Rückblick auf Eingemeindung Kippenheim und Mahlberg hätten sich einst beinahe vereint

Jonas Köhler

Seit 50 Jahren gehen Kippenheim und Schmieheim gemeinsame Wege. Die Eingemeindung war für beide Seiten eine Bereicherung, bilanziert Bürgermeister Matthias Gutbrod. Bei der Reform war jedoch auch eine Fusion mit Mahlberg im Gespräch.

Kippenheim - "Es gibt natürlich auch mal Reibereien, aber wichtig ist, dass man sich hinterher wieder versteht" – Kippenheims Rathauschef Matthias Gutbrod sieht eine grundlegend gute Zusammenarbeit zwischen Kippenheim und Schmieheim. Sie sei "harmonisch, offen, ehrlich", erklärt der Bürgermeister und bestätigt damit die Aussagen von Schmieheims Ortsvorsteher Michael Hartmann (wir berichteten). Sowohl im Gemeinderat als auch zwischen den Verwaltungen würden immer wieder gute Kompromisse getroffen. Gutbrod freut sich auch darüber, dass die Gemeinderäte – ob aus Schmieheim oder Kippenheim kommend – auch die Gesamtgemeinde im Blick haben.

Der Name "Neustein" war im Gespräch

Diese hätte nach der Kommunalreform 1972 durchaus auch aus vier Orten bestehen können und könnte heute unter ganz anderem Namen bekannt sein. "Es gab ernsthafte Überlegungen, etwas mit Mahlberg zu machen", schildert Gutbrod. Im Gespräch mit unserer Redaktion erinnert sich Ulrich Hehr, Mahlbergs Bürgermeister von 1970 von 1994, an die Verhandlungen von damals. "Die Geschichte wäre interessant gewesen", sagt Hehr. Ein "Konglomerat" aus Kippenheim, Mahlberg, Schmieheim und Orschweier hätte eine starke Kraft zwischen den Städten Lahr und Ettenheim werden können.

Bereits 1969 wurde eine Verwaltungsgemeinschaft für die Finanzen von Kippenheim und Mahlberg auf den Weg gebracht, erzählt Hehr. Er selbst wurde damals Leiter der Verwaltungsgemeinschaft. Parallel dazu liefen Pläne der beiden Gemeinderäte, eine gemeinsame Bürgermeisterei einzuführen. Dies sollte im Jahr 1970 geschehen, dafür wurden sogar die Amtszeiten der beiden Bürgermeister, die jeweils 1969 geendet wären, um ein Jahr verlängert. "Im Juli 1970 gab es eine Bürgeranhörung", schildert Hehr den Ablauf. Bei dieser hätte jedoch nur knapp die Hälfte der Mahlberger dafür gestimmt, in Kippenheim sogar noch weniger. "Damit war das Thema eigentlich erledigt", so Hehr. Beide Kommunen wählten einen eigenen Bürgermeister.

Als es im Zuge der Reform hieß, dass neue Gemeinden mindestens 5000 Einwohner haben sollten, wurde eine mögliche Fusion wieder aufgegriffen. Im Mahlberger Rathaus und auch im Gemeinderat gab es weiterhin viele Stimmen, die dies umsetzen wollten. In Mahlberg sei sogar bereits eine Broschüre erstellt worden, wie die künftige Zusammenarbeit aussehen könnte, berichtet Hehr. Thema war unter anderem eine gemeinsame Schule sowie ein gemeinsames Baugebiet südlich von Kippenheim auf der Westseite der B 3 im Gewann Neustein. Der Name "Neustein" stand auch als mögliche neue Bezeichnung für die Gesamtgemeinde zur Auswahl, wurde jedoch im Mahlberger Rathaus abgelehnt, weil viele Orte bereits Neustein hießen, erklärt Hehr. Für einen möglichen anderen Namen habe Hehr daraufhin das Landesarchiv angeschrieben, das in die Historie schauen sollte. Sehr zum Missfallen der Kippenheimer lautete dieser Vorschlag "Mahlberg".

Eine weitere Hürde für die Fusion sei gewesen, dass Kippenheim unbedingt in eine Verwaltungsgemeinschaft mit Lahr wollte. Dies hätten jedoch vor allem die Orschweierer abgelehnt, die unter diesen Umständen den Zusammenschluss mit Mahlberg abgelehnt hätten. Weitere Vorbehalte gab es auf Kippenheimer Seite. Die Gemeinde hatte damals nämlich vor allem durch die Firma Fiat, die 1971 auf dem heutigen Mosolf-Gelände den zentralen Umschlagplatz für ihre Fahrzeuge gegründet hatte, deutlich höhere Gewerbesteuereinnahmen als Mahlberg. "Die wollen doch nur unser Geld", hieß es damals laut Hehr von einigen Kippenheimern. So fiel die Entscheidung, zwischen Kippenheim und Mahlberg eine "Trennlinie zu ziehen".

Auch in Kippenheimweiler gab es zaghafte Überlegungen, mit Kippenheim zusammenzugehen. Im Jahr 1805 wurde der heutige Stadtteil Lahrs selbstständig, bis dahin gehörte man als "Weiler" zu Kippenheim. Wie sehr man in Kippenheim die Eingemeindung der Wylerter wollte, vermag Gutbrod nicht zu beurteilen. Schnell sei jedoch klar gewesen, dass sich die Wylerter lieber in Richtung Lahr orientierten. Die größere Stadt brachte dem Ort schlicht mehr Vorteile, auch wegen der stärkeren Finanzkraft.

So blieb es bei zwei Orten, aus denen die Gesamtgemeinde Kippenheim heute besteht. Für Gutbrod ist das auch kein Beinbruch, denn "Schmieheim kann sich wirklich sehen lassen", betont er. Die Gemeinde habe sich in den vergangenen Jahren immer dafür eingesetzt, dass auch in Schmieheim große Themen umgesetzt werden. Allen voran die Sanierung des Schlossgartens und des Schlosses, ein Thema, das in Schmieheim schon lange geköchelt habe. Darüber hinaus konnten Baugebiete und Gewerbegebiete in Schmieheim geplant werden.

Frotzeleien wird es immer geben

"Jeder hat etwas in den Topf eingebracht", berichtet Gutbrod. Kippenheim sei zwar schon immer gewerbestark gewesen, doch ein Schmieheimer Unternehmen wie die Firma Hiller war natürlich gerne gesehen. Wie beide Orte von der Zusammenarbeit profitieren, werde vor allem an einem Projekt deutlich: der Verlegung der Wasserleitung von Kippenheim nach Schmieheim. Die Versorgung in Schmieheim verlief mehr als 100 Jahre über einen eigenen Tiefbrunnen. Bei Defekten hätte es keine Alternative gegeben, erklärt Gutbrod. Nun könne Schmieheim im Notfall über Kippenheim mit Wasser versorgt werden und auch umgekehrt.

50 Jahre nach dem Zusammenschluss sehen sich sowohl Kippenheimer als auch Schmieheimer zur Gesamtgemeinde zugehörig, so Gutbrods Erfahrungen – zumindest, wenn man ernsthaft über das Thema spricht, denn "die Frotzeleien gehören dazu". Schnippische Bemerkungen gegenüber den Bürgern des jeweils anderen Gemeindeteils würden vor allem bei Festen immer mal wieder fallen. Für Gutbrod ist dies jedoch normal: "Jeder auch will seine Eigenständigkeit bewahren."

Ein großes Fest zur Feier des Jubiläums gab es in Kippenheim bislang noch nicht. Dies soll jedoch noch kommen, erläutert der Rathauschef. Dies sei sowohl sein Wunsch als auch der von Schmieheims Ortsvorsteher Hartmann. Man habe sich bereits Gedanken gemacht, diese jedoch aufgrund der Planungsunsicherheit durch die Pandemie in den Hintergrund geschoben. Möglich sei ein Fest im Herbst dieses Jahres oder auch erst 2023, sagt Gutbrod.

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