Rheinau Vollmer hat Sensation auf dem Fuß

Am "Tag der Außenseiter" hatte auch Oberliga-Aufsteiger SV Linx gegen den Bundesligisten 1. FC Nürnberg kurz vor der großen Sensation gestanden. Doch ausgerechnet Top-Torjäger Adrian Vollmer versagten beim 1:2 kurz vor Schluss die Nerven.

 

Große Unterschiede zwischen dem Bundesligisten aus Nürnberg und dem Ortenauer Fünftligisten waren eigentlich nur vor der Partie auszumachen. Im Spiel selbst hielt der Oberliga-Aufsteiger mit großem Kampf überraschend gut dagegen. Während sich die Amateure schon gut zwei Stunden vor dem Anpfiff auf dem Spielfeld des etwas ungewohnten Kehler Rheinstadions zur ersten ausgiebigen Platzbegutachtung versammelten und dabei andächtig ihrem Trainer Sascha Reiss lauschten, trudelten die Profis erst eine halbe Stunde später für eine Stippvisite ein. Die Kopfhörer im Ohr und augenscheinlich nur bedingt an ihrer Umgebung interessiert.

Als sich sowohl die Spieler des Erst- als auch des Fünftligisten später in ihren Kabinen auf den großen Auftritt vorbereiteten, fingen die Einlaufkinder an, ebenfalls ihren späteren Einmarsch ins Stadion einzustudieren. Doch ganz so einfach sollte es den Jung-Kickern nicht gemacht werden. Die Rasensprenger hatten sich plötzlich eingeschaltet und die Kinder in die Flucht getrieben. Ähnlich war es nur wenig später einem Kamerateam ergangen, welches ebenfalls vom kühlen Nass überrascht wurde. Bewegtbilder vom Spiel gab es am Ende natürlich trotzdem.

In allen Details eingefangen hatten die Kameras dann auch jene Szene, als ausgerechnet der Linxer "Mister Zuverlässig" Adrian Vollmer fünf Minuten vor dem Ende der Partie die Entscheidung auf dem Schlappen hatte, jedoch zu lange zögerte. Denn bevor die Franken den 2:1-Siegtreffer durch ihren Doppeltorschützen Mikael Ishak erzielten, stand der Linxer Goalgetter frei im Nürnberger Strafraum und vergab das mögliche Weiterkommen: "Die macht er normalerweise blind in der Liga. Wahrscheinlich hat er damit gerechnet, dass er im Abseits steht", konnte es Trainer Reiss nicht fassen. "Da ist man riesig enttäuscht, wir haben die Chance, das Spiel zu gewinnen. Wenn mir allerdings jemand vor dem Spiel gesagt hätte, dass wir fünf Minuten vor Schluss das Riesending haben zu gewinnen, hätte ich sofort unterschrieben."

Tatsächlich hatte der wackere Oberligaaufsteiger den Bundesligisten am Rande einer Niederlage. Bereits zur Halbzeit meinte der Ex-Nürnberger und gebürtiger Kehler Dieter Eckstein: "Die Linxer machen das gut, stellen gut zu. Trotzdem ist das 1:1 zur Pause schmeichelhaft. Ich denke Nürnberg wird in Hälfte zwei den längeren Atem haben. Dennoch ist es ein gutes Gefühl, wieder mal zu Hause zu sein."

Erinnerungen an Pokalspiel vor 24 Jahren

Es war eine klasse Stimmung im Schmuckkästchen Kehler Rheinstadion. Nürnbergs Manager Andreas Bornemann, der früher beim SC Freiburg spielte und die Region kennt, freute sich über den Kurzbesuch: "Wir haben Linx als Gegner beobachtet und analysiert wie einen Bundesligisten auch. Als Bundesligist erwarte ich heute einen Sieg gegen den Oberligisten", so Bornemann, dessen Wunsch am Ende dank Vollmers Missgeschick ja auch erfüllt wurde.

Sponsor Hans Weber meinte vor der Partie in Anspielung an das ebenfalls mit 1:2 verloren gegangene DFB-Pokalspiel gegen Schalke 04: "Alle 24 Jahre wieder. Da sind vier Klassen Unterschied und die Favoritenrolle klar verteilt. So ein 1:3 oder ein 1:4 wäre schon angenehm. Es ist ein tolles Event und Volksfest heute, das wir gerne mitnehmen."

Einer der ganz traurig aus der Wäsche guckte war der verletzte Linxer Mittelfeldrenner Dennis Kopf, der sich bei einem Testspiel in Frankreich das Syndesmoseband gerissen hatte: "Das ist heute sehr bitter. Die letzten Tage habe ich weniger daran gedacht. Aber heute, wenn ich die Zuschauer und die Stimmung hier sehe, dann tut das schon brutal weh. Alle sind fit außer ich. Drei Monate werde ich wohl ausfallen", klagte der auf Krücken gestützte Kopf.

Kehls Trainer Karim Matmour der mit Andreas Bornemann zusammen beim SC Freiburg spielte und von der Hochzeit von Kevin Sax zum Spiel kam lag mit seinem Helbzeittipp allerdings knapp daneben: "Wenn ich das so sehe, denke ich das Linx die Verlängerung schafft."

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