Ringsheim Feuerwehrhaus: Jetzt droht juristischer Ärger

 Foto: Decoux-Kone

Ringsheim - Mit dem Beschluss, das neue Feuerwehrhaus an die Kahlenberghalle zu setzen, hat sich der Ringsheimer Gemeinderat erwartungsgemäß nicht nur Freunde gemacht. Anwohner sind enttäuscht und verärgert – und erwägen rechtliche Schritte. Nach jahrelangen Diskussionen hat der Ringsheimer Gemeinderat am Dienstagabend aus einem Fragezeichen – vorläufig – ein Ausrufezeichen gemacht: Mit einer Mehrheit von 9:1 Stimmen wurde entschieden, dass die Feuerwehr wie von ihr gewünscht auf der Wiese südlich der Kahlenberghalle ein neues Zuhause findet (wir berichteten). 

Dass es vom Beschluss bis zur Realisierung noch ein weiter, beschwerlicher Weg werden könnte, wurde indes bereits während der Sitzung deutlich: Mehrere Räte brachten ihren Wunsch zum Ausdruck, es mögen nun »bitte keine Gräben im Ort aufgerissen« werden, Kommandant Christian Feist bot den Anwohnern an, »sich gemeinsam an den Tisch zu setzen, um Bedenken zu erörtern und auszuräumen« und Bürgermeister Pascal Weber erklärte, er hoffe, »dass es zu keinen juristischen Auseinandersetzungen kommt«. 
Doch genau das droht der Gemeinde jetzt, wie am Tag nach der Entscheidung im Gespräch mit Herbert Müller klar wurde. Müller wäre Nachbar des Gerätehauses an der Kahlenberghalle, genauer: sein Garten würde wie der von anderen Grasweg-Bewohnern an das Feuerwehr-Gelände angrenzen. »Bislang hatten wir auf der Ostseite unserer Grundstücke Verkehr und auf der Westseite Erholung. Um die müssen wir jetzt fürchten«, sagte Müller am Mittwoch der LZ. 

"Irgendwann ist es genug"

Auch wenn ein Gutachten anderes sagt, erwartet er durch den Betrieb im und am Feuerwehrhaus »deutlich mehr Lärm«. Darauf hatten Müller und weitere 13 Grasweg’ler bereits im März in einem gemeinsamen Schreiben an Rathausspitze und Gemeinderat hingewiesen und um Rücksicht auf ihre Belange gebeten. Erfolglos, wie sich am Dienstag zeigte.
Der Beschluss pro Standort Kahlenberghalle hat Müller »nicht anders erwartet«. Der vorgeschaltete Suchlauf nach Alternativen war seiner Meinung nach »eine Farce«, die Entscheidung nach dem Gusto der Feuerwehr in Wahrheit längst gefallen gewesen.   Vom Gemeinderat ist der Anwohner freilich dennoch enttäuscht: »Weil ein 30 Jahre alter Bebauungsplan ignoriert wird, der uns einst auf einer Grundstücksseite Ruhe versprach.« Bekanntlich  will und muss die Gemeinde für die Ansiedlung der Feuerwehr das Planungsrecht rund um die Kahlenberghalle ändern. Wie schon einmal geschehen: Den Bau der Sportanlage habe man einst »noch akzeptieren können, doch nun wird uns noch mehr zugemutet«, sagt Müller auch mit Verweis auf den Bauhof, der nach dem Willen des Gemeinderats ebenfalls in den Grasweg ziehen soll.
Die Anwohner planen nun ein gemeinsames Treffen, bei dem die nächsten Schritte besprochen werden sollen. »Ich denke, dass die anderen derselben Meinung sind: Irgendwann ist es genug. Wir werden uns wohl einen Anwalt zur Seite holen, der das Ganze bewertet und  uns unsere Handlungsmöglichkeiten aufzeigt«, so Müller.

Bürgermeister Pascal Weber zeigte sich am Tag nach der Entscheidung grundsätzlich zufrieden: »Ich denke, das eindeutige Votum gibt der Feuerwehr eine gute Perspektive.« Wie schon bei der Sitzung betonte der Rathauschef gegenüber der LZ, dass die Planungen nun erst beginnen. »Da sollen und werden auch die Bedenken und Anregungen der Nachbarschaft einfließen.« Weber hofft, ohne Anwälte oder gar Richter auszukommen: »Es wäre sicher für alle Beteiligten das Beste, wenn wir gemeinsam zu Lösungen kommen.«
Einem immer wieder vorgebrachten Kritikpunkt wollte Weber schon jetzt den Wind aus den Segeln nehmen: »Es wird ständig auf die teure Zufahrt  hingewiesen, dabei aber vergessen, dass an den Alternativstandorten Weglänge und nördlicher Grasweg ähnlich hohe Kosten für Grunderwerb oder Straßenbau auf uns zukommen würden.« Für die Rampe, die künftig das Feuerwehrhaus am Standort an der Kahlenberghalle mit der Hauptstraße verbinden soll,   werden laut Planer rund  250 000 Euro fällig.

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