Russenfeindliches Motiv? Anschlag auf Lahrer Tanzschule

Felix Bender

Ein Tanzstudio in Mietersheim ist Ziel eines mutmaßlich russenfeindlichen Angriffs geworden. Die Inhaber und die Lahrer Landsmannschaft zeigen sich bestürzt, die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen, der OB will sich zeitnah äußern.

Lahr - Kiril und Julia Maslow sind aktuell dabei, ein Ladenlokal in der Mietersheimer Hauptstraße – einst eine Schlecker-Filiale – zu einem Tanzstudio umzubauen. Am Wochenende mussten sie dabei einen heftigen Schock verdauen. "Als ich am Samstagmorgen an das Haus kam, sah ich, dass ein Fenster beschmiert worden war", berichtet Kiril Maslow im Gespräch mit unserer Redaktion. Absplitterungen deuteten zudem darauf hin, dass jemand versucht hatte, die Scheibe einzuschlagen, was wohl aufgrund der Dicke des Glases nicht gelungen sei.

"Das war eindeutig ein russenfeindlicher Angriff", sagt Maslow. SHUK stand auf dem Fenster, die deutsche Transkription des ukrainischen Rufs "Slawa Ukrajini". Der Slogan, der so viel bedeutet wie "Ruhm der Ukraine", wird derzeit europaweit genutzt, um die Solidarität mit dem Land und den Kriegsopfern zu bekunden.

Anzeige bei Polizei

Die Maslows, die beide in den 1990er-Jahren als Spätaussiedler nach Deutschland kamen, haben den Vorfall bei der Polizei angezeigt. Wie Sprecher Ansgar Gernsbeck am Montag auf Anfrage mitteilte, werde wegen "Sachbeschädigung an einer Außenwand" ermittelt – und zwar in alle Richtungen: "Ob eine politisch motivierte Tat vorliegt, wird geprüft." Der Schaden liege bei rund 500 Euro.

Kiril Maslow glaubt derweil zu wissen, warum er und seine Frau attackiert wurden: "Am selben Tag hatten wir uns über unseren Whatsapp-Status öffentlich zum Krieg geäußert." Seine Frau habe in einer Stellungnahme darum gebeten, Anfeindungen gegen Menschen mit russischer Herkunft zu unterlassen, er habe ein Video zu den Geschehnissen in der Ukraine geteilt. "Ich habe sowohl Verwandte in Russland als auch in der Ukraine, ich weiß, was dort passiert und bin ganz und gar gegen den Krieg."

Bürgermeister kündigt Stellungnahme an

Unabhängig von diesem Fall, aber nicht zuletzt mit Blick auf die Vielzahl von Lahrern, die Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion haben, kündigte Oberbürgermeister Markus Ibert am Montag "zeitnah eine ausführliche Stellungnahme" an. Es dürfe nicht sein, dass der Krieg in der Ukraine das Zusammenleben in der Stadt beeinträchtige. Hetze oder gar Gewalt seien nicht zu tolerieren, gegen keine Bevölkerungsgruppe.

Olesja Romme von der Lahrer Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hatte erst am Montag im Interview mit unserer Redaktion für ein friedliches Miteinander geworben. Sie zeigte sich betroffen ob der Vorkommnisse: "Bisher blieb es zumeist bei verbalen Übergriffen, jetzt gibt es Sachbeschädigungen und Hassparolen – eine traurige Entwicklung, die hoffentlich bald gestoppt werden kann."

Die Maslows wollen sich von dem Vorfall nicht schrecken lassen. "Wir freuen uns auf die Eröffnung unseres Tanzstudios und werden sie wie geplant am 26. März feiern", sagt Kiril Maslow. Um weitere unschöne Überraschungen zu verhindern, beziehungsweise mögliche Täter zu überführen, will er nun Kameras rund um das Gebäude installieren. "Ich hoffe natürlich, dass wir sie nicht brauchen werden."

Info - Bundesweites Phänomen

Seit Beginn des Ukraine-Kriegs kommt es bundesweit zu Anfeindungen gegen Menschen mit russischen Wurzeln. Sie reichen von Abweisungen in Restaurants bis zu tätlichen Angriffen. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte Ende vergangener Woche vor solchen Reaktionen gewarnt: "Der entsetzliche Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Putins Krieg. Es ist nicht der Krieg der Menschen mit russischen Wurzeln, die in Deutschland leben."

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