Ringsheimer beteiligen sich Ein Jahr lang nur mit dem E-Auto unterwegs

Lahrer Zeitung
Wird das Stromnetz den Belastungen der Elektromobilität standhalten? Acht Familien in der Ringsheimer Kaiserstraße haben das getestet. Foto: Netze BW

Der Elektromobilität soll die Zukunft gehören: Doch vor welche Herausforderungen wird diese das örtliche Stromnetz stellen und wie alltagstauglich ist sie? Acht Ringsheimer Haushalte haben das ein Jahr lang getestet.

Ringsheim (red/jg) - Ob zur Arbeit, zum Einkauf oder Sport, die Familie Schöffel nutzte fast ein ganzes Jahr ihr E-Auto für alle anstehenden Fahrten. Sie war eine von acht Haushalten in der Ringsheimer Kaiserstraße, die im nun beendeten Projekt "Netzlabor – Intelligentes Heimladen" der Netze BW testeten, vor welchen Herausforderungen das örtliche Stromnetz durch den Hochlauf der Elektromobilität steht. Nun wurden im Rahmen einer digitalen Abschlussveranstaltung die Projektergebnisse präsentiert, geben die Gemeinde Ringsheim und die Netze BW in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt.

"Wir haben wertvolle Erkenntnisse zu den Auswirkungen des Ladeverhaltens der E-Auto-Nutzer sowie zu der Frage gewonnen, wie wir als Netzbetreiber gegensteuern können, wenn das Netz an seine Belastungsgrenze kommt", sagt der Projektleiter Sven Zahorka von der Netze BW. Mit der Kaiserbergstraße in Ringsheim sei gezielt ein typisches Wohngebiet mit Eigenheimen ausgesucht worden. Denn in solchen Wohngebieten soll die Elektromobilität am schnellsten Fuß fassen – und somit Belastungen für Stromnetz am schnellesten auftreten. "Wir freuen uns, dass wir eine von nur fünf Modellkommunen mit einem solchen Projekt waren. Es hat sich gezeigt, dass E-Autos Spaß machen und für viele Fahrten und Anwendungen eine gute Alternative sind. Alle E-Mobilisten waren begeistert und überlegen teilweise nun, auf ein E-Auto umzusteigen beziehungsweise haben sich schon ein neues E-Auto bestellt", so Bürgermeister Pascal Weber.

Im Projektverlauf habe sich gezeigt, dass maximal vier Fahrzeuge gleichzeitig geladen wurden – und das auch nur in sehr seltenen Fällen. Am häufigsten wurden die häuslichen Ladeboxen zwischen 18 bis 22 Uhr genutzt. In rund 75 Prozent des Tagesverlaufs (im Durchschnitt) fand überhaupt kein Ladevorgang statt. "Wir haben vor allem in den Abendstunden eine deutlich höhere Belastung des Stromnetzes festgestellt. Durch intelligentes Lademanagement konnte die Netzbelastung jedoch reduziert werden", so Zahorka.Die im Projekt getesteten intelligenten Messsysteme und Steuerboxen hätten gezeigt, dass sie zur Vermeidung von Netzengpässen großes Potenzial besitzen, ohne dass sich die Nutzer dadurch eingeschränkt fühlten.

Geladen wurden die E-Autos geladen vor allem abends

Ein intelligentes Lademanagement ermögliche Netzbetreibern zukünftig, mehr Ladeinfrastruktur für E-Fahrzeuge in ihre bestehenden Stromnetze integrieren zu können. "Der Hochlauf der Elektromobilität, der aktuell Fahrt aufnimmt, stellt Netzbetreiber künftig vor große Herausforderungen. Das Projekt in Ringsheim hat aber gezeigt, dass wir bereits gut darauf vorbereitet sind.", zieht Zahorka ein positives Fazit.

Mit verschiedenen Projekten wie dem Netzlabor und dem stetigen Ausbau sowie der intelligenten Optimierung der Netzinfrastruktur treibe die Netze BW die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität voran. Bis 2025 seien dafür im Netzgebiet zusätzliche Investitionen in Höhe von 500 Millionen Euro geplant.

Info: Alle behalten ihre Ladebox:

Den Testteilnehmern wurden für das Projekt verschiedene Fahrzeugtypen zur Verfügung gestellt. Sie legten durchschnittlich 261 Kilometer pro Woche zurück, heißt es in der Pressemitteilung. Die Abschlussbefragung habe ergeben, dass sich keiner der Testteilnehmer durch das im Hintergrund ablaufende Lademanagement in seiner E-Mobilität eingeschränkt gefühlt hat. Laut Netze BW möchten alle Teilnehmer ihre Wallbox (Ladeboxen) vom Projekt übernehmen und können sich auch vorstellen, in naher Zukunft ein E-Auto als Erst- oder Zweitwagen zu fahren.

  • Bewertung
    0