Ringsheim Ein Ausweg aus dem Platzmangel

Boden unter die Füße will die Ringsheimer Verwaltung in Sachen Kinderbetreuung bekommen. Helfen soll die Ansiedlung einer privaten Tagespflegeeinrichtung. Symbolfoto: Hirschberger Foto: Lahrer Zeitung

Wie viele Gemeinden drückt Ringsheim bei der Kinderbetreuung der Schuh. Vor allem Ganztagesplätze sind rar gesät. Abhilfe könnten die "Happy Sunshine Kids" bringen. Die Verwaltung will die private Großtagespflege in der Schule unterbringen.

 

Ringsheim. Bei der Kinderbetreuung klaffen Nachfrage und Angebot nach wie vor auseinander – auch in verhältnismäßig kleinen Gemeinden wie Ringsheim. Die Ganztagesplätze im katholischen Kindergarten sind laut Verwaltung "stets voll belegt", im U 3-Bereich fehle ein solches Angebot gänzlich. Nun könnte Druck vom Kessel genommen werden – vorausgesetzt der Gemeinderat gibt bei seiner Sitzung am Dienstag, 26. Juni, ab 19.30 Uhr im Rathaus sein Okay.

Was sind die "Happy Sun­shine Kids"?

Eine private Großtagespflege (Betreuung von mehr als fünf Kindern gleichzeitig), die derzeit noch in Herbolzheim sitzt. Dort hat ihr die Stadt allerdings die angemieteten Räume gekündigt, weil man die eigene Kita erweitern will. Das Betreiber-Ehepaar sei deshalb bei der Gemeinde Ringsheim vorstellig geworden und habe um Hilfe gebeten, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Warum ist eine private Kita in Ringsheim notwendig?

Der Kontakt nach Ringsheim kam offensichtlich zum richtigen Zeitpunkt. Denn dort hatte die Gemeindeverwaltung nach eigenem Bekunden im Gespräch mit Kita-Leitung und -Geschäftsführung zur selben Zeit erfolglos versucht, eine schnelle Lösung für die Platznot im Kindergarten zu schaffen. Insbesondere die dringend benötigte Ganztagesgruppe sei abgelehnt worden.

Was bietet die Großtagespflege?

Laut ihrer Homepage eine "liebevolle und individuelle" Betreuung für Kinder im Alter von null bis sechs Jahren. In die Einrichtung integriert ist eine Sprachschule. Die Betreiber könnten sich zudem vorstellen, so heißt es aus dem Rathaus, "die jetzige Großtagespflege mittelfristig zu einer ganztägigen Krippe mit einer (halben) Kita-Gruppe zu erweitern". Dazu ließen sich die beiden Leiterinnen berufsbegleitend zu Erzieherinnen ausbilden.

Wo soll die Einrichtung unterkommen?

Im Erdgeschoss der Grundschule, genauer: im Raum, in dem derzeit die Gemeindebücherei untergebracht ist, sowie in dem kleinen Raum daneben. Eine Schülertoilette soll zum Wickelraum umfunktioniert, Mittag in der Schulküche gegessen werden. Sowohl die Schulleitung als auch das Jugendamt seien in dieses Vorhaben involviert und damit einverstanden. Auch die Sprachschule soll mit nach Ringsheim kommen. Unterricht wäre nachmittags in den Schulräumen, am Vormittag im Bürgerhaus möglich.

Was wird dann aus der Bücherei?

Sie müsste, so heißt es aus dem Rathaus, in den Werkraum im Schulkeller umziehen. Dieser werde zur Zeit ohnehin "nur sehr eingeschränkt" genutzt. Die Gelegenheit will die Verwaltung gleich nutzen, um den Buchbestand der Bücherei "zu durchforsten und gegebenenfalls neu zu strukturieren", sprich: auszumisten.

Wann soll die Tagespflege ihren Betrieb aufnehmen?

Bereits im September. Die Verwaltung will das Arrangement zunächst auf zwei Jahre begrenzen, schließt aber nicht aus, dass die Kita und Sprachschule dauerhaft in Ringsheim bleiben. Die Betreiber prüften derzeit, ob ein Neubau im Gemeindegebiet möglich sei.

Profitieren nur Ringsheimer Kinder?

Nein. Zunächst würde der einheimische Nachwuchs sogar nur bedingt zum Zuge kommen, weil die Kita laufende Verträge mit anderen Eltern hat. "Künftig werden die Plätze aber bevorzugt an Ringsheimer Kinder vergeben", verspricht die Verwaltung. Das soll vertraglich so vereinbart werden. Ab September sei ein Ganztagesplatz frei, im Jahr darauf mindestens ein weiterer. Bei Mehrbedarf müssten auswärtige Kinder die Einrichtung verlassen. Wie viele Plätze insgesamt zur Verfügung stehen, ist der Sitzungsvorlage nicht zu entnehmen. Großtagespflege jedenfalls bedeutet die Betreuung von mehr als fünf Kindern.

Kosten:  Die Verwaltung will mit Tagespflege und Sprachschule einen Mietvertrag abschließen. Hinzu kämen die Gebühren für die Nutzung des Bürgerhauses (Raum II) zu den üblichen Sätzen. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 500 bis 750 Euro im Monat. Gleichzeitig würden die Betreiber die üblichen Tageseltern-Zuschüsse erhalten.

Fazit: Im Rathaus ist man sicher, dass durch die Ansiedlung von Kita und Sprachschule "der Bildungs und Betreuungsstandort Ringsheim, die Familienfreundlichkeit der Gemeinde sowie die Vereinbarung von Familie und Beruf für die Bürger deutlich gestärkt werden".

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