Risse schrecken Mühlenbach auf Vier tote Schafe: War es der Wolf?

Mühlenbach - "GW852m" – dieses Kürzel versetzt Ortenauer Nutztierhalter seit mehr als zwei Jahren in Schrecken. Es ist der amtliche Name des Wolfsmännchens, das Anfang 2019 erstmals in der Region nachgewiesen wurde und seitdem in regelmäßigen Abständen immer wieder Beute machte. Jetzt könnte der Räuber erneut zugeschlagen haben – am Freitag in Mühlenbach.

Vier Totfunde hat ein Schäfer zu beklagen, ein fünftes Schaf ist unauffindbar. "Es ist möglich, dass die Tiere von dem in der Region seit Längerem lebenden Wolfsrüden gerissen wurden, Genaueres lässt sich aber erst nach der Untersuchung von Genproben sagen, die von den Bisswunden der getöteten Tiere genommen wurden", teilte das baden-württembergische Umweltministerium am Samstag mit. Etwa drei Wochen soll die DNA-Auswertung dauern, wie Mühlenbachs Bürgermeisterin Helga Wössner im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet. Direkt nach Bekanntwerden der Funde habe sie Kontakt nach Stuttgart aufgenommen – und "sofort Jagdpächter, Landwirte und den Gemeinderat informiert".

Im Januar 2019 riss ein Wolf im Wolfacher Ortsteil Kirnbach ein Schaf. Es war der erste Nachweis von "GW852m" im Ortenaukreis. Wenige Monate später fanden Wildtierexperten seine Spuren in Oppenau. Dort hatte er drei Schafe getötet. Spätestens da war klar: Der Wolf, der ursprünglich aus Niedersachsen stammt, ist in der Region heimisch geworden. Ein erneuter Angriff käme für Wössner deshalb nicht überraschend: "Es war im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis es weitere Schäden gibt."

Die Mühlenbacher Rathauschefin ist "keine Freundin vom Wolf im Schwarzwald", bekennt sie: "Wir sind einfach zu eng besiedelt. Früher oder später wird es zu Problemen kommen, wenn Mensch und Raubtier aufeinander treffen." Wie zum Beleg bekam sie am Samstagabend einen Anruf einer Mutter: "Sie berichtete, dass ihr Sohn mit anderen Kindern am Spätnachmittag einen Wolf am Waldrand gesehen hat." War es "GW852m" oder nur ein streunender Hund? Die Antwort dürfte eng verknüpft sein mit dem genetischen Abgleich der Spuren, die an den toten Schafen genommen wurden. Wössner rät zu Vorsicht, Panik sei nicht angebracht. "Es gilt, die Augen offenzuhalten und bei entsprechenden Beobachtungen sofort die zuständige Stelle zu informieren."

Sollte sich der Verdacht bestätigen und tatsächlich der Wolf zugeschlagen haben, bleibt der Schäfer nicht auf seinem Schaden sitzen – vorausgesetzt er hatte die notwendigen Maßnahmen ergriffen. Mühlenbach liegt im Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald. Dort müssen Schafhalter ihre Tiere unter anderem mit Elektrozäunen schützen, wenn sie im Fall eines Wolfsrisses vom Land entschädigt werden möchten. Wössner weist indes auch auf den möglichen immateriellen Schaden des Betroffenen hin: "Ich hatte zwar noch keinen Kontakt, aber ich kann mir vorstellen, dass das was mit einem macht, wenn man seine Schafe tot auf der Weide liegen sieht."

Dass ein Wolf mehrere Tiere reißt ist nicht unüblich, wenn er in eine Herde eindringt. Fachleute sprechen vom Beutefangreflex. Fliehende Tiere lösen diesen immer wieder von Neuem aus. Der Wolf kommt schlicht nicht zum Fressen, weil er durch die Bewegung der anderen Tiere immer wieder unterbrochen wird. Die getöteten Tiere bleiben meist an Ort und Stelle liegen.

Wer Beobachtungen macht, die auf einen Wolf hinweisen könnten, wird gebeten, sich umgehend bei der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt des Landes in Freiburg zu melden, per E-Mail an info@wildtiermonitoring.de oder unter Telefon 0761/­4 01 82 74. Weitere Informationen zu den Fördergebieten Wolfsprävention und zum Herdenschutz, genaue Daten zu Wolfssichtungen im Land sowie Verhaltenshinweise beim Zusammentreffen von Menschen und Wolf sind auf der Internetseite des baden-württembergischen Umweltministeriums unter www.um.­baden-wuerttemberg.de zu finden.