jedoch hat Park-Chef Michael Mack weniger moderate Töne angeschlagen – oder besser: anschlagen lassen. Beim Onlinedienst Twitter (siehe Info) teilte er gleich zweimal innerhalb von vier Tagen einen Meinungsbeitrag des "Handelsblatt". Überschrift: "Ein Virus namens Hysterie". Der Autor des Stücks macht keinen Hehl daraus, was er vom derzeitigen Krisenmanagement von Bund und Ländern hält: nichts.

Der Artikel

"Wirkungsvoller als das Coronavirus bekämpfen wir gerade die gesamte Weltwirtschaft", schreibt der Autor. Weniger die Krankheit, sondern vor allem die Reaktionen darauf zerstörten Firmen, Jobs und Existenzen. Obwohl man kaum etwas über das Virus wisse, so die Kritik, herrsche in Deutschland "Aktionismus" und "vielerorts Chaos". Zwar seien Risikogruppen – "sofern die das überhaupt wünschen" – zu schützen, meint der Journalist. Doch nach den 25 000 Menschen, die 2017/18 an "normaler Grippe" gestorben seien, hätte sich das Land auch keinen Stillstand verordnet. "Wirtschaft ist nicht alles, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts", untermauert der Kommentator seine Forderung nach einer Aufhebung der Einschränkungen, um mit der Hoffnung zu schließen, dass die Kinder von heute nicht irgendwann sagten: "2020 war das Jahr, in dem unsere Eltern in einer selbst inszenierten Massenpanik unsere Zukunft zerstört haben."

Die Reaktionen

Michael Mack hat den "Handelsblatt"-Artikel kommentarlos gepostet (zweimal innerhalb von vier Tagen), woraus die Internet-Nutzer stillschweigende Zustimmung ablesen. Die Bandbreite der Reaktionen auf Macks Twitter-Kanal ist groß. Es gibt vereinzelt Zustimmung, vor allem aber Kritik am Bericht – und damit auch am Europa-Park-Chef. So antwortet ein Nutzer in Anlehnung an die Überschrift des "Handelsblatts": "Ein Virus namens Kapitalismus", ein anderer: "Hysterie tötet selten so viele Menschen". Eine Kommentator folgert aus dem Post: "Jetzt kennen wir die Meinung und Haltung von einem Teil der Geschäftsführung. Gut, dass es noch andere Freizeitparks gibt." Ähnlich: "In der Krise beweist sich der Charakter." Einige raten Mack, seinen Beitrag wieder zu löschen, denn das sei kein "Europa-Park-Stil". Aus dem Shitstorm ragen wenige positive Wortmeldungen heraus: "Das sind auch meine Gedanken." Oder: "Freizeiterlebnisse (mit Schutzvorkehrungen) sind wichtig für die Gesundheit und die Wirtschaft." Ein Nutzer ruft indes zur Zurückhaltung auf: "Man muss andere Meinungen nicht herabsetzen, nur weil man selbst anders denkt. Nur mal so zum Nachdenken und Selbstreflektieren."

Stellungnahme im Netz

Eine Stellungnahme des Europa-Parks gab es am Montag auf LZ-Nachfrage nicht. Dafür äußerte sich Michael Mack am Nachmittag via Twitter. "Ich halte es für wichtig, dass gerade in Krisenzeiten unterschiedliche Meinungen diskutiert werden. Maßnahmen, Entwicklungen und Erkenntnisse sollten kontinuierlich hinterfragt werden, um gleichermaßen unsere Gesundheit, die Wirtschaft und den Rechtsstaat zu berücksichtigen", schrieb er. Zuvor hatte der Park-Chef einen weiteren Artikel gepostet, mit Aussagen von Wolfgang Schäuble. Der Bundestagspräsident hatte gegenüber dem "Tagesspiegel" vor einer Überforderung des Staats durch die Corona-Maßnahmen gewarnt und erklärt, dass alle irgendwann sterben müssten.