Rheinhausen Trotz Müdigkeit: Oberhausen feiert Aufstieg

Trotz einer 24:27-Niederlage gegen Kenzingen ist Landesligist Oberhausen in die Südbadenliga aufgestiegen. Dem TuS reichte der Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel. Beim TB verabschiedet sich Spielertrainer Aurelijus Steponavicius nach 14 Jahren.

Zehn Minuten wirkte es am Freitagabend in der Kenzinger Üsenberghalle fast so, als hätte Kenzingens scheidender Spielertrainer Aurelijus Steponavicius seinen Mannen vor der Partie ein Schlaflied geträllert, anstelle einer feurigen Kabinenheißmache. So träge bewegten sich die TB-Spieler auf der Platte. Von Abstiegsemotionen war zumindest in der Anfangshase der alles entscheidenden Ab- und Aufstiegsrelationspartie keine Spur zu entdecken. Und Oberhausen? Die schienen ihr Möglichstes tun zu wollen, den Kontrahenten ja nicht aufzuwecken. Denn wer weiß, vielleicht hätte der Nachbar aus Kenzingen den Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Hinspiel mit einer leidenschaftlichen Vorstellung ja doch noch umbiegen können. "Wir mussten heute tagsüber alle arbeiten und waren nach einer langen Saison einfach platt", gestand nach dem Spiel der zufriedene, aber sichtlich geschlauchte TuS-Regisseur Clement Martinez fast schon entschuldigend.

Dabei hätte es überhaupt keiner Entschuldigung bedurft. Denn nicht nur, dass das Spiel nach den besagten zehn Abtastminuten plötzlich spürbar an Fahrt aufnahm, was die beiden Teams an diesem Abend aufs Parkett zauberten, war an Spannung einfach nicht zu überbieten. Während die Hausherren spätestens in der zweiten Halbzeit ihr Kämpferherz wiederentdeckten, als ihnen spürbar dämmerte, dass an diesem Abend doch noch etwas zu holen sein könnte und Tor um Tor aufholten, wirkte Oberhausen zeitweise seltsam lethargisch. Der Spielfluss fehlte komplett im TuS-Spiel, die Außen wurden fast nicht eingebunden. Stattdessen war die Mannschaft auf die Schusskraft und Kreativität von Dominik Köbele und Clement Martinez angewiesen und konnte sich nach Spielende bedanken, dass sich zumindest Köbele in Sachen Fitness eine Eins mit Sternchen verdient hatte.

Fabien Stoeffler schmerzlich vermisst

"Unser Außen Fabien Stoeffler war heute auf einer Hochzeit. Wir sind schließlich keine Profis. Er war in den letzten Spielen wirklich stark und hat uns heute einfach gefehlt", erklärte nach Spielende TuS-Coach Francois Berthier das statische Spiel seines Teams. Stoefflers Fehlen und die TuS-Lethargie waren aber nur zwei Gründe, warum Kenzingen erst herankam und zehn Minuten vor dem Ende der Partie plötzlich den Rückstand aus dem Hinspiel wettgemacht hatte und mit sechs Toren in Führung lag (26:20), der wichtigste Faktor war jedoch sicherlich der TB selbst.

Denn plötzlich war das in dieser Saison lange vermisste Selbstvertrauen bei den Kenzinger Spielern zurück. Vor allem Spielmacher Denis Michelbach trieb sein Team unermüdlich nach vorne. Und auch die Siebenmeterquote stimmte an diesem Tag: Während der erneut überragende TuS-Torhüter Lionel Gasser im Hinspiel noch sage und schreibe sechs Strafwürfe entschärfen konnte, fanden am Freitag alle fünf TB-Siebenmeter den Weg ins Tor. Was dann jedoch zehn Minuten vor dem Abpfiff passierte, sprich ein kompletter Einbruch der bis hierhin so starken Kenzinger Mannschaft und vier Tore in Serie für Oberhausen (26:24, 57. Minute), erklärten die Trainer beider Mannschaften nach Spielschluss nahezu identisch:

"Das ist dann ein mentales Problem. Da haben wir wieder zu sehr aufs Ergebnis geguckt, anstatt einfach normal weiterzuspielen", sagt Aurelijus Steponavicius. Und Francois Berthier ergänzt: "Plötzlich lag der Druck wieder auf Kenzingen. Und als wir dann angefangen haben, endlich richtig Tempo zu machen, kamen die nicht mehr hinterher." Den Aufstieg ließ sich der TuS in den letzten Minuten nicht mehr nehmen. 27:24 hieß es am Ende für die Gastgeber. "Immerhin gewonnen", konnte sich Steponavicius wenigstens ein wenig freuen. Francois Berthier wusste dagegen genau, bei wem er sich zu bedanken hatte: "Lionel Gasser war einfach außergewöhnlich."

Dem TB Kenzingen steht ein Neuanfang bevor. Neben Spielertrainer Aurelijus Steponavicius (45) verlassen fünf weitere Spieler den Verein. Während es Michael Fedorov nach Ringsheim zieht, legt der Rest auf unbestimmte Zeit eine Pause ein. "Die Mannschaft wird stark verjüngt werden", sagt Steponavicius. "Für einen Neuanfang ist ein Start in der Landesliga sicherlich besser. Allerdings wird es auch da kein Selbstläufer." Der scheidende TB-Trainer freut sich auf die handballfreie Zeit: "Die letzten zwei Jahre waren nicht einfach. Als Zuschauer werde ich aber bestimmt irgendwo auftauchen."

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