Rust Gericht: Bahnen werden behindertengerecht

Weil er nicht in der Schweizer Bobbahn mitfahren durfte, klagte ein Contergan-Opfer – und schloss nun nach vier Jahren einen Vergleich mit dem Europa-Park. Foto: Symbolfoto: EP

Rust - Der Europa-Park hat angekündigt, für behinderte Menschen nachzurüsten. Der Anlass ist ein Rechtsstreit: Der Achterbahn-Fan Andreas Brand fühlte sich vom Park auf Grund seiner Behinderung diskriminiert – und setzte sich zur Wehr.

Nach einer vier Jahre lange währenden juristischen Auseinandersetzung vor dem Ettenheimer Amtsgericht haben sich der Europa-Park und Andreas Brand auf einen Vergleich geeinigt. Das berichten die Stuttgarter Nachrichten.

Demnach wurde verfügt, dass das Contergan-Opfer Brand ein Fahrgeschäft entweder grundsätzlich fahren darf oder es mit einem Zusatzgurt für ihn nachgerüstet werden muss. Von den 20 Attraktionen, die Brand einst nicht hat fahren dürfen, könne er künftig 17 nutzen. Bis spätestens Pfingsten 2021 hat der Europa-Park Zeit diese Fahrgeschäfte umzurüsten.

Im Jahr 2014 war Brand der aus dem Rems-Murr-Kreis stammt mit seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern im Europa-Park. Als er sich gerade in die Schweizer Bobbahn gesetzt hatte, forderte ihn das Personal auf, die Bahn wieder zu verlassen – aus Sicherheitsgründen, so der Zeitungsbericht weiter.

Das Problem: Der 1962 geborene Brand hat aufgrund einer schon im Mutterleib erlittenen Schädigung durch das Arzneimittel Contergan stark verkürzte Arme. Aus Sicht Parks könne er sich in der Achterbahn nicht festhalten und stabilisieren. Anschließend soll Brand eine Liste mit 20 Attraktionen ausgehändigt worden sein, die er nicht nutzen dürfe. Brand nahm sich einen Anwalt und klagte gegen den Europa-Park.

Im Gerichtsverfahren sei es in der Hauptsache um die Frage gegangen, ob Brand sich oder andere bei der Benutzung einer Achterbahn in Gefahr bringe. Etwa bei einem Feuer und einer Evakuierung. Laut dem Bericht brachte ein technischer Gutachter den Durchbruch, indem er das Nachrüsten mit einem gesonderten Gurt oder einem Extra-Bügel ins Spiel brachte.

In Rust betrachtet man den Vergleich nicht als Niederlage, wie Volker Klaiber, in der Geschäftsleitung des Europa-Parks für die Bereiche Operation und Service, auf Nachfrage erklärte. Man denke "mehr denn je über Inklusion nach und wolle bei dem Thema auch eine Vorreiterrolle einnehmen". Das man für Behinderte nachrüsten müsse sei schon länger bekannt. Die Stuttgarter Nachrichten zitieren Klaiber wie folgt: "Der Fall brand war jetzt quasi das Zünglein an der Waage, der Turbolader, um Behinderten im Europa-Park künftig ganz andere Bedingungen zu bieten."

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