Rust 1226 Rauschgift-Delikte in Rust

Der Ruster Polizeiposten hat im ersten Jahr seines Bestehens mächtig viel Arbeit gehabt. Der Grund: natürlich der Europa-Park. Unter den 5,6 Millionen Besuchern im Jahr sind nicht nur Achterbahnfans, sondern auch einige schwarze Schafe.

Rust. "Wir haben hier keine Insel der Glückseligkeit, aber die Ruster können sich sicher fühlen", fasste Postenleiter Martin Baumann, der am Dienstag mit Joachim Ohnemus vom Lahrer Revier im Bürgersaal die Ruster Kriminalitätsstatistik vorstellte, die Situation im Ort zusammen. Die 4200-Seelen-Gemeinde, die täglich im Schnitt rund 30 000 Park-Besucher bevölkern, sei aus Polizeisicht "mit einer mittelgroßen Kleinstadt zu vergleichen – und dafür sieht es bei uns gut aus." Falscher Bombenalarm: Diese Jahresbilanz stand im Herbst für einen kurzen Moment auf wackligen Beinen. Damals schreckte ein Bombenalarm die Ruster Beamten auf. Wie sich glücklicherweise herausstellte, war es eine absichtliche Fehlmeldung, der mutmaßliche "Wichtigtuer" (Ohnemus) ist mittlerweile identifiziert (siehe unten stehenden Bericht).

Hohe Zahl an Straftaten: Exakt 1528 Straftaten wurden 2018 in Rust gezählt, 1387 stehen in direkter Verbindung mit dem Europa-Park. "Etwa 80 Prozent kommen bei den Einlasskontrollen durch den Sicherheitsdienst zutage", berichtete Ohnemus. Der Europa-Park habe "den Kontrolldruck vergangenes Jahr deutlich erhöht". Dieser Tatsache sei auch die "bundesweit einzigartige Aufklärungsquote" von 92,7 Prozent in Rust geschuldet. Den Beamten werden täglich zehn bis 20 Täter quasi auf dem Silbertablett präsentiert. Dafür bearbeiteten die acht Polizisten aber auch mehr Fälle als andernorts ganze Reviere. Baumann: "Meine Truppe leistet Großartiges."

Vor allem Rauschgift-Delikte: Was die Security-Mitarbeiter in den Rucksäcken und Taschen der Park-Besucher finden, reicht vom Pfefferspray bis zur Schusswaffe, sind aber vor allem Drogen. Anscheinend reicht der Adrenalinkick, den die Park-Attraktionen geben, längst nicht mehr allen: In 1226 Rauschgift-Delikten haben die Ruster Beamten 2018 ermittelt. Ohnemus: "Eine exorbitante Zahl, die auch zeigt, wie hoch die Dunkelziffer bisher war." Zum Vergleich: 2017 wurden in Rust insgesamt 553 Straftaten notiert. Brave Deutsche: Von den 1348 Tatverdächtigen, die den Polizisten rund um den Park ins Netz gegangen sind, waren 508 Franzosen. Viel, wenn man bedenkt, dass von den 5,6 Millionen Besuchern "nur" rund 1,1 Millionen von der anderen Rheinseite kommen. Die Deutschen waren indes recht brav: 323 fielen negativ auf, dazu 353 Schweizer.

Weniger Einbrüche: Insgesamt 43 Körperverletzungen wurden 2018 in Rust zur Anzeige gebracht. Viele davon während des Park-Oktoberfests und der Traumatica, "wo auch mal Alkohol fließt", so Baumann. Erfreulich: "Das Ruster Straßenfest verlief unauffällig." Und: Es gab keinen einzigen Raub. Auch die Zahl der Diebstähle ist rückläufig. In diesem Fall wirken Polizei- und Security-Präsenz offensichtlich präventiv. Was das vor allem das Sicherheitsgefühl der Ruster erhöhen dürfte: Es gab 2018 nur vier Wohnungseinbrüche (2017: elf). "Da hebt sich Rust vom Rest der Region ganz klar ab."

Falschgeld im Umlauf : Indes stieg die Zahl der Vermögens-, Fälschungs- und Betrugsdelikte auf insgesamt 79. Eine Tendenz, "die sich wohl fortsetzen wird", prophezeit Baumann; nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Neueröffnungen von Wasserpak und sechstem Park-Hotel. Das Problem: Falschgeld wird in Gaststätten und Hotels unter die Leute gebracht und erst an der Hauptkasse bemerkt. "Da haben wir dann keine Chance, die Täter zu greifen", sagte Baumann. Kurios: Viermal ermittelten die Ruster Beamten wegen Erschleichens von Leistungen – als Menschen sich den Eintritt sparen wollten und versuchten, über den Zaun oder durch die Elz in den Park zu gelangen. Zufriedener Bürgermeister: Rusts Rathauschef Kai-Achim Klare dankte Baumann und seinem Team "für die hervorragende Arbeit und die tolle Zusammenarbeit mit der Gemeinde". Klare weiß, dass Rust auch in Sachen Kriminalität nicht mit Gemeinden derselben Größenordnung vergleichbar ist: "Wir bauen ja auch eine Kanalisation nicht für 4000 sondern für 40 000 Menschen." Bekanntlich soll noch in diesem Jahr der Neubau des Polizeipostens beginnen. Ab dort, prognostiziert Klare, dürfte es noch anderthalb Jahre dauern, bis die Polizisten ihre provisorische Bleibe im Alten Rathaus räumen können.

Zusammenarbeit mit Gendarmerie:  Verbunden mit dem Neubau ist der Wunsch an die Landesregierung nach mehr Beamten. Statt acht könnten es künftig 15 sein, die in Rust für Recht und Ordnung sorgen, wie bereits aus Stuttgart in Aussicht gestellt wurde. Weitergeht definitiv die Zusammenarbeit mit der französischen Gendarmerie. Laut Baumann sind seit dem Start der Sommersaison im Europa-Park zwei Beamte aus Frankreich in Rust mit auf Streife. Sie bleiben bis Mitte Mai. In den französischen Sommerferien soll es für weitere acht Wochen Unterstützung aus dem Nachbarland geben.

Joachim Ohnemus ist nicht mehr Leiter des Ettenheimer Polizeipostens. Der Erste Polizeihauptkommissar hat zum 1. April ans Lahrer Revier gewechselt und ist dort Leiter der Führungsgruppe sowie Stellvertreter von Revierchef Felix Neulinger. Das gab Ohnemus am Rande des Pressegesprächs zur Ruster Kriminalitätsstatistik bekannt. Eine durchaus überraschende Personalie, hatte der 57-jährige Kuhbacher doch erst im Februar 2016 sein Amt in Ettenheim angetreten. Er habe sich auf die frei gewordene Stelle in Lahr beworben, so Ohnemus gegenüber der LZ. Die Postenleitung in Ettenheim werde nun ausgeschrieben. Bis die Stelle besetzt sei, übernehme sein bisheriger Stellvertreter Michael Breinich kommissarisch die Leitung.

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