Ringsheim "Lahrer Zeitung lädt ein": Ringsheimer sagen, was im Argen liegt

Eine kritische, aber konstruktive Runde hat sich am Mittwochabend im Bahnhöfle in Ringsheim zusammengefunden. Foto: Kauffmann

Ringsheim - Die Aktion "Lahrer Zeitung lädt ein" ist am Mittwoch im Gasthaus Bahnhöfle weitergegangen. Mit den Bürgern wurde intensiv diskutiert: über den Mangel an Baugrundstücken, Tourismus, Wildpinkler am Bahnhalt – und den Europa-Park.

 

"Was ist gut in Ringsheim? Wo gibt es Verbesserungsbedarf? Alles kann gesagt werden", ermutigte LZ-Redakteur Felix Bender die Ringsheimer. Auch Bürgermeister Pascal Weber ist zu dieser Veranstaltung unserer Zeitung gestoßen – und auch er nutzte die Gelegenheit, den Ringsheimern zuzuhören und manch eine Antwort auf direkte Fragen zu geben.

> Baugrundstücke: Als Eugen Frei Mitte der 1970er-Jahre für sich und seine Familie ein Haus gebaut hat, lag der Quadratmeter noch bei 8,50 Mark pro Quadratmeter. Und wie hoch liegen die Preise für Bauland heute? Weber: "Bei mehr als 200 Euro." "Das ist unverschämt", tönt es aus den Reihen der Ringsheimer über die Preisexplosion. Im gleichen Atemzug reagierten die Teilnehmer am Tisch skeptisch über weitere Baugebiete.

> Mieten: Handlungsbedarf sieht Udo Rietsche auch bei Mietwohnungen: "Man kann die Miete nicht mehr bezahlen", sagt er. Bevor man "einen Klotz" von Hotel in Ringsheim baut, sollte man seiner Meinung nach Gebiete eigens für Wohnungen ausweisen. Die Nachfrage nach Mietwohnungen sei groß und entsprechend hoch seien die Preise, sagt Weber. Claudia Toni wirft ein, dass die Mietpreise in Ringsheim noch "bezahlbarer" sind als anderswo. Außerdem: "Die Menschen in Ringsheim sind offen, zugänglich und es gibt ein gutes Miteinander."

> Freie Flächen: Es gibt keine freien Flächen in Gemeindebesitz mehr, sagt Weber. Außerdem gibt er zu bedenken, dass viele Eigentümer in Ringsheim ihr Grundstücke nicht verkaufen wollten, obwohl sie sich als Bauland bestens eigneten. Im Ort gebe es rund zwei Dutzend Bauplätze, "aber man kann niemanden zum Verkauf zwingen". Tourismus: Zu stark konzentriere sich das Gewerbe auf den Tourismus, heißt es aus der Runde im "Bahnhöfle". Aber was passiert, wenn es dem Europa-Park einmal nicht mehr so gut geht? Für Pascal Weber eine Strukturfrage: "Dass zwischen die Hotels keine Schmiede passt, ist jedem klar." Es mache keinen Sinn, einen verarbeitenden Betrieb zwischen die Hotels zu setzen, dort sei der falsche Standort. Und doch: "Wir müssen verschiedene Standbeine haben."

> Bahnhalt: "Es ist eine Frechheit, dass sich die Bahn so etwas erlaubt", poltert Udo Rietsche über den teils stark vermüllten Bahnhalt. "Für mich ist das schon ein Ding, wenn man diese Sauerei sieht." Auf Kritik stößt auch die Lärmschutzwand: "Wegen der Wand ist es auf der anderen Seite der Gleise lauter geworden", klagt Claudia Toni. Die Wand bringe nur dem Ort östlich der Bahnlinie einen Mehrwert. "Aber die Bahn interessiert das nicht", sagt sie.

> Toilette: Größtes Ärgernis am Bahnhalt bleibt aber das fehlende Klo. Die Folge: Wildpinkler machen ihr Geschäft quasi überall, teils sogar direkt am Fahrkartenautomat. Der neue Getränkeautomat sei ein kleiner Lichtblick: "Vorher haben die Kinder teils an den Häusern geklingelt, damit sie Trinken bekommen", sagt Weber. Mobilität: "Von Ringsheim nach Herbolzheim gibt es keine Busverbindung", klagt Claudia Toni. "Und wenn man mit der Bahn nach Herbolzheim will, zahlt man viel mehr als nach Offenburg", ergänzt Siegfried Biehler. Zudem sieht es Toni als Manko, dass nicht mehr Züge in Ringsheim halten.

> Kinder: "Ringsheim ist für Kinder ideal", meint Sarah Bürkle, selbst dreifache Mutter. Der Ort sei überschaubar, habe eine kleine Schule, die Wege seien entsprechend kurz. Sie und Claudia Toni wollen mehr gegenseitige Hilfe in Ringsheim. Einfaches Beispiel: Obstbäume, an denen die Früchte schlecht würden, könnten von Kindergartengruppen abgeerntet werden. Motto: Was der eine nicht mehr braucht, kann für den anderen wertvoll sein.

> Gaststätten: "Wir haben fast keine Wirtschaften mehr in Ringsheim", stellt Horst Schmidt fest. Touristen seien zwar in den Hotels untergebracht, essen im Ort aber nicht. Claudia Toni entgegnet, es seien hauptsächlich Touristen, die sie in der Ringsheimer Pizzeria sehe. Das Problem sei keines, das spezifisch für Ringsheim gelte. "Niemand will mehr den Job machen", sagt Toni. Udo Rietsche meint indes: "Viele Wirtschaften sind wegen des Europa-Parks kaputt gegangen." Die Inhaber seien mit dem ständig anhaltenden Ansturm an Gästen nicht mehr fertig geworden und hätten aufgegeben.

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