Rheinhausen Nächster Meilenstein für "neue Mitte"

In der neuen Ortsmitte von Rheinhausen geht die Entwicklung ungebremst weiter. Jetzt ist dort der Spatenstich für ein neues Gesundheitszentrum ausgeführt worden.

Rheinhausen. Jürgen Louis versuchte erst gar nicht, die Bedeutung des Augenblicks herunterzuspielen. Der Bürgermeister sagte, dies sei "einer der wichtigsten Tage in der Geschichte der Gemeinde seit ihrer Gründung 1972". Damals waren Niederhausen und Oberhausen zwar politisch zusammengeführt worden, doch zwischen den beiden Dörfern blieb 35 Jahre lang eine Lücke – "Niemandsland", wie Louis es beim Spatenstich nannte.

Das hat sich gründlich geändert, eine einst leere Landschaft von etwa vier Hektar Größe ist zum neuen Zentrum geworden. Der Neubau von Feuerwehrgerätehaus, Bauhof und Musikzentrum machte 2007 den Anfang, später folgten das Bürgerhaus und das Generationenhaus mit einem Pflegeheim, betreuten Wohnungen und einer Kita. Ne­benan hat Rewe vor fünf Jahren einen Markt eröffnet, der vor kurzem vergrößert worden ist. Einen Steinwurf entfernt wird zurzeit am Neubau der Grundschule gearbeitet.

Mit der Politik der "neuen Mitte" hat Rheinhausen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Gemeinde ersetzte teils sanierungsbedürftige Einrichtungen, die es in den Ortsteilen doppelt gegeben hatte – Rathaus, Feuerwehr, Bauhof, Hallen –, durch eine frische, gebündelte Infrastruktur. Triebfeder dieser Entwicklung war Louis, der 2004 zum Bürgermeister gewählt wurde. Er hatte sich vorgenommen, die Menschen in den beiden einst selbstständigen Gemeinden zusammenzuführen und eine neue, gemeinsame Identität zu schaffen, ohne dabei gewachsene Strukturen in den beiden Dörfern zu beeinträchtigen.

Nun hat es den nächsten Meilenstein in dieser Entwicklung gegeben – den Spatenstich für das Gesundheitszen­trum. Louis betonte, dass damit die Infrastruktur in Rheinhausen besser als in mancher größeren Stadt werde – da die Bürger künftig eben alle wichtige Anlaufstellen nahe beieinander vorfinden werden.

Gebaut wird das Gebäude von der Kopf-Gruppe aus Lahr, deren Geschäftsführer Karl-Rainer Kopf die Eckdaten nannte: Für vier Millionen Euro entsteht ein zweieinhalbgeschossiges Gebäude mit 1800 Quadratmetern Nutzfläche. Darin werden ein Hausarzt, eine Apotheke und eine 400 Quadratmeter große Tagespflege des Saarländischen Schwesternverbands untergebracht.

Physiotherapie auf 600 Quadratmetern

Im Obergeschoss findet eine 600 Quadratmeter große Physiotherapie ihren Platz, die von Ulrike Grottendorfer betrieben wird. Sie führt bereits in Ottenheim die Physiotherapie Marianeum und eröffnet in Rheinhausen einen weiteren Standort. Dort werde sie auf ihr erfolgreiches Konzept setzen und erwarte Patienten aus einem Umkreis von 50 Kilometern, so Grottendorfer.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner hob in einem kurzen Grußwort hervor, dass Rheinhausen ein Paradebeispiel dafür sei, wie eine kleine Gemeinde ihre Infrastruktur zukunftsfähig gestalte. Das neue Gesundheitszentrum soll "in einem starken Jahr" fertig werden, so Kopf.

Unter den künftigen Mietern des Gesundheitszentrums ist auch Tom Tröger-Chojnacki. Bisher befindet sich seine Praxis in der Rheinhausener Kirchstraße, mit Fertigstellung des neuen Gebäudes wird er dann mit seinem Team ins Gesundheitszentrum umziehen. Tröger-Chojnacki ist der Nachfolger des zuvor einzig in Rheinhausen verbliebenen Hausarzts Johann-Georg Willaredt-Stoll. Den Umzug ins Gesundheitszentrum macht auch die Tulla-Apotheke mit, die heute in der Kirchstraße nur ein paar Schritte von der Arztpraxis entfernt liegt. "Wo der Arzt ist, sollte auch die Apotheke sein", erklärte Inhaberin Andrea Frieß beim Spatenstich in der Vorwoche. Außerdem sollte eine Apotheke sowieso "bei den Menschen" sein – und in der neuen Ortsmitte würden sich eben auch die Bürger treffen und einkaufen. Ihre Apotheke wird ins Erdgeschoss des Gesundheitszentrums ziehen und eine große Schaufensterfront erhalten.

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