Reaktionen auf geplanten Gleisbau Camper in Schuttern sind schockiert

Jonas Köhler

Harsche Reaktionen auf den geplanten Gleisbau am Schutterner Baggersee

Schuttern - Der geplante Bau von Gleisen entlang der Autobahn erschüttert die Badegäste und Camper am Schutterner Baggersee. Sie können sich kaum vorstellen, dass ihr Naherholungsgebiet auf diese Weise zerstört wird. Die LZ hat sich umgehört.

Das Wetter am Schutterner Baggersee lädt am Mittwochmittag zum Baden ein. Bei strahlendem Sonnenschein genießen einige Gäste, vor allem Kinder, mit einem Sprung ins Wasser den Tag. Der Verkehr der Autobahn, die im Hintergrund des Sees zu sehen ist, ist auch über den See hinweg zu hören. Dennoch ergibt sich ein idyllisches Bild, das wohl nicht mehr lange anhalten wird: Parallel zur Autobahn sind auf der Nordseite des Sees zwei Gleise für den Ausbau der Rheintalbahn geplant.

Die A 5 in Richtung Offenburg führt nach dem Parkplatz Schutter direkt am Nordufer des Sees vorbei. Steht man am Wasser, sieht man die Autos und Lkws aus etwa 40 Metern Entfernung an sich vorbeifahren. Platz für eine weitere Autobahnspur oder gar zwei Bahngleise ist dort zurzeit nicht. Gebaut werden können diese wohl nur, wenn ein Teil des Sees zugeschüttet wird.

"Man klaut uns hier das Paradies", zeigt sich Camperin Anna Grön empört. Sie hat am Vormittag von einer Freundin, die den Bericht der Lahrer Zeitung gelesen hat, von den Plänen der Bahn erfahren. Seit 20 Jahren, erzählt sie, kommt sie jeden Sommer aus Aichenbach im Schwarzwald hierher. "Ich verstehe nicht, warum die Gleise nicht an die ursprüngliche Trasse gebaut werden", sagt Grön.

Sarah Christofzick und Jannis Fettke sind am Mittwoch zum ersten Mal am Baggersee und erfahren dementsprechend auch erst im Gespräch mit der Lahrer Zeitung von den Plänen. Sie kommen aus Waiblingen bei Stuttgart und haben sich nach dem Besuch im Europa-Park nach einem Badesee umgesehen. Der Baggersee in Schuttern gefällt ihnen gut, auch die Autobahn störe sie nicht sonderlich, erzählen sie. Dennoch fehle ihnen die Fantasie, dass bald Züge neben der Autobahn fahren werden. "Vielleicht bauen sie ja einen großen Bahndamm und der schützt dann vor dem Lärm", gibt sich Fettke optimistisch.

"Wenn die Bahn kommt, werden wir nicht mehr hierher kommen"

Camper Martin Späth aus Diersburg hört inzwischen die Autobahn nicht mehr, erzählt er. Er kommt seit 35 Jahren jeden Sommer an den Baggersee, um dort unweit der Heimat Urlaub zu machen und ist sich sicher: "Wenn die Bahn kommt, werden wir nicht mehr hierher kommen". Ihm waren die Pläne bereits bekannt, für Sylvie Förger sind sie neu. "Der See wird uns schon fehlen", erzählt sie. In ihrer Campinggruppe entwickelt sich eine Diskussion. Dass der Lärm vielleicht gar nicht so schlimm sei, da die Züge heutzutage sehr schallgedämpft seien, wird angemerkt. Späth ist sich jedoch sicher, dass vorbeirauschende Züge die Idylle mehr stören werden, als das monotone Rauschen der Autobahn. "Vor allem jetzt, wenn man gerade sowieso nicht weit weg Urlaub machen kann, ist doch so ein Naherholungsgebiet perfekt", zeigt auch er sich verständnislos für die Pläne.

Den Badeurlaub in diesem Sommer wollen sich die Camper durch diese düsteren Aussichten jedoch nicht vermiesen lassen. Gut möglich aber, dass sie in Zukunft mit einem mulmigen, wehmütigen Gefühl in Richtung Autobahn schauen werden.

Die Rheintalbahn zwischen Offenburg und Riegel soll mit einem dritten und vierten Gleis ausgebaut werden. Diese sollen nicht entlang der bereits vorhandenen Trasse entstehen, sondern parallel zur Autobahn auf der östlichen Seite. Auch wenn die Ertüchtigungsstrecke erst 2041 fertiggestellt werden soll, sorgt sie jetzt schon für Unruhe. Hinzu kommt, dass auch die Autobahn selbst in Zukunft eine zusätzliche Fahrspur bekommen soll.

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