Rämässer in Ringsheim Rathaussturm mit gemischten Gefühlen

Adelbert Mutz und Julia Göpfert

Das übliche muntere närrische Treiben wurde am "Schmutzigen" durch den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine getrübt. Trotzdem entschied sich die Narrenzunft Rämässer dafür, den Sturm aufs Ringsheimer Rathaus zu machen.

Ringsheim. Der "Schmutzige Dunschdig" gilt auch bei der Ringsheimer Rämässerzunft als einer der Höhepunkte im Endspurt der Fasnachtstage. Während die Coronapandemie den Zünften insgesamt wenig Planungssicherheit gab, wurde das übliche muntere Treiben just am "Schmutzigen" durch den Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine getrübt. Nachdem in Ringsheim wegen der Pandemie bereits alle Hallenveranstaltungen und Umzüge abgesagt wurden, entschied man sich im Vorfeld für eine räumlich abgeschlossene "Rathauserstürmung" unter 2-G-plus Regeln auf dem Rathausplatz. Eine kurzfristige Absage erschien der Narrenzunft nicht möglich.

Spendenkasse für ukrainische Kinder

Mehr als 200 "Hemdklunker", darunter viele Eltern mit Kindern, nutzten die Gelegenheit, am Donnerstag zur Traditionsveranstaltung auf den Rathausplatz zu kommen. Dass die Menschen nach langer Enthaltsamkeit das Bedürfnis zu Begegnungen hatten, war sichtbar. Das Dreigestirn Oberzunftmeisterin Eva Obergföll, Rämässerkönigin Sophia Friedmann und Bürgermeister Pascal Weber richteten in Reimform die üblichen Grußworte an das närrische Volk. Die Tragödie in der Ukraine wurde in den Ansprachen mit großem Entsetzten bedauert. Der Bürgermeister rief deshalb die Besucher auf für Kinder im Ahrtal und in der Ukraine zu spenden. Die Gemeinde werde den Spendenbetrag in gleicher Höhe aufstocken, so Weber.

Auf Anfrage teilt Eva Obergföll, Oberzunftmeisterin der Ringsheimer Rämässer mit, dass es schwierig gewesen sei mit der Situation umzugehen. Nach monatelanger Diskussion, ob während der Pandemie Fasent gefeiert werden könne, "stand man plötzlich kurzfristig vor einem ganz neuen Problem". In Absprache mit Bürgermeister Weber sei man zur Erkenntnis gelangt, dass das Brauchtum nicht abgesagt werden solle. Es gehe der Zunft darum, das Brauchtum im Ort nicht aussterben zu lassen. Die große Resonanz am "Schmutzigen Dunschdig" habe gezeigt, dass das Bedürfnis der Menschen nach Begegnung, Unterhaltung und sich auszutauschen sehr groß sei, betonte Obergföll.

So wird auch die geplante Hoffasent der Zunft am Sonntag wie geplant stattfinden. "Wir werden uns überlegen, wie wir auch hier die tagespolitische Situation in die Veranstaltung einbauen und unser solidarisches Mitgefühl mit der Ukraine ausdrücken", erklärte Weber der Lahrer Zeitung.

Der Rathaussturm sei im Einklang mit der getroffenen Vereinbarung unter den Bürgermeistern im Altkreis Lahr gewesen, betont Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber im Gespräch mit der LZ. Diese hatten vereinbart, keine närrischen Veranstaltungen zu verbieten, ihre eigene Teilnahme daran jedoch abzusagen oder stark zu beschränken und in ihren Ansprachen die Solidarität mit den Menschen im Konfliktgebiet erklären. Ihm sei es wichtig gewesen, beim Rathaussturm den Spagat zwischen lebendigen Brauchtum und gelebter Solidarität mit der Ukraine zu schaffen, erklärte Weber. Allerdings habe er selbst bei der Veranstaltung gemischte Gefühle gehabt und sei auch bald nach Hause gegangen. Die Stimmung bei den Teilnehmern sei ebenfalls sehr gemischt gewesen, die Veranstaltung relativ kurz.

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