Protest gegen Corona-Maßnahmen Immer mehr "Spaziergänger" in Lahr

Stefan Maier, Felix Bender, Marco Armbruster und Aline Fischer

Überall in der Region hat es am Montagabend wieder sogenannte Spaziergänge gegeben. In Lahr protestierten rund 500 Menschen gegen die Corona-Regeln, andernorts formierte sich eine Gegen­- bewegung. Die Behörden halten sich noch zurück.

Die Situation in Lahr: Deutlich mehr Menschen als sonst trafen sich am Montag auf dem Lahrer Rathausplatz, um einen "Spaziergang" durch die Innenstadt zu unternehmen: Bei den ersten Terminen waren es jeweils rund 100 Teilnehmer, die ihrem Unmut über die Corona-Maßnahmen und eine mögliche Impfpflicht zum Ausdruck brachten, diesmal waren es schätzungsweise 500.

Ab 19 Uhr zogen sie durch die Marktstraße, über den Marktplatz, die Lamm- und Kaiserstraße und weiter unter anderem über die Marktstraße wieder zurück zum Rathausplatz. Mit dabei waren unter anderem Anette Franz und viele regelmäßige Teilnehmer der Samstagsdemos auf dem Museumsplatz, die von der Lahrer Ärztin organisiert werden. Einige Teilnehmer waren mit Kindern unterwegs.

Begleitet wurden die "Spaziergänger" von der Polizei, die mit mehreren Fahrzeugen entlang der Strecke Präsenz zeigte, und vom Kommunalen Ordnungsdienst der Stadt Lahr. Masken trug keiner der Teilnehmer, auch Sicherheitsabstände wurden nicht eingehalten. Wie bei den vorherigen Malen gab es jedoch auch keine Plakate oder Ansprachen. Nach rund 45 Minuten löste sich der kollektive "Spaziergang" am Rathausplatz auf. Eine Gegendemonstration gab es in Lahr nicht.

Das sagt die Stadt Lahr: Nach anderen Städten im Land hat Freiburg vergangene Woche die "Spaziergänge" per Allgemeinverfügung untersagt, weil sie bewusst Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht und Abstandsgebot unterliefen. Im Lahrer Rathaus sah man am Montagnachmittag noch keinen Grund einzuschreiten, wie Bürgermeister Guido Schöneboom auf LZ-Nachfrage sagte: "Uns ist klar, dass dieser Protest zumindest indirekt provozieren und uns auch ein Stückweit herausfordern soll. Doch aktuell bewegt er sich in einem unterschwelligen Bereich – die Teilnehmer sind friedlich und bislang relativ klein an der Zahl. Ein Verbot ist aus unserer Sicht aktuell nicht angezeigt."

Eine Einschätzung, die sich freilich jederzeit ändern könne: "Wir beobachten das Geschehen genau und schrecken bei Bedarf auch nicht vor einer härteren Gangart zurück."

So lief es in anderen Städten: Rund 750 "Spaziergänger" waren am Montagabend in der Offenburger Innenstadt unterwegs. Den öffentlichen Raum mussten sie sich diesmal mit einer Gegenveranstaltung teilen: Auf Einladung der Ortenauer SPD boten ihnen etwa 450 Demonstranten verschiedener Parteien und Organisationen Paroli. Mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz reihten sich die Teilnehmer entlang der Hauptstraße zu einer Menschenkette auf. "Alles ist friedlich verlaufen", erklärten Polizei und Stadt im Nachgang.

In Wolfach scheinen die Gegendemonstranten die "Spaziergänger" mittlerweile aus den Straßen verdrängt zu haben. Überwog die Zahl der Maßnahmen-Gegner vergangene Woche noch deutlich, war diesen Montag nur noch eine Hand voll unterwegs. Ihnen gegenüber standen rund 60 Impfbefürworter.

Das sagt das Landratsamt: "Wir haben intern und mit den Kommunen schon über ein kreisweites Verbot diskutiert", berichtet Behördensprecher Kai Hockenjos. Bei der Abwägung sei man "zu dem Schluss gekommen, aus Gründen der Verhältnismäßigkeit derzeit darauf zu verzichten". Sollte das Landratsamt künftig eine Allgemeinverfügung erlassen, würde diese überall in der Ortenau gelten – mit Ausnahme der fünf Großen Kreisstädte Lahr, Offenburg, Kehl, Oberkirch und Achern.

Info - "Rebellen" auf Telegram

Gegner von Corona-Maßnahmen und einer möglichen Impfpflicht tauschen sich in einer Gruppe des Messenger-Diensts Telegram aus, die sich "Corona-Rebellen Lahr" nennt. Die Gruppe hat – Stand Montagabend – 158 Mitglieder. Dabei informieren sich die "Corona-Rebellen Lahr" gegenseitig insbesondere über Termine der sogenannten "Spaziergänge" in Lahr, im Umland oder auch in weiter entfernten Städten. Zum anderen werden einschlägige Videos unter anderem auf Youtube geteilt.

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